Anstoß

Frauenquote: „Nur eine Krücke“

Welche skurrilen Blüten die deutsche Gleichstellungspolitik treibt, zeigt die Europäische Zentralbank (EZB). Diese hat nun nach Berichten der FAZ eine abgelaufene Bewerbungsfrist für ihre freien Spitzenpositionen bei den Bankenkontrolleuren verlängert. Der Grund war kaum ein Mangel an Bewerbungen. Nur die eigentliche Zielgruppe hat es wohl nicht so mit Bankgeschäften: Frauen.

Hat man in der Vergangenheit immer mal wieder von Fällen gehört, in denen Frauen ihren männlichen Mitbewerbern einfach nur deshalb vorgezogen wurden, weil sie Frauen sind, bekommt hier dieses unsägliche Gleichstellungsparadigma eine neue Qualität.

Spitzenpositionen nur für Frauen …

So wurde die EZB in der Vergangenheit immer wieder dafür kritisiert, in den Führungspositionen seien kaum Frauen vertreten. Das folgende Gelöbnis zur Besserung wird beim Vorstand der Zentralbank wohl besonders ernst genommen.

Die Ärmsten. Jetzt schreibt man schon Spitzenpositionen extra für Frauen aus – und dann meldet sich einfach niemand. Zumindest niemand geeignetes. Das lässt natürlich ratlose Gesichter zurück. Ja, muss man denn das weibliche Geschlecht zu ihrem Glück wirklich zwingen? Scheint fast so.

… doch es meldet sich keine geeignete

Da kämpft man schon den feministischen Befreiungskampf mit und erntet von den Beglückten auch noch Unverständnis und Desinteresse. Wie viele Frauenbeauftragte braucht es denn noch, bis das schöne Geschlecht endlich kapiert, dass es benachteiligt ist? Und wie viele aus dem Steuertopf finanzierte Gender-Lehrstühle werden noch gebraucht, um jene Utopie der absoluten Gleichheit auch in der Wirtschaft durchzusetzen?

Manuela Rousseau, die Autorin des Buches Wir brauchen Frauen, die sich trauen, aber auch langjährige Aufsichtsrätin des börsennotierten Kosmetikkonzerns Beiersdorf und Professorin an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, stellt jedenfalls fest, Frauen sollten „etwas mehr Mut“ entwickeln, wenn sie erfolgreich sein wollen.

In der Tat, die Wirtschaft ist ein rücksichtsloses Feld. Hier wird nach wie vor mit harten Bandagen gekämpft. Und wer bis an die Spitze will, braucht eine Prise Rücksichtslosigkeit und starke Ellenbogen. Warum sind also Frauen nicht so „erfolgreich“ wie Männer? Wohl deswegen, weil Männer rücksichtsloser sind. Mann weiß, was er will und dieses Ziel wird mit einer Aggressivität verfolgt, die vielen Frauen schlicht fehlt.

Der Mut, den Berg zu besteigen

Frauen, so Rousseau, sollten erst einmal den „Mut aufbringen, den ersten Schritt den Berg hinauf(zu)gehen, klare Entscheidungen (zu) treffen – das alles ist nicht gerade bequem.“ Dennoch lohne sich der Weg. Das sei jetzt so dahingestellt. Jedoch widerspricht dies den gängigen Postulaten diverser Gender-Gleichstellungs-Aktivisten, demnach der böse Mann an allem Schuld sei.

Interessant in dieser Hinsicht ist auch das Urteil Rousseaus über jene Förderprogramme und Bevorteilungen von Frauen hinsichtlich der Postenvergabe. Denn bei aller Sympathie für Gender- und Diversität-Programme sieht sie genau darin auch eine gewisse Zweischneidigkeit. Ihr Credo zur weiblichen „Selbstermächtigung“ würde nämlich genau durch die gezielte Förderung von Frauen untergraben werden. So zementiere die Quote – welche sie als „nur eine Krücke“ bezeichnet – „Stereotypen“, nach denen Frauen es nicht allein schaffen würden und auf Hilfe angewiesen wären. Dem kann man nur zustimmen.

Schlichte Benachteiligung von Männern in Bezug auf die Besetzung von Spitzenpositionen ist hier offensichtlich nicht die Lösung. Da hilft es nicht, wenn alle nach Frauenquoten schreien und Aufsichtsratssessel zu 50 Prozent mit Frauen besetzen wollen. An den alten weißen Männern kann es doch nicht allein liegen. Schließlich räumen diese ja schon freiwillig ihre Schreibtische, um der Quote zu genügen.

Wieso kann hier nicht mit Maß und Verstand gehandelt werden? Wenn eine Frau die Qualifikationen und den Willen für einen Managerposten oder Vorstandssessel mitbringt, soll sie ihn haben – gesetzt den Fall, sie besteht gegen ihre männlichen Mitbewerber.

(Bild: Manuela Rousseau, Christina Körte / Verlagsgruppe Random House, CC BY-SA 3.0 DE)


1 Kommentar zu “Frauenquote: „Nur eine Krücke“

  1. „Die Ärmsten. Jetzt schreibt man schon Spitzenpositionen extra für Frauen aus – und dann meldet sich einfach niemand. Zumindest niemand geeignetes. Das lässt natürlich ratlose Gesichter zurück.“ (Christian Schumacher „Frauenquote“ 4. Juni 2019)

    „Die Ärmsten“ hatten einfach keine Zeit, die mussten in Cannes demonstrieren – u. a. Wie kann der Autor da auch nur andeutungsweise – und dazu latent boshaft – unterstellen, daß es vielleicht doch keine objektiv ausreichend qualifizierte Damen für die „freien Spitzenpositionen“ der EZB geben könnte. Ha! Dabei müsste es doch mittlerweile jedes Kind eigentlich besser wissen: Frauen sind die bessren Chefs (oder muß es jetzt Chefinnen heißen?); die bessren… sowieso – also Frauen endlich (wieder; nach einschlägigen Mythologen) an die Macht, dann können wir alles schaffen! Sind sie längst! – werden jetzt ein paar ewig unbelehrbare, griesgrämige „alte weiße Männer“ mit stillem Zorn grummeln. Das ist natürlich reiner Wahn.

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