Gesichtet

EU bricht der Autoindustrie das Rückgrat

Die Europäische Union will ihren „Green Deal“. Und dafür geht sie über Leichen. Mit der für 2025 geplanten neuen „Euro-7-Abgasnorm“ soll ein weiterer Meilenstein in dem selbstgesteckten Ziel, bis 2050 weitestgehend emissionsfrei und damit „klimaneutral“ zu sein, erreicht werden.

Dass hier aber wie selbstverständlich eine ganze Wirtschaftsbranche buchstäblich in den Ruin getrieben werden soll, spielt dabei offensichtlich keine Rolle. Eins steht zumindest fest: Sollte Euro-7 kommen, steht die deutsche Automobilbranche vor dem Ende!

Konkret sollen die Abgasbestimmungen drastisch verschärft werden. Dabei geht es vor allem um die Reduzierung sogenannter Stickoxide. Durfte ein Benziner bisher noch 60 mg und ein Diesel sogar 80 mg NOx pro Kilometer ausstoßen, sollen es ab 2025 nur noch 30 mg sein. Nicht so schlimm, wie manch einer denken könnte. Schließlich unterschreiten bereits jetzt laut Herstellerangaben einige Dieselfahrzeuge den angepeilten Grenzwert von 30 mg. Beispielsweise der BMW 520d mit 1 mg/km oder der Mercedes 220d mit sogar 0 mg.

Dieser Meinung ist auch „Autopapst“ Ferdinand Dudenhöffer, der die Verschärfungen als „richtig und sinnvoll“ erachtet und nur moderate Mehrkosten für entsprechend bessere Filtertechnik prognostiziert. Frei danach, wenn nur ein paar Euro mehr investiert würden, wäre das alles kein Problem und das sollte uns unser Klima schon wert sein. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht.

Keine Abgase in Extremsituationen: Wie soll das gehen?

Neben dem kleineren Grenzwert sollen die Messmethoden der Abgasmessung ebenfalls bedeutend verschärft werden. So soll die bisherige Messtoleranz von 25 bis 30 mg entfallen. Bisher muss der Grenzwert auch nur im Mittel eingehalten werden. Die neue Abgasnorm hingegen verlangt von den Herstellern einen Motor, der auch in Extremsituationen unter dem festgesetzten Grenzwert bleibt. Also auch beim Kaltstart, mit Anhänger am Berg oder im langsamen Stadtverkehr.

Dass vor allem bei niedrigen Temperaturen der Ausstoß von Stickoxiden gerne mal gut das Zehnfache betragen kann, haben die EU-Bürokraten wohl nicht bedenken wollen. Oder wie es die Chefin des VDA, Hildegard Müller, ausdrückt: „Die Kommission will vorschreiben, dass künftig ein Fahrzeug in jeder Situation quasi emissionsfrei bleiben muss. (…) Das ist technisch unmöglich und das wissen auch alle.“ Auch von Karsten Schulze, Technikpräsident des ADAC, kam Kritik. Grenzwerte sollten technisch machbar sein und „den Verbrennungsmotor nicht ins Aus manövrieren“.

Hinter der rigorosen Politik der EU-Kommission steckt freilich eine ganz andere Absicht. Man will dem ideologischen Wunschkind, dem E-Auto, endlich zum Durchbruch verhelfen. Ähnlich, wie es bei den Verschärfungen der CO2-Abgaswerte auf 95 g/km durch die EU-Verordnung Nr. 433 ab 2020 gemacht wurde. Man hat den Grenzwert einfach so niedrig angesetzt, dass Autobauer nun gezwungen sind, vermehrt E-Autos zu produzieren, damit der sogenannte Flottengrenzwert nicht überschritten wird. Für jedes Gramm CO2, das bei einem Fahrzeugmodell zu viel ausgestoßen wird, muss der Hersteller eine Strafe zahlen.

E-Trucks, die sich nicht verkaufen, aber wenigstens keine Strafe kosten …

Diese kann nur dadurch wieder reduziert werden, wenn andere Modelle unter dem Grenzwert bleiben. Hybride und E-Autos werden besonders bevorzugt, weil dadurch entstandene CO2-Einsparungen doppelt gezählt werden. So ist beispielsweise VW dazu gezwungen seine E-Autoflotte massiv auszubauen, damit die Produktion von normalen Verbrennern kompensiert wird. Ein Freund von mir, der als Ingenieur bei einem bekannten deutschen Lkw-Hersteller arbeitet, hat mir ebenfalls davon berichtet, dass nun auch E-Trucks gebaut werden, die sich aber sehr schlecht verkaufen. Einzig aus dem Grund, keine oder weniger Strafe zahlen zu müssen.

Eine hanebüchene Rechnung. Ein E-Auto kann mit dem aktuellen deutschen Strommix kein einziges Gramm CO2 einsparen. Und da man auf Kernenergie als „saubere“ Alternative verzichten will, wird das im Falle Deutschlands auch so bleiben.

Das E-Auto wird konkurrenzfähig gemacht, indem die Standards für die Konkurrenz einfach so angehoben werden, dass sie gar nicht erfüllt werden können und damit ein faktisches Verbot ausgesprochen wird – auch wenn man dies natürlich in den offiziellen Stellen immer bestreiten wird. Ganz davon abgesehen verdeutlicht dieses Vorgehen auch, dass die Elektrifizierung des Verkehrswesens auf diesem Weg nur durch planwirtschaftliche Mittel durchgesetzt werden kann. Das aber wird auf Dauer nicht funktioniert, wie ein kurzer Blick in die Geschichte zeigt.

Batterie-Produktion in Deutschland besonders teuer

Deutsche Politiker reden nun gerne von der „einmaligen Chance“, die der deutschen Automobilindustrie geboten werde. Und auch die Wertschöpfung würde im Land gehalten, weil man umrüsten könne. Eine Autobatterie zu produzieren benötigt rund 10.000 kWh Strom. Beim aktuellen Strompreis wären das 3.000 Euro – nur für die Energie zur Herstellung der Batterie. In China würde dieselbe Energie nur 300 Euro kosten. Warum sollte also die deutsche Autobranche in Deutschland bleiben, wenn anderswo viel billiger produziert werden könnte?

Hinzu kommt, Verbrennungsmotoren werden nach 2025 ebenfalls kaum noch in der EU, geschweige denn in Deutschland hergestellt. Wieso sollte man auch ein Auto dort produzieren, wo man hohe Produktionskosten und darüber hinaus keinen Absatzmarkt mehr hat? So wird auch die Produktion der Verbrenner in Länder wandern, die dafür noch einen Markt bieten, wie China, Indien oder schlicht: Nicht-Europa.

Der Verbrennungsmotor wird durch Grenzwerte, die nicht eingehalten werden können, faktisch verboten. Dieses Verbot durch die Hintertür wird tausende Arbeitsplätze kosten und eine der größten Wirtschaftszweige in Deutschland gegen die Wand fahren. Auch wird das für den Staat erheblichen Verlust bedeuten, da der einstmalige Stolz der deutschen Wirtschaft die Produktion vollständig ins Ausland verlagern wird.

Wollte man hingegen sinnvoll die Abgase mittel- und langfristig reduzieren, sollte man auf andere Strategien setzen. Der Ausbau und die Vergünstigung des Zugverkehrs und des ÖPNV zum Beispiel. Hingegen stur auf unmöglichen Grenzwerten zu beharren, ist nicht zielführend und bricht einer ganzen Industrie das Rückgrat.

(Bild: Pixabay)


1 Kommentar zu “EU bricht der Autoindustrie das Rückgrat

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