Gesichtet

Erneuerbare Energie (III): Alternativen

Seit Jahren werden Milliarden Euro in die Energiewende investiert. Es werden massenhaft wirtschaftlich, wie strukturell ineffiziente Windparks und Solarkraftwerke gebaut. Gleichzeitige werden klimaneutrale Energieträger ausgemustert, wie der geradezu panisch beschlossene Atomausstieg am 11. März 2011 nach dem Reaktorunglück in Japan.

Dabei werden erhebliche strukturelle und wirtschaftliche Defizite hingenommen, weil die Energiewende offenbar „alternativlos“ sein soll. Begründet wird das im Wesentlichen mit zwei Argumenten, die man immer wieder hört, sobald die Diskussion um die „Erneuerbaren“ aufflammt.

Peak Everything?

Erstens: Es müsse zukünftig Kohlenstoffdioxid eingespart werden, damit der Klimawandel aufgehalten werden könne. Zweitens: Die Bedeutung der erneuerbaren Energien ergebe sich letztlich aus den immer knapper werdenden Ressourcen fossiler Energieträger, wie Öl und Gas. Im Folgenden soll die Stichhaltigkeit dieser Argumente hinterfragt werden.

Zunächst: In diesem Aufsatz soll die Prämisse unhinterfragt als wahr angenommen werden, nach welcher ein Zusammenhang zwischen der Konzentration an Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre und der Erderwärmung angenommen wird, obwohl bekannt ist, dass eine Korrelation zwischen ersterem und letzterem nicht eindeutig bewiesen ist, ganz davon abgesehen, von einer Kausalität zu sprechen.
Theoretisch ließe sich mithilfe der Erneuerbaren Energie erheblich CO2 einsparen – zumal durch den konsequenten Verzicht auf Atomkrafttechnologie nur noch Kohle- und Gaskraftwerke als Alternative zur Verfügung stünden.

Praktisch gesehen stehen diesem Ziel jedoch zwei Aspekte im Weg. Erstens wird eine konsequente CO2-Einsparung erst möglich sein, wenn eine entsprechende Speichertechnik zur Verfügung steht, die das Mitlaufen der konventionellen Kraftwerke als „drehende Reserve“ überflüssig macht. Da dies aber noch in weiter Ferne scheint, werden konventionelle Kraftwerke am Netz bleiben müssen, um die Netzstabilität wenigstens einigermaßen zu gewährleisten.

Der zweite Punkt, der einer nachhaltigen Reduktion im Wege steht, ist das System der Europäischen Union, an jedes Land eine festgelegte Anzahl an Zertifikaten zu verteilen, die diese zu einer entsprechenden Ausstoß von Kohlenstoffdioxid berechtigen. Die Gesamtanzahl der Zertifikate ist festgelegt. Jedoch können die Zertifikate gehandelt werden. Benötigt ein Mitgliedsland der EU nicht alle Zertifikate, so kann es diese nicht benötigten Zertifikate an andere Mitgliedsstaaten verkaufen. Die Folge davon ist, dass der Gesamtausstoß an CO2 in der EU nicht nennenswert sinkt. Es werden lediglich die Emissionen räumlich verlagert.

Gesamteuropäische Reduktion?

Solange also die EU im Ganzen nicht eine Verringerung der Zertifikate und damit des Gesamtvolumens der CO2-Emissionen beschließt, bringt der „deutsche Sonderweg“ rein gar nichts. Und da es Deutschland vorbildlich demonstriert, welche Risiken mit der Energiewende einhergehen, ist es nur verständlich, dass kaum ein anderes Land Interesse an einem „Experiment“ wie diesem hat.

Aus dem Gesichtspunkt des ersten Arguments für die Energiewende wäre es also nur richtig und konsequent, zunächst einmal eine gesamteuropäische Reduktion zu beschließen, um anschließend Erneuerbare Energien auszubauen. Deutschland macht es genau anders herum. Erst werden Windräder und Solaranlagen aus dem Boden gestampft, dann wird von den anderen erwartet, es gleichzutun. Anschließend ist man empört, weil niemand Anstalten mache. Letztlich spielt man sich in Sachen Energiepolitik als Moralapostel in Europa auf, was uns nicht gerade Pluspunkte im Ausland einbringt.

Marginale Einsparungen durch Deutschland

Des Weiteren ist es sehr unwahrscheinlich, dass sich die 28 Mitgliedsstaaten auf eine Verringerung der Zertifikate einigen werden. Schließlich gilt auch hier der Grundsatz, nachdem eine Entscheidung immer unwahrscheinlicher wird, je mehr Menschen entscheiden dürfen. Erweitert man den Fokus über die Grenzen der EU hinaus, ist die Gesamtlage noch entmutigender.

So steht Deutschland weltweit zwar an sechster Stelle, mit rund 730 Millionen Tonnen emittiertem Kohlenstoffdioxid (2015). Gleichzeitig macht diese zunächst einmal stattliche Summe nur rund 2,7 Prozent der gesamten menschenverursachten Emissionen aus. Hinzu kommt, dass Forscher bereits 2011 allein durch das Auftauen der Permafrostböden eine Freisetzung von rund 30 bis 63 Milliarden Tonnen bis ins Jahr 2040 berechnet haben.

Überschlägt man die Zahlen, ergibt sich folgendes Bild: Hätte Deutschland seit 2011 kein Gramm CO2 mehr emittiert, so wäre das eingesparte Kohlenstoffdioxid durch die auftauenden Permafrostböden „kompensiert“ worden; und zwar um den Faktor zwei bis drei. Alles in allem sind die Einsparungen an Kohlenstoffdioxid durch die Energiewende in Deutschland doch als marginal einzustufen.

Fracking: Lösung oder Gefahr?

Nun zu Punkt zwei: Fossile Energieträger sind endlich – soweit, so einfach. Es kann daher nie falsch sein, diese zu schonen, damit sie auch nachfolgenden Generationen zur Verfügung stehen. Jedoch wird dieses Argument immer unterlegt von einem leicht hysterischen Unterton. Als ob bei uns spätestens in ein paar Jahren alle Lichter ausgehen, wenn wir nicht sofort auf grüne, alternative Energieformen umsteigen.

Tatsächlich werden durch neu entwickelte Fördermethoden laufend neue Bestände nutzbar gemacht, sodass ein Ende der fossilen Energieträger Öl und Gas noch lange nicht abzusehen sind. Ein Beispiel ist das sogenannte Fracking. Hier wird das in Schiefergestein gebundene Öl mithilfe von hohem Wasserdruck und Chemikalien aus dem Gestein gelöst. Die dadurch erschlossenen Reserven sind unermesslich groß.

Freilich, die Methode des Fracking birgt Risiken für Mensch und Natur. Jedoch gilt das auch für den konventionellen Bergbau. Hinzu kommt, dass Fracking auch laufend weiterentwickelt wird, was eine höhere Sicherheit für Land und Leute verspricht. Gegen Fracking zu sein, gleichzeitig jedoch nichts gegen konventionellen Bergbau zu haben, ist nicht konsequent.
Aber auch neue Bohrtechniken haben dazu geführt, dass zukünftig Lagerstätten gefördert werden können, die zuvor als nicht erschließbar galten. Ein Beispiel hierzu ist Wintershall, welches das größte Förderprojekt von Öl und Gas auf deutschen Boden betreibt.

Im niedersächsischen Emlichheim werden seit gut 60 Jahren Öl und Gas gefördert; und zwar in konstanten Fördermengen. So wurde erst mit konventionellen Pumpen gearbeitet. Dann wurde kaltes Wasser ins Gestein gepumpt, um das Öl aus selbigem zu pressen. Anschließend wurde das mit heißem Wasser gemacht. Nun wird dazu heißer Dampf verwendet. Hinzu kommen vertikale Bohrungen, die heute durchgeführt werden können. Diese machen weitere Bestände erschließungsfähig.

Es gibt noch genug Vorkommen

Andere Vorkommen wie Methanhydrat-Lagerstätten am Meeresboden werden heute noch gar nicht angezapft. Die geschätzten Vorkommen am Grund des Meeres übersteigen sogar die im weltweit vorhandenen Schiefergestein um ein Vielfaches. Länder wie Japan sind derzeit darum bemüht, eine effiziente Fördermethode zu entwickeln. Der Erfolg wird wohl nur eine Frage der Zeit sein. Hinzu kommen in Deutschland verpönte Energieträger, wie Uran und Thorium, die noch gesichert für Jahrhunderte, gar Jahrtausende reichen werden.

Auch können durch weitere Effizienzsteigerungen Einsparungen erfolgen, was das Ende der fossilen Energieträger nochmals nach hinten verschieben könnte. Allerdings sei hier angemerkt, dass auch hier nicht bis ins Unendliche hinein eingespart werden kann, sondern durch das Gesetz des „abnehmenden Grenznutzen“ gedeckelt ist.

Generell gilt, das Erdöl wird noch länger reichen, als bisher angenommen. Dafür sprechen zumindest die ständigen Korrekturen nach oben, weil man immer wieder auf neue Vorkommen stößt. So hieß es Ende der 1980er Jahre, die weltweiten Erdölreserven seien in spätestens 40 Jahren erschöpft, also 2030. Jedoch sind es heute immer noch 40 Jahre, wenn nicht sogar mehr. Schätzungen gehen von bis zu 150 Jahren aus, bevor es kein Erdöl mehr gibt. Bei Erdgas sind es immerhin noch stabile 200 Jahre. Festzuhalten ist zumindest im Falle des Erdöls, dass der Vorrat noch für 40 Jahre reicht – und das seit 40 Jahren. Und vermutlich werden es in 20 Jahren immer noch 40 Jahre sein.

So sollten wir diese schier unerschöpflichen Energiereserven dieser Erde dazu nutzen, eine wohlüberlegte, nachhaltige und vor allem effiziente Energiewende durchzusetzen. Denn die Energiewende von heute ist schließlich selbst nicht in der Lage, Energie in ausreichendem Maße und in ausreichender Sicherheit zur Verfügung zu stellen. Stattdessen werden Milliarden in den Sand gesetzt, die besser in die Forschung vielversprechenderer Energieträger hätten gesteckt werden können.

(Bild: Pixabay)


2 Kommentare zu “Erneuerbare Energie (III): Alternativen

  1. Niekisch

    Unsere größte Umweltverschmutzung hat mit der Verbrennung fossiler Stoffe nichts zu tun. Aber darüber zu reden ist inopportun.

  2. Klaus-P. Kurz

    Guter Artikel, aber: es ist ein unsinnig, die »offizielle« Schätzung, »Erdöl gäbe es noch bis zu 150 Jahre.« zu erwähnen, obgleich der Autor selbst einräumt, dies würde so alle 40 Jahre wieder nach oben korrigiert. Tatsache ist, daß es Kohlenwasserstoffe sehr wahrscheinlich wesentlich länger geben wird als die Menschheit. Eine genaue Beweis-Herleitung würde an dieser Stelle zu weit führen, aber man denke in diesem Zusammenhang nur an CH4 (Methan). Das ist eine der einfachsten CH- Verbindungen, aber sie ist allgegenwärtig. Kohlenstoff und Wasserstoff gibt’s auf unserem Planeten in Hülle und Fülle. Bringt man sie (in Subduktionszonen etwa) unter hohe Drücke, erhalten wir (vereinfacht dargestellt) Erdöl und Erdgas, d.h. die Entstehung unserer sogenannten »fossilen« Energieträger ist weitgehend anorganischer Natur.

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