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»Europa als eine große Republik«

gibbonBei all den unschönen Entwicklungen der Europäischen Union und den nicht ganz ernst zu nehmenden Störfeuern aus Großbritannien und den Niederlanden darf man das Ideal Europa nicht aus den Augen verlieren. In einem Buch von Denis de Rougement habe ich nun von dem britischen Historiker Edward Gibbon (1737-1794) einen Absatz gefunden, der die Spannung zwischen Nation und Europa brillant auf den Punkt bringt. In seinem Monumentalwerk Geschichte des Verfalles und Unterganges des römischen Weltreiches (3200 Seiten!) schreibt er:

Es ist die Pflicht eines Patrioten, das ausschließliche Interesse und den Ruhm seines Vaterlandes vorzuziehen und zu befördern; ein Philosoph aber darf seine Blicke erweitern und Europa als eine große Republik betrachten, deren verschiedene Bewohner fast dieselbe Höhe der Gesittung und Kultur erreicht haben. Das Gleichgewicht wird fortfahren zu schwanken, und der Wohlstand unseres eigenen wie der benachbarten Königreiche mag abwechselnd gehoben oder herabgedrückt werden: aber diese vereinzelten Ereignisse können unserem allgemeinen Glückzustande, dem Systeme der Künste, Gesetze und Sitten, welches die Europäer und ihre Kolonien so vorteilhaft von dem übrigen Menschengeschlechte unterscheidet, keinen wesentlichen Abbruch tun.

Würde man ein paar wenige Worte auswechseln, wäre dies eine perfekte Beschreibung unserer heutigen Lage. Der europäische Geist muß sich gegen die postdemokratische Globalisierung behaupten und darf nicht in scheinbare Sicherheit verfallen. Diese »scheinbare Sicherheit« spricht auch Gibbon an. Man müsse immer auf der Hut sein vor neuen Feinden und unbekannten Gefahren, die »möglicherweise aus einem dunklen Volke, das auf der Weltkarte kaum sichtbar ist, erstehen können«.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

1 Kommentar zu “»Europa als eine große Republik«

  1. eddy edmund

    Solange sich »EU Europa« aus wirtschaftlich globalistischen Interesse die Option offen laesst ein »Konstrukt « ohne klare
    unveraenderbare Grenzen zu bauen wird es nie eine autarke von Souveraenitaet gepraegte europaeisch abendlaendische Identitaet geben.Im Gegenteil: der permanente »Ost -und Tuerkeidiskurs« verhindert dieses gradezu! Noch nie habe ich in einer Tuerkybeitrittsdiskussion wenigstens in Theorie den Vorschlag gehoert der europaeische ehemals giechische Tuerkeiteil koennte ja losgeloest von der Tuerkei EU Mitglied werden…natuerlich unrealistisch,Konstantinopel wuerde mit 99% im Falle einer Volksabstimmung ablehnen – EU Europa koennte aber mit diesem klaren Dogma Fakten schaffen.Gleiches gilt fuer eine Osterweiterung – wo endet das Abendland,gleich heutiges Europa genau?! Eine Interpreation Europa 2013 im Sinne einer EU waere die alte »EWG« plus die traditionell vatikanoes gepraegten »Oststaaten« waere sicher in
    Kerneuropa konsensfaehig! Fakt ist jedoch in jedem Fall: ein europaeischer Staatenbund kann nur zu 100% in Europa angesiedelt sein…Staaten auf zwei Kontinenten koennen nur strikt geteilt Mitglied im Staatenbund sein! Eine denkbar schlechte Variante-aber vermutlich die Dogmatik die am ehrlichsten ist und vor allem Sicherheit schafft.Die Frage ob Europaeische Staaten ueberhaupt einen Staatenbund(etc) brauchen sei dahingestellt..,ueber wirtschaftlichen Globalismus
    hinausgehende sinnige Argumente – voellige Fehlanzeige! Und selbst die global wirtschaftliche Argumentation hinkt gewaltig:zu
    klar das derart ins Argumentativ gehend »Eu Europa«nur eine Zwischenstation Richtung »One World Oligarchie« der
    Multikonzerne waere. Mein Baecker, mein Friseur, mein Schlachter duerften eher nicht expansiv profitieren… Also- wieviele der rund 70 Million meiner deutschen Landsleute profitieren konkret? ! Konkret,nicht imaginaer und in welcher Hoehe…dies gegengerechnet gegen konkrete Verluste die einige meiner Landsleute schon heute treffen! ? Antworten…Alternativlos ist nur der Tod – ich bevorzuge die »Baecker,Schlachter,Friseur Erklaerung«…«wir reden immerhin« vom einem Experiment das in Auswirkung minimum 30 Jahre spuerbar ist..fuer jeden Deutschen rund 1/3 Leben! Also warum?
    Awaiting… auf was auch immer…

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