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Erziehung: Ein auch von uns vernachläßigtes Thema

Vielleicht hat ja jemand gestern Abend die Talkrunde hart aber fair gesehen. Der reißerische Titel der Sendung lautete: »Übe Mozart oder Dein Kuscheltier brennt! Wie viel Härte braucht Erziehung?«. Frank Plasberg lud dabei bemerkenswerterweise drei Gäste ein, die sich mehr Disziplin und Härte im deutschen Bildungswesen wünschen, und nur zwei, die für den herrschenden anti-autoritären Stil stehen.  Der Pädagogik-Professor Micha Brumlik bewies gleich in seinem ersten Statement, welch absurde Gleichung sich in seinem Kopf festgesetzt hat. Laut ihm gilt die Gleichung: Disziplin = autoritär = menschenverachtend = deutsch = Auschwitz. Zum Glück stand er mit dieser Ansicht völlig alleine da.

Wie sich die Kräfteverhältnisse in einigen – zugegeben – recht »soften« Debatten, wie der über die Frauenquote oder eben jetzt über die richtige Erziehung, in den letzten Monaten verschoben haben, ist doch eine erstaunlich positive Wendung. Aber eins wird dann auch immer offensichtlich: Den konservativen Softies in den Talkshows fehlen meistens die elementarsten Grundlagen. Gestern meinten sie doch allen Ernstes, man müsse sich eine Scheibe von der Tigermutter und dem chinesischen Modell abschneiden. An Humboldt erinnerte sich aber niemand. Das ist schon bezeichnend.

Ich will aber gar nicht zu viel Kritik austeilen, weil wir – abgesehen von dieser experimentellen Ausnahme – auch noch nichts Grundsätzliches zur Erziehung gesagt haben. Es wird also höchste Zeit. Ich suche also einen Autor, der sich dem Thema »Erziehung« und der deutschen Bildungstradition ausführlich widmet. Wer sich das zutraut, den möchte ich darum bitten, sich einfach bei mir zu melden.

Ohne den Anspruch, jetzt auf die Schnelle die Leitgedanken dieses Themenkomplexes umreißen zu können, stehen für mich folgende Positionen fest:

  • Zur frühkindlichen Erziehung: Kindergarten ja, aber zu viel Einflußnahme des Staates halte ich für eine Gefahr. Die Disziplin-Befürworter bei Frank Plasberg glauben, daß es für den globalen Wettbewerb notwendig sei, Kinder so früh wie möglich mit Wissen und Kompetenzen auszustatten, damit sie später bestehen können. Meiner Meinung nach sollte die Kindheit als Lebensabschnitt geachtet werden, in dem sich der Aufwachsende ausschließlich spielerisch der Welt nähern darf.
  • Zur Schule: Da schließe ich mich dem Lehrer Heino Bosselmann komplett an: »Schule muss wieder heran an Natur, Arbeit, Handwerk, an die Bewährung, die nur erfolgt, wenn jungen Menschen echte Verantwortung übertragen wird.« Und außerdem: »Reine Wissensvermittlung gibt es nicht, aber die tantenhaft beschworene Methode, „das Lernen zu lernen“, funktioniert ohne Inhalte gar nicht.«
  • Selektion: Entgegen der heute weit verbreiteten Ansicht, wonach doch bitte so viele Schüler wie möglich Abitur machen sollten, setze ich viel mehr auf Auswahl. Haupt- und Realschulabschlüsse müssen wieder aufgewertet werden. Nur die wirklich Guten sollen Abitur machen, um danach studieren zu können. Die anderen sind mit einer Lehre viel besser bedient. Ansonsten habe ich an dieser Stelle einmal ausgeführt, wie wir bildungspolitisch die Weichen stellen sollten.
  • Erziehung (außerschulisch): Ich muß zugeben, daß ich so ca. ab der sechsten Klasse aufgehört habe, meine Hausaufgaben zu erledigen. Ich hatte einfach andere Dinge im Kopf, vor allem Sport. Es fällt mir also aus autobiographischen Gründen schwer, mich einem Lob der Disziplin so ohne Weiteres anzuschließen. Dennoch, an alle jungen Leser: Macht bitte eure Hausaufgaben, damit mal was aus euch wird. Außerschulisches, zweckfreies Engagement – also eine Suche nach den eigenen Begabungen und Leidenschaften – halte ich dennoch für viel wichtiger als die Hausaufgaben. Wirklich etwas für´s Leben habe ich in diversen Vereinen und bei freiwilligen Projekten gelernt. Ich halte es also für absolut richtig, wenn Eltern bei ihren Kindern darauf achten, daß sie selbst etwas aus sich machen. Ganz entscheidend allerdings ist, daß die Kinder und Jugendlichen dieser frei gewählten Beschäftigung regelmäßig nachgehen.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

5 Kommentare zu “Erziehung: Ein auch von uns vernachläßigtes Thema

  1. Dietmar Holz

    Hallo Felix,
    ein sehr brisantes Thema, weil existentiell für Deutschland.
    Wir haben hier keine Rohstoffe, nur unsere Köpfe.
    Es gibt viele Problemfelder, z.B.
    Alleinerziehende oder Familien mit geringem Bildungsstand (aber auch HARTZ 4-Empfänger oder gestresste) sind häufig mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Oft werden die Kinder als Partner des Erwachsenen betrachtet, was das Kind aber nicht einordnen kann. Außerdem braucht es klar abgesteckte Grenzen um sich in der Gesellschaft einordnen zu können. Gut beschrieben im Bestsellerbuch
    »Warum unsere Kinder Tyrannen werden« von Michael Winterhoff.
    In der Schule ist das Problem, dass Lehrern von allen Seiten reingeredet wird und sie keine Autoritätspersonen mehr sind. Außerdem gelingt es ihnen oft nicht, bei den Kindern Begeisterung zu wecken. Studenten auf Lehramt werden auch nicht darauf gebrieft, ob sie den Beruf ausüben können. Deshalb sind viele selbst unglücklich in ihrem Job.

  2. Felix Menzel

    “Warum unsere Kinder Tyrannen werden” von Michael Winterhoff kann ich auch empfehlen. Das ist sehr gut und ausgewogen.

  3. Doch, in der Printausgabe Nr. 10 vom Dezember 2008 hat B. Jahn Zschocke schonmal einen grundsätzlichen Artikel zum Thema Erziehung gebracht: »Verantwortung gegenüber der Jugend versus Erziehungsanarchie – Das deutsche Bildungssystem setzt offensichtlich nicht mehr auf Werte. Der Erziehung im Privaten erhält dadurch eine noch größere Bedeutung.«

  4. Ich kann hier ebenfalls ein sehr gutes und ausgewogenes Werk empfehlen. Und zwar Herbert Vogel, Grundlagen nationalpolitischer Erziehung. Viel Freude beim lesen.

  5. L'ancien régime

    E: Is klar

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