Gesichtet

Erneuerbare Energie (II): Eine ökonomische Katastrophe

Die Energiewende stellt dieses Land nicht nur vor gewaltige strukturelle Herausforderungen, sondern auch vor schier unüberwindbare finanzielle. Das merkt man schon allein, wenn man seine Stromrechnungen seit der Jahrtausendwende im Auge behalten hat. Kostete die Kilowattstunde im Jahre 2000 noch 13,9 Cent, so waren es 2018 29,4 Cent. Das entspricht einer Steigerung von 111 Prozent, respektive sechs Prozent jährlich. Grund hierfür ist vor allem die Energiewende.

Konventionell ist günstiger als grün

Vergleicht man die einzelnen Kraftwerkstypen hinsichtlich der Kosten, die bei der Erzeugung einer Kilowattstunde entstehen, wird ein sehr klares Bild ersichtlich. So sind die konventionellen Kraftwerke ungleich billiger als die grünen Energieerzeuger. So kostet Strom aus einem Atomkraftwerk rund 5 ct/kWh. Der Wind schwankt zwischen 7 und 12 ct/kWh, Photovoltaik-Anlagen produzieren Strom mit rund 8–10 ct/kWh.

Nun folgt aus dem Umstand, dass Wind- und Sonnenenergie nur sporadisch zur Verfügung stehen, diese aber immer bevorzugt werden müssen, bei der Einspeisung eine Benachteiligung der konventionellen Kraftwerke, die dennoch als drehende Reserve weiterlaufen müssen. Damit den Netzbetreibern dadurch keine finanziellen Nachteile entstehen, sieht das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eine sogenannte technikneutrale Einspeisevergütung vor.

Das heißt, die höheren Produktionskosten der Erneuerbaren Energien, in welche auch die Kosten für die nicht genutzten konventionellen Kraftwerke fließen, werden vom Staat subventioniert, damit der grüne Strom auf dem Markt konkurrenzfähig bleibt. Diese Umlage belief sich 2018 auf 6,8 ct/kWh.

Das ist der EEG-Anteil am Strompreis. Dieser ist jedoch nicht gleichzusetzen mit dem Anteil der Subventionen für Windkraft und Photovoltaik. Der Betrag wird zu unterschiedlichen Anteilen auf die verschiedenen Energieträger Windkraft, Photovoltaik, Wasserkraft, Biomasse etc. verteilt. Darin sind auch die Kosten für die Preisgarantien enthalten, die bei fallendem Börsenpreis durch zufällige Überproduktion der Erneuerbaren verursacht werden.

Subventionen ohne Ende

Für das Jahr 2015 ergab sich folgendes Bild: Die EEG-Umlage belief sich auf 6,2 ct/kWh. Jedoch wurden vor allem die erneuerbaren Energien subventioniert. So wurde durchschnittliche jede kWh, die durch PV-Anlagen produziert wurde, mit 29,3 ct/kWh subventioniert. Bei der Windkraft war es onshore 6,9 ct/kWh und offshore 15,2 ct/kWh. Somit gehen die Subventionen der erneuerbaren Energieträger auch auf Kosten der konventionellen Kraftwerke. Denn dieser Kraftwerksstrom wird durch die EEG-Umlage künstlich verteuert, damit hier die Subventionen für die grüne Energie erwirtschaftet werden können. Zahlen muss es letztlich der Endverbraucher.

Der Staat greift in den Strommarkt ein und verschafft den Erneuerbaren Energien einen künstlichen Wettbewerbsvorteil durch Subventionen. Dieser „Wettbewerbsvorteil“ kostete allein 2017 den Endverbraucher 24 Mrd. Euro. Von 2000 bis 2017 waren es insgesamt rund 211 Mrd. Euro. Subventionen dieser Art werden auch unter anderem dafür aufgewandt, den Netzbetreibern Entschädigungszahlungen zu leisten, wenn diese aufgrund einer starken Überproduktion von Strom wegen günstigen wettertechnischen Bedingungen den Strom als Ramschware ins Ausland verkaufen müssen.

Das geschieht teilweise jedoch in Zeiten, in dem die Nachfrage auf dem europäischen Strommarkt nicht besonders hoch ist. Der Strom muss dennoch irgendwo hin, da das EEG vorschreibt, den grünen Strom zu vermarkten – auch wenn ihn niemand haben will. Also zahlt man seinen Abnehmern Geld, damit sie diesen dennoch nehmen. So entstehen sogenannte negative Strompreise, die zusätzlich die EEG-Umlage in die Höhe treiben; ganz davon abgesehen, dass dieses Vorgehen absolut unwirtschaftlich ist.

2011 waren es insgesamt 15 Stunden, in welchen deutscher Strom zu negativen Preisen ins Ausland exportiert wurde, nämlich -3,7 ct/kWh. 2012 waren es schon 56 Stunden mit dem bisherigen Rekordpreis von -22,2 ct/kWh. Im Schnitt wurden es jedes Jahr mehr Stunden, in dem eine solche aberwitzige Situation vorherrschte. 2017 waren es immerhin 146 Stunden, in denen die Kilowattstunden für -8,3 ct/kWh verkauft wurden. Tendenz weiterhin steigend.

Schaffen die Erneuerbaren wenigstens neue Arbeitsplätze?

Auch wird man sich darauf einstellen müssen, dass die EEG-Umlage in Zukunft weiter steigt. Denn mit dem zunehmenden Ausbau der Erneuerbaren Energien werden die konventionellen Regelkraftwerke zusehends weniger rentabel, weil sich die Zeiten, in dem sie vom Netz genommen werden müssen, häufen werden. Abgeschaltet dürfen sie dennoch nicht aufgrund der Netzstabilität. Kommt womöglich bald eine eigene Subvention für konventionelle Kraftwerke, damit die Betreiber sich gegen die Abschaltung entscheiden? Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, warnt bereits vor Milliardenkosten: „Die Stabilisierung der Netze ist komplexer geworden und kostet uns alle viel Geld“, sagte er dem Handelsblatt.

Nun könnte man einwenden, aufgrund dieser Subventionen ist zwar der Strom etwas teurer geworden – das sei jedoch der Preis, den man bereit sei, für grünen Strom zu zahlen. So liegt Deutschland derzeit rund 10 Cent pro Kilowattstunde über dem europäischen Durchschnitt. Leider hat sich damit die ökonomische Problematik der Energiewende nicht erschöpft.

Denn auch die Überzeugung vieler Ökostrombefürworter, die Erneuerbare Energie würde neue Arbeitsplätze schaffen, ist nur eine nette Geschichte. Denn grundsätzlich gilt, nur Arbeitsplätze schaffen Wohlstand. Dabei gibt es prinzipiell nicht zu wenig Arbeit, sondern zu wenig Geldmittel, um diese bezahlen zu können. Denn mehr Lehrer, Polizisten und Pflegekräfte können wir immer gebrauchen. Daher müsste – wenn man ökonomisch arbeiten will – die Maxime, nach welcher immer der kosteneffizienteste Herstellungsweg gewählt werden sollte, verinnerlicht werden. Andernfalls muss man an Arbeitsplätzen sparen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Kein Innovationsdruck für grüne Industrien

Arbeitsplätze im Sektor der Erneuerbaren sind jedoch nur durch Subventionen möglich. Sprich, man hat sich nicht für die kostengünstigste Herstellung des Produkts entschieden. Was das für unsere Volkswirtschaft bedeutet, ist nichts als Mathematik. Wenn an einer Stelle unverhältnismäßig viel Geld investiert wird, muss an anderer Stelle gespart werden. So müssen für einen Arbeitsplatz in besagtem Sektor an anderer Stelle zwei Arbeitsplätze eingespart werden. So wird Arbeitslosigkeit durch die Energiewende potenziell verschärft, nicht abgebaut.

Hinzu kommt, dass die grüne Industrie maßgeblich an den Subventionen hängt. Dadurch entfällt aber auch jedweder Innovationsdruck. Man muss sich keinen Wettbewerbsvorteil durch Innovation erarbeiten, schließlich zahlt Vater Staat unabhängig davon. Auf welche Summe belaufen sich also die Kosten der Energiewende? Jürgen Trittin hatte zu seiner Zeit als grüner Bundesumweltminister versprochen, die Energiewende würde lediglich mit „1 Euro pro Familie und Monat, gerade einmal so viel wie eine Kugel Eis“ zu Buche schlagen. Dass das nicht ganz die Wahrheit war, ist offensichtlich.

Dessen Nachfolger, der ebenfalls ehemalige Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) rechnete hingegen einige Jahre später vor, die Kosten würden sich auf rund 1.000 Mrd. Euro belaufen. Bei 80 Mio. Einwohnern wären das pro Kopf etwa 10.000 Euro.

Mindestens vier Billionen Euro Kosten

Darin sind jedoch einige Kostenfaktoren nicht berücksichtigt. So zum Beispiel der notwendige Netzausbau von 3.000 Kilometern Hochspannungsnetz, beziehungsweise 200.000 Kilometern regionale Netze. Auch die Kosten für benötigte Speicher wurden nicht berücksichtigt. Warum auch, sie spielen in den Plänen der Bundesregierung ohnehin keine Rolle. Nimmt man das Pumpspeicherkraftwerk als derzeit beste Speicheroption, so müsste man dennoch 20.000 neue bauen. Das würde zu Buche schlagen mit etwa 3.000 Mrd. Euro. Das ist schlicht nicht bezahlbar. Somit werden sich die tatsächlichen Kosten der Energiewende, denkt man sie bis zu Ende, auf ein Vielfaches von der veranschlagten einen Billion belaufen.

In diesem Zuge kann gleich mit einem weiteren Märchen aufgeräumt werden. Die zukünftige Energieerzeugung wird sich nicht dezentralisieren. Die Annahme, die Energiewende werde die großen Energiekonzerne entmachten, ist utopisch. Aufgrund der geringeren Energiedichte von „Erneuerbaren“ – eine PV-Anlage benötigt für die gleiche Leistung, wie ein Atomkraftwerk eine Fläche, die 300–500 mal so groß ist – benötigt man, will man in das Energiegeschäft einsteigen, viel Land. Man benötigt überdies riesige Kräne, um Windräder aufzustellen. Spezialschiffe, um diese auf See zu installieren.

Sprich, man benötigt einen großen Haufen Geld, um in das Energiegeschäft einsteigen zu können. Auch wird die Erneuerbare Energie nicht unsichtbar bleiben. Riesige PV-Anlagen und „verspargelte“ Landschaften gibt es jetzt schon zu Genüge. Man denke an die vielen zusätzlichen Stromleitungen, die Deutschland von Nord nach Süd, von West nach Ost überspannen werden. Und ganz nebenbei hat es die überwunden geglaubte Planwirtschaft in Deutschland zu neuer Blüte gebracht – mit allen dazugehörigen Konsequenzen.

Hier geht es zu Teil eins.

(Bild: Pixabay)

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1 Kommentar zu “Erneuerbare Energie (II): Eine ökonomische Katastrophe

  1. Johannes Seitz

    Ein sehr interessanter und brisanter Artikel, wie ich finde. Könnte ich dazu auch ein paar Quellenangaben haben?

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