Rezension

Hans Blüher: Der Bündische

Einsam und vergessen verstarb 1955 im damaligen Westberliner Ortsteil Hermsdorf ein Schriftsteller, der das Verhältnis von Politik und Männlichkeit um 1900 neu definierte und sein Leben lang ein dorniges und nicht immer erfolgreiches, dafür aber konsequentes Schriftstellerleben führte. Es ist der Philosoph Hans Blüher (1888-1955), der sich selbst als Konservativen Revolutionär bezeichnete.

Schon als Jugendlicher entwickelte er seinen eigenen Schreibstil, dessen versierte und provokante Art von einem messerscharfen Geist zeugte. Dies brachte Blüher nicht immer Erfolge. So verließ er etwa die Universität wegen polemischer Schriften ohne Abschluß, konnte dafür aber umso mehr sein Leben eines zielsicheren Schriftstellers und notfalls auch Einzelgängers verwirklichen. Seine Leistungen indessen wurden nur von wenigen Kennern gewürdigt. Darunter befinden sich die Schriftsteller Thomas (1875-1955) und Klaus Mann (1906-1949) sowie Franz Werfel (1890-1945) und Franz Kafka (1883-1924). Auch die Dichter Gottfried Benn (1886-1956) und Rainer Maria Rilke (1875-1926) pflegten den Kontakt zu Blüher.

Der Männerbund als Grundlage des Staates

Er war seinerzeit und ist heute insbesondere bekannt durch seine theoretische Verknüpfung der sozialen Erscheinungsformen des Männerbundes und der damals noch neuen Jugendbewegung. Das 1950 erschienene Standardwerk zur Konservativen Revolution von Armin Mohler stellt fest, daß von einer Rezeption Blühers nur bedingt gesprochen werden könne. Dies ist wohl auch darauf zurückzuführen, daß Blühers Werk von Textverlusten geprägt ist. So ist bisher zweifelhaft, wo etwa die umfangreiche Korrespondenz des Autors sowie die Registratur des von Wolf-Heribert Flemming angelegten Hans-Blüher-Archivs aufbewahrt werden.

Es zeugen nur die umfassenden vorhandenen Schriften Blühers davon, daß sein Wirken damals wie heute eine besondere Wirkung in Literatur, Dichtung und Forschung in Deutschland hinterlassen hat. »Der Auftrag an den einzelnen Denker, der auch jedes Mal eine neue Inkarnation ist, liegt darin, unter dem freien Drucke des Welthintergrundes ein Gedankengebäude wie aus dem Urgestein herauszumeißeln, das Auskunft über den Bau der Welt und deren Bedeutung gibt.« Dies schrieb Blüher in seinem Schluß- und Hauptwerk Die Achse der Natur (1949).

Homosexualität als anthropologische Konstante

Danach richtete er sich dauerhaft und wurde nicht müde, den Bau der Welt erklären zu wollen. In seinem Frühwerk schrieb er die erste umfassende Geschichte der Wandervogelbewegung, die er als jugendliche Revolution einordnete. Er entwarf grundlegende Theorien zur wahren Männlichkeit bis hin zu der Erkenntnis, daß die Homosexualität als höchster Zustand des Menschseins zu preisen sei. Dies brachte ihn in Konflikt mit Sigmund Freud, dessen Kontakt er suchte, der jedoch nicht davon abrückte, Homosexualität in den Kontext einer Krankheit einzuordnen.

Das mann-männliche Eros galt Blüher als Grundlage von Staat und Gesellschaft. Dieser Ansatz übte wiederum zumindest auf Personen wie Thomas Mann, Gottfried Benn oder Rainer Maria Rilke großen Eindruck aus. Entsprechend forderte Blüher die Straffreiheit der Homosexualität, die er im Gegensatz zu Freud als menschliche Veranlagung und damit immer wiederkehrende anthropologische Konstante wertete.

Die männlich-weibliche Beziehung auf der einen Seite diene der Gründung von Familie. Die mann-männliche Beziehung hingegen sei Ursprung des Männerbundes und fernerhin der Staatenbildung. Der Staat ist für Blüher das Dauerhafte und jahrhundertelang Währende, in dem das Führerprinzip in Gestalt des Königs herrschen müsse. Das wahre Problem eines Volkes und moderner Staaten sei nicht die wirtschaftliche Not, schrieb Blüher 1919. Es könne auch nicht durch irgendeinen Sozialismus gelöst werden. Es bestehe vielmehr in der Lebensnot seiner geistigen Männer. Es sei tiefste Korruption, verfalle der Staat und die Macht in die Hände der Zweckverbände und nicht in die Obhut des Männerbundes. Dieser müsse gefühlt, erlebt und geglaubt werden. Ihm habe ein gesunder Staat sein Gedeihen zu verdanken.

Dies ist ein Auszug aus BN-Anstoß VIII: Aufstand des Geistes. Konservative Revolutionäre im Profil (100 S., 8,50 Euro). Hier bestellen!


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