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Flüchtlinge privat aufnehmen!

sternDer stern von heute portraitiert in seiner Titelgeschichte Marwan Rahmani, den »berühmtesten Asylsuchenden Deutschlands«. Bekannt geworden ist er durch ein Foto, das national wie international für Entsetzen gesorgt hat: Rahmani liegt gefesselt am Boden, währenddessen ein Sicherheitsmann auf seinen Hals tritt. Wer ist dieser Rahmani? Ein armes Opfer, wie das Foto uns sofort zu verstehen gibt?

Rahmani ist ein 28-jähriger Algerier. Nach Deutschland kam er laut eigener Aussage, weil man sich in seiner Heimat erzählt, hier wachse »Geld auf den Bäumen«. 2007 entschied er sich deshalb zur Flucht, wofür er 1.500 Euro an Schleuser zahlen mußte. Der erste Fluchtversuch scheiterte. Rahmani überlebte mit viel Glück.

Beim zweiten Mal war er erfolgreicher und landete nach der Gummiboot-Fahrt über das Mittelmeer in Lampedusa.

In Italien mochte er nicht bleiben. Die überforderten Behörden wollten ihn auch nicht, lieber ein Flüchtling weniger, als ließen sie ihn weiterziehen. Er reiste nach Nizza, wo er jahrelang schwarz auf dem Bau arbeitete und als Illegaler ein gutes Leben hatte, bis er 2012 aufflog. Er fuhr weiter nach Belgien, um dann, vor einigen Wochen, endlich das Land seiner Träume zu erreichen.

Asyl beantragt hat der Algerier jedoch erst Ende vergangener Woche. Eigentlich hätte man ihm da direkt sagen können, daß sein Antrag überhaupt keine Aussicht auf Erfolg hat, weil er nach geltendem Recht (Dublin-Verordnung) nur in dem europäischen Land Anspruch auf Asyl hat, das er zuerst betreten hat.

Rahmani war ein Illegaler und dürfte sich garnicht in Deutschland aufhalten

Nun spielen aber diese Gesetze überhaupt keine Rolle mehr für die Bundesrepublik Deutschland. Asylbewerber wie Rahmani erfahren zwar irgendwann, daß ihre Anträge abgelehnt wurden, aber bleiben dürfen sie dann trotzdem. Auch spielt es in der öffentlichen Wahrnehmung überhaupt keine Rolle, ob Rahmani nun ein »Flüchtling«, Asylbewerber oder illegaler Einwanderer ist. De facto war er zum Zeitpunkt der widerwärtigen Mißhandlung durch diesen Sicherheitsvollidioten mit »Ruhm und Ehre« auf dem Unterarm ein Illegaler, der seit Wochen auf Kosten des deutschen Steuerzahlers lebt.

Nun hat sich der stern neben Rahmani auch noch mit anderen Flüchtlingen getroffen, die in ihrer Heimat in der Tat grausame Dinge erlebt haben und wahrscheinlich mit gutem Recht um vorübergehende Aufnahme in Deutschland bitten. So betont etwa ein syrischer Anwalt: »Ich hoffe, dass der Krieg bald endet, damit wir heimkehren können.«

Von Heimkehr wollen indes die stern-Autoren nichts wissen. Ohne auf den Einzelfall zu schauen, schreiben sie: »Die Flüchtlinge sind gekommen, um zu bleiben«. Und darüber freuen sich die Damen und Herren Journalisten, denn: »Eigentlich sind Flüchtlinge jedoch Deutschlands größte Chance.« Warum das so sein sollen, erklären sie nicht, aber man kann es sich denken.

Das Asylgeschäft wird von gescheiterten Existenzen betrieben

Einziges Problem: Der Staat kümmere sich nicht gut genug um die Flüchtlinge. So sei es normal in Deutschland, daß allerhand gescheiterte Existenzen (Zitat: »ehemalige Fleischer, (…), Studienabbrecher, Metallbauer, Ingenieure oder Damenmodehändler in Borna« – überflüssige Soziologen zählt der stern leider nicht auf) »in das Asylgeschäft wechseln«.

Dieser Mißstand stimmt natürlich, doch ist er völlig irreführend erzählt. Die derzeitige Unterbringung und fehlende Integration von Asylbewerbern ist tatsächlich ein riesiger Skandal. Insbesondere kann es nicht sein, daß die rechte Hand des Staates nicht weiß, was die linke tut. Das heißt: Staatliche Aufgaben müssen staatlich bleiben und dürfen nicht an gewinnorientierte Unternehmen »outgesourct« werden. Im konkreten Fall muß der Staat also, wenn er ein Asylbewerberheim betreiben möchte, auch den Sicherheitsdienst übernehmen.

Der zweite Teil der Wahrheit ist jedoch, daß die staatliche Aufgabe der vorübergehenden Aufnahme von hilfsbedürftigen Flüchtlingen nur gelingen kann, wenn die Anzahl der Asylbewerber von Vornherein begrenzt wird und damit bezahl- und planbar bleibt. Auch in einer Welt, die »aus den Fugen geraten ist« (Frank-Walter Steinmeier), wäre dies recht einfach möglich, wenn wir z.B. erstmal damit anfangen würden, alle Mitgliedstaaten der EU zur Aufnahme eines ertragbaren Kontingents an Flüchtlingen zu verpflichten.

Die Deutschen wünschen sich mehr Flüchtlinge

Der stern schlägt zwischen den Zeilen hingegen einen anderen Weg vor: Da ja 51 Prozent der Deutschen noch mehr Flüchtlinge aufnehmen wollen und wir gerade eine »nie gekannte Offenheit und Hilfsbereitschaft« auf Seiten der deutschen Bevölkerung erleben, sollte die Unterbringung von Asylbewerbern vorrangig in Wohnungen erfolgen.

Das Leben in der Wohnung fördert nicht nur die Integration, es ist unterm Strich billiger für den Staat. Hauptgrund: In großen Lagern wie der Siegerland-Kaserne in Burbach verursachen Betreiberfirmen und das Sicherheitspersonal erhebliche Kosten.

Auch dieser Vorschlag ist im Kern richtig, aber mir geht er noch nicht weit genug. Ich kann den CDU-Politiker Martin Patzelt gut verstehen, der unlängst forderte, Flüchtlinge sollten privat bei Familien in ganz normalen Wohnungen untergebracht werden. Denn es ist immer sehr einfach, etwas vom Staat zu verlangen, aber selbst nichts zu tun. Viel schwieriger ist es, selbst die Leistung zu erbringen, die man bisher immer nur vom Staat erwartet hat.

Private Aufnahme auf eigene Kosten

Im Gegensatz zu Patzelt würde ich nur die Rahmenbedingungen dieser privaten Unterbringung von Asylbewerbern anders gestalten: Zunächst einmal müßte sich der Staat komplett von der Aufgabe der Unterbringung von Flüchtlingen verabschieden, so daß dem Steuerzahler keine Kosten mehr dadurch entstünden. Dann könnte gerne jeder, der es möchte, Asylbewerber, so viel er möchte, auf eigene Kosten (!!!) in seinem Haus aufnehmen.

Das hätte den Vorteil, daß wir endlich einmal sehen würden, wie groß die Aufnahmebereitschaft der Deutschen wirklich ist. Und ich bin sogar großzügig, weil sich dies unsere reiche Gesellschaft schließlich auch leisten kann: Der Staat sollte genauso viele Aufnahmeplätze schaffen und bezahlen, wie zu gleicher Zeit privat entstehen. Das heißt: Wenn sich in der Zivilgesellschaft 5.000 Plätze für Flüchtlinge finden lassen, würde der Staat auf Steuerzahlerkosten für 5.000 weitere Plätze sorgen. Würden sich 20.000 Plätze über die Zivilgesellschaft organisieren lassen, würde die Aufnahmekapazität der Bundesrepublik hingegen bei 40.000 liegen. 300.000 Asylbewerber können wir dann allerdings nur ins Land hineinlassen, wenn sich 150.000 Privathaushalte finden, die einen Flüchtling auf eigene Kosten beherbergen.

Dieses private System hätte noch einen weiteren ganz entscheidenden Vorteil: Jeder aufnahmebereite Bürger könnte sich vorab die Leidensgeschichte seines Flüchtlings sowie seine Zukunftspläne anhören und dann entscheiden, ob er ihn wirklich aufnehmen möchte. Leute wie Marwan Rahmani dürften es dann sehr schwer haben, in Deutschland unterzukommen.

Anmerkung der Redaktion: Wie sich Felix Menzel die »Neuordnung des Asylwesens« vorstellt, hat er in einem Vierteiler beschrieben.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

4 Kommentare zu “Flüchtlinge privat aufnehmen!

  1. Rudolf Stein

    Diese Vorschläge sind allesamt noch unausgegoren und lösen das eigentliche Problem nicht, nämlich die Auflösung der deutschen Kultur in einem Ozean unterschiedlichster orientalischer Sitten und Gebräuche. Es wird langsam Zeit, dem deutschen Bürger die Lage des Staates unverblümt darzustellen. Und diese Lage ist so, dass der Staat bald nicht mehr der Flüchtlingsströme Herr wird und die Samthandschuhe gegenüber seinen eingeborenen Bürgern ausziehen muss. Niemand im Staatsapparat glaubt ernsthaft, dass – von einer vernachlässigbaren Anzahl von Gutmenschen abgesehen – jemand in seiner Privatwohnung Schlaf- und Wohnzimmer räumt, um in der Badewanne zu schlafen, dazu noch die Miete weiter zu blechen. Und da das niemand ernsthaft glaubt, hilft nur der Zwang. Die ultima ratio des Flüchlingsproblems ist, jeden Wohnungsbesitzer / -mieter per Notstandsgesetz zu zwingen, Flüchtlinge aufzunehmen und zu versorgen. Zuwiderhandlungen werden damit geahndet, dass der deutsche Wohnungsinhaber in ein Flüchtlingsheim ausquartiert wird, während eine orientalischen Familie in die freiwerdende Wohnung einziehen darf. Es versteht sich von selbst, dass der deutsche Erstmieter weiter die Miete bezahlen muss und nur eine Notausrüstung (Gewicht muss noch festgelegt werden) mitnehmen darf. Schließlich soll den orientalischen Nachmietern von Anfang an ein lebenswertes Wohnen in ihrer neuen Bleibe gesichert werden. Für nähere Erläuterungen stehen den deutschen Behörden jene Beamten in Polen und der Tschechoslowakei zu Verfügung, die 1945/46 den Auszug der deutschen Bevölkerung aus den ehemaligen deutschen Landesteilen organisierten.

  2. 51% der Deutschen wollen mehr Flüchtlinge aufnehmen? Abgesehen davon, dass die 51% fast so verdächtet sind wie die 98,5%, die in der DDR die SED gewählt haben, würde mich die Suggestivfrage schon interessieren, die dort gestellt wurde.

  3. Privat aufnehmen: Patzelt ist einige Jahre zu spät mit seiner Idee. Bevor der, Patzeld von der CDU, anfing mit seinem späten Hirnschmalz, hatte ich solche Gedanken bei Gelegenheit den Asyllobbyisten und lokalen Parteien vorgebracht. Nein, nicht virtuell sondern persönlich, scherzhaft, überparteilich, unausweichbar. Was mir an diesem Artikel gefällt, ist die relativierende Idee darüber eigene Kapazitäten den staatlichen Unterbringungsmöglichkeiten gegenüber zu stellen. Sehr klug, Felix; fast preisverdächtig. Ich erntete immer nur Spott, wenn ich derartiges erzählte. Die penetranten Ausländerfreunde sind noch nicht am Ende. Das irritierende daran, ist, daß sie es nicht selbst merken und wahrnehmen oder vernünftige Schlüsse daraus ziehen. Da hängt auch einiges dran: Stichwort »Lebenslüge« und Existentialismus.

    Hinzubemerkt: Einige Bekannte von mir leben gemischtrassig, neu liiehrt. Ihre Hochzeitsfeiern, zu denen man zwangsläufig eingeladen wurde, strahlten immer eine missmutige, depressive Aura aus. Gedanke: das geht nicht gut. Was reitet dich? Willst du mich veräppeln? Am Ende veralbern die sich selbst. Das tut mir so leid, aber ich kann nichts dafür. Die Leute sind so dämlich.

    Und das schrillste ist, daß sie hysterisch und beleidigt auf den bescheidensten Hinweis darauf reagieren. Plötzlich heißt es: du bist krank! Du brauchst »professionelle Hilfe« usw.

    Hier stimmt doch was nicht. Mit solchen Typen bin ich durch und fertig.

  4. Humoristischer Nachschub: Um zu verstehen, wie Multikulti-beselte ticken, folgende Anekdote: Einer von denen hatte tatsächlich den Plan, sich ein Zebra auf die Pferdewiese zu stellen. Reaktionärer Gedankengang: Was die (die Pferdehalter) können, gelingt mir im Handumdrehen. Scherzend nachgefragt: Wie wärs denn lieber mit einer Giraffe? Die macht was her; so ein Tier hat nicht jeder! Als ich versuchte über Domestizierungsfragen zu reden, hat er abgewunken und den Plan aus seinem Hirn verbannt. Nur Irre, überall.

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