Anstoß

Fachkräftemangel? Ein Kampfbegriff der Linken und Wirtschaftsliberalen

Vor Jahren warnte der bekannte Kritiker der bundesdeutschen Bildungspolitik, Josef Kraus, vor der totalen Akademisierung des deutschen Arbeitsmarktes. Die populistische Absenkung von Bildungsstandards habe innerhalb von 40 Jahren zu einer Verdoppelung der Hochschulzugangsberechtigten geführt, während frei nach Helmut Schelsky die Arbeit mittlerweile andere machen.

Dies hat dann letztlich zum heute ausgerufenen Fachkräftemangel in Deutschland geführt. Denn wenn Hunderttausende mit zweifelhaften akademischen Würden ausgestattet am Steuerrad stehen, gibt’s immer weniger, die auch rudern oder die Segel setzen wollen – und können. Dabei hat man, um im Bild zu bleiben, die Ruderfachkräfte dann mittels der grenzenlosen Massenimmigration in die Bundesrepublik geholt, in der Hoffnung, den Missstand damit in den Griff zu bekommen. Von denen konnten allerdings die wenigsten rudern und die allermeisten hatten noch nie ein Ruder gesehen.

Doch man hat bei dem ganzen Theater nie erwähnt, dass das Problem eigentlich hausgemacht ist. Josef Kraus fragte schon 2017: „Ist es noch ‚normal‘, dass wir seit 2014 mehr Studienanfänger haben als junge Leute, die eine berufliche Bildung anfangen? Ist es ‚normal‘, dass wir in Deutschland 330 Berufsbildungsordnungen und 17.000 Studienordnungen haben? Ist der Mangel an Fachkräften keine Folge eines Akademisierungswahns?“

Den hat übrigens aus Gründen der Wählerstimmenabschöpfung niemand anderes als die arrivierten Politiker zu verantworten. Das perfide Wahlkampfversprechen der Wirtschaftsliberalen, Grünen und Linken, „Wer Akademiker ist, dem wird es einst besser gehen“, ist angesichts der fatal reduzierten Prüfungsstandards und der „Geisteswissenschaftler“-Schwemme in deutschen Landen null und nichtig.

Andererseits ist der Begriff des „Fachkräftemangels“ mittlerweile ein sozialpolitischer Kampfbegriff geworden. Zweifelsohne gibt es einen Mangel an Fachkräften. Etwa in den MINT-Fächern ab der Techniker-Ebene, aber auch in den Branchen, die von den fahrlässigen Corona-Maßnahmen besonders geschädigt wurden: Pflege und Gesundheit, Gastro und Hotellerie und traditionell wegen der Schwere der Arbeit beispielsweise auf dem Bau.

Dazu kommt bei der zuletzt genannten Branche, dass man den „Girls Day“ der Metzger- oder Maurerinnung noch nicht erfolgversprechend initiieren konnte, harte Arbeit verträgt sich nicht mit ideologisierter Gleichberechtigung. Da hilft dann aber in jedem Fall das Märchen des Fachkräftemangels. Der sicher nicht im rechten Teil des politischen Spektrums anzusiedelnde Dennis Tamesberger von der Arbeiterkammer Oberösterreich meint, dass der Fachkräftemangel als „Kampfbegriff verwendet [wird], um die Interessen der Unternehmen zu pushen und durchzusetzen“.

Auf dem Webportal karrierebibel.de konnten wir im Mai 2021 lesen, dass eine Studie der Bundesagentur für Arbeit (BA) besage: „Nein […]. Es existier[t] kein flächendeckender Fachkräftemangel in Deutschland.“ Grundsätzlich ist allerdings davon auszugehen, dass die Arbeitgeber im Interesse der produzierenden Betriebe eine frei verfügbare, in gewisser Hinsicht existentiell abpressbare Niedriglohnarbeiterschaft – Stichwort „Lohn-Dumping – wünschen und das Thema angesichts drohender Rezessionsszenarien immer wieder auf den Tisch legen.

Andererseits ist der Linken jedes Mittel recht, um die gewachsenen Strukturen unseres Landes für einen grundlegenden öko-sozialen Umbau abzureißen. Dass der allergrößte und wirklich ernst zu nehmende Fachkräftemangel derjenige von Lehrkräften an unsren Schulen ist, geht den Politikern nicht auf. Denn Bildungspolitik war, ist und bleibt ein Terrain, auf dem man nur mittel- bis langfristig die Wählergunst erwerben kann. Und das ist für die Altparteien-Berufspolitikerkaste in Deutschland wegen der geforderten Leistungsnachweise und einer nachvollziehbaren Ergebnislage völlig uninteressant.

Hans-Peter Hörner ist AfD-Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg.

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