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Gender-Debatte an Uni Leipzig: »Moralische Panik« der Normalen?

An der Uni Leipzig will die Debatte um genderkonforme Anreden wie »Herr Professorin« nicht nur Ruhe kommen. Auf einer Podiumsdiskussion verriet jetzt Rektorin Beate Schücking, wie die Reaktionen auf die Einführung des generischen Femininums ausfielen.

Die Rektorin habe hunderte E-Mails dazu erhalten. Der Tenor: »Die spinnen ja.« Die Frauenbeauftragte der FU Berlin, Mechthild Koreuber, stört sich an dieser erwartbaren Entrüstung scheinbar jedoch nicht. Dem Tagesspiegel verriet sie, daß sie sich vorstellen kann, dem Leipziger Vorbild zu folgen:

Das ist eine interessante Idee – vor allem vor dem Hintergrund, dass derzeit etwas rückläufig mit der geschlechtersensitiven Sprache umgegangen wird.

An manchen Tagen bin ich ganz froh über diese Gender-Debatten. Es gibt kein zweites Thema, anhand dessen man unpolitischen Menschen so einfach erklären kann, welchen ideologischen Irrsinn es in diesem Land gibt. Wer die Unterschiede zwischen Mann und Frau weglügen will, macht sich – außer an der Universität – schnell lächerlich. Beate Schücking weiß jetzt, wie sich das anfühlt, wenn sich zum gesunden Menschenverstand eine Portion Entrüstung gesellt.

Auf der anderen Seite hat die taz-Journalistin Heide Oestreich zumindest in einer Sache bei der Leipziger Podiumsdiskussion ins Schwarze getroffen: Der Protest gegen den Gender-Wahn an der Uni Leipzig bringt eine »moralische Panik« hervor, die immer dann auftritt, »wenn die symbolische Ordnung geändert wird«. Den Widerstand gegen die Homo-Ehe in Frankreich erklärt sich Oestreich ebenfalls auf diese Weise.

Diese Panik ist jedoch leider recht unproduktiv. Bald schon wird der Sprachunsinn geschluckt und jeder kämpft sich wieder durch seinen Alltag. Im schlimmsten Fall könnte diese Panik sogar ein Ventil für diejenigen sein, die eine solche Debatte dazu gebrauchen, Dampf abzulassen und durch ihre Entrüstung ihr Gewissen beruhigen wollen.

Die Gender-Kritik muß deshalb umfassender ansetzen. Sie darf nicht den Fehler begehen, sich lediglich über die Wortungetüme lustig zu machen. Worauf es ankommt, ist, was bei der (normalen) Jugend von dieser Ideologie hängenbleibt. Aus diesem Grund haben wir unseren Thesen-durch-Fakten-Anschlag vom September 2012 zum Thema »Jugend und Revolte« mit dem kämpferischen Slogan versehen: »Wir sind die bessere NEON!«

Einer der wichtigsten Beiträge darin stammt von Benjamin Jahn Zschocke, der die Phänotypen der »Jugend aus dem NEON-Automaten« beschreibt. Er unterscheidet den »Umgewandelten«, den »hammerharten Karrieristen«, den »jungen Revoluzzer«, den »Liebe suchenden Exhibitionisten« und die »selbstbestimmte Frau«. Frappierend an diesen Phänotypen ist, daß sie alle unecht sind. Die jungen Leute, so wie sie sich die NEON und die Gender-Industrie wünschen, spielen sich selbst etwas vor und sind – jede Wette – tief im Inneren unglückliche Menschen. Jahn Zschocke hat für seinen Beitrag eine herausgepickt:

Hena Wolz ist dreißig Jahre alt und wohnt in Berlin. Sicher hat sie irgendwas mit Geisteswissenschaften studiert, die Wohnung mit praktischen IKEA-Eß-Kombinationen nebst Nirvana-Postern eingerichtet, ist unverheiratet und kinderlos. Sie wählt Grüne, Piraten oder SPD und verdient monatlich im Schnitt 2.500 Euro brutto.

Wer so leben will, soll weiter seine NEON lesen und über die Verweiblichung der Sprache philosophieren. Alle anderen sind besser bei uns aufgehoben und sollten zu den Thesen-durch-Fakten-Anschlägen greifen, weil es hier um das Ganze und nicht um das intellektuelle Wohlbefinden in der gendergerechten Gesellschaft geht.

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5 Kommentare zu “Gender-Debatte an Uni Leipzig: »Moralische Panik« der Normalen?

  1. Es ist jetzt auch nicht meine Wunschvorstellung, aber es bedarf schon einer intellektuellen Anfangsanstrengung, um in dem beschriebenem Lebensentwurf das Schreckensbild zu erkennen, als das er herhalten soll. Und wenn das für mich gilt, dann für den »Mainstreamstudenten« erst Recht. Der wird gar nicht wissen, was jetzt eigentlich das Problem sein soll.

  2. Felix Menzel

    @ OJ: Es geht auch nicht um ein schwarz-weiß-Schreckensbild. Der »Mainstreamstudent« landet auch nicht bei uns. Es geht um die, die sich gerade vor diesem Mainstream und einem langweiligen Leben a la Hena Wolz ekeln.

  3. Mmh, okay. Frei nach den Ärzten: »Ist das noch Metapolitik?«

  4. Andreas witt

    « Die jungen Leute, so wie sie sich die NEON und die Gender-Industrie wünschen, spielen sich selbst etwas vor und sind – jede Wette – tief im Inneren unglückliche Menschen«

    Ja, und wer im Unglück lebt, versucht andere damit reinzuziehen oder gleich zu machen…..das ist Gender und Feminismus. Schreckliche Ideologien.

  5. Dem ersten Kommentator ist schon Recht zu geben, die Schreckensvorstellung ist für kaum einen in den herrschenden Zuständen sozialisierten Menschen ersichtlich. Wenn, dann sollten alternative Lebensentwürfe aufgezeigt werden und sich die Angesprochenen mit diesen beschäftigen. Doch selbst gewillte Aussteiger müssen erst unbequeme und steinige Wege gehen, bevor sie – mit einigem Abstand – den monotonen Irrsinn des realexistierenden Zustandes überhaupt zu erkennen und begteifen in der Lage sind. Und dieser Weg ist auch nie zu Ende…

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