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Gesinnungsjournalismus und die Beantwortung der Gewalt-Frage

Letztes Jahr haben wir ausführlich über den 5. März in Chemnitz berichtet, der sozusagen eine Miniatur des Dresdner 13. Februars ist. Dieses Jahr haben wir uns das gespart, weil es nichts Neues zu berichten gab. Alles schien sich zu wiederholen:

Eine weitere Konstante ist die linkslastige Lokalpresse. Die Regionalzeitung Freie Presse berichtet heute auf Seite 3 unter der vielsagenden Überschrift »Beklemmend friedlich« über den Protest gegen die »Neonazi«-Demonstration. Der Bericht von Ulrike Nimz beginnt wie folgt:

Der Mann am Straßenrand ist sich sicher. Chemnitz hat heute zum zweiten Mal sein Gesicht verloren – das einer weltoffenen, engagierten Stadt. Hans Grosse steht an der Bahnhofsstraße und hält sich gemeinsam mit seiner Frau an einem Transparent fest. »Faschismus ist keine Meinung – Faschismus ist ein Verbrechen«

Als Eindruck von dem Beitrag soll das reichen. Welcher Meinung vertritt Nimz und die Freie Presse? Zum einen schließt sie sich den Faschismus-Parolen der Linken an, zum anderen – das ist viel bemerkenswerter – bezieht sie aber auch Stellung zur Gewaltfrage und reiht sich somit in das Bündnis aus Linken und Antifas ein:

Die Polizei hat am Sonnabend in Chemnitz dafür gesorgt, daß es nicht zu Ausschreitungen kam und es somit »beklemmend friedlich« wurde. Darüber beschwert sich die Freie Presse. Sie hätte es anscheinend lieber gesehen, wenn jedermann/-frau Steine auf die »Verbrecher« hätte werfen dürfen. Gewalt ist nach dieser Logik immer dann in Ordnung, wenn sie den eigenen Feind trifft. Wenn Politiker solche Auffassungen vertreten, dann mag dies aus einem Lagerdenken resultieren. Wenn aber inzwischen selbst die idealtypisch als Kontrollinstanz gedachte Presse zur Selbstjustiz im Meinungskampf aufruft, entlarvt dies die betreffenden Journalisten als Handlanger von gewaltbefürwortenden Radikalinskis, denen die Grundwerte der politischen Kultur (Demokratie, Freiheit) völlig egal sind.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

3 Kommentare zu “Gesinnungsjournalismus und die Beantwortung der Gewalt-Frage

  1. Bei den Kommentaren von Albrecht Schröter oder Barbara Ludwig muss ich immer an M. Niemöller denken:

    „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
    Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
    Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich nicht protestiert; ich war ja kein Gewerkschafter.
    Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

    Man vertausche die Wörter »Nazis« und »Kommunisten« und schon kommt man der aktuellen Interpretation sehr nahe. Aber dann bitte kein Geheule von Seiten Schröter & Ludwig, wenn sie irgendwann selber Opfer der radikalen Linken werden. (siehe z.B.: http://www.morgenpost.de/berlin/article1283563/Autonome-drohen-offen-mit-Gewalt-zum-1-Mai.html)

  2. Mein Opa sagt immer:

    Freie Presse = Freie Fresse

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