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Helden des Alltags: Linker Widerstand in Bayreuth und Düsseldorf

Rein zu dokumentarischen Zwecken muß ich kurz auf die Proteste gegen unsere Hochschultour in Bayreuth und Düsseldorf eingehen.

In Bayreuth gab es am Dienstag eine niedliche Gegendemonstration mit einer Handvoll Vertretern der Piratenpartei und anderer Organisationen. Im Internet findet man darüber auch schon einen kleinen, vermutlich selbstgeschriebenen Bericht. Der „rechte Multiaktivist Felix Menzel“ …

… ist vor allem durch sein Onlineportal „Blaue Narzisse“ bekannt geworden. Warum er bei der Burschenschaft gastierte, ist leicht erklärt. Die Gruppe ist Mitglied bei der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“, welche wiederum enge Kontakte zur umstrittenen NPD unterhält. Menzel sprach zum Thema „Deutsche Opfer, fremde Täter. Ausländergewalt in Deutschland”, unter dem er auch eine Internetseite betreut.

Ich habe also bei Leuten gesprochen, die jemand kennen, der jemand kennt, der die NPD kennt, was ein Beweis für „enge Kontakte“ ist. Illustriert wird der Bericht übrigens mit einem Bild eines Polizisten. Das erweckt den Eindruck, in Bayreuth hätten die Ordnungshüter die „Falschen“ geschützt. Das Gegenteil war der Fall: Die angerückte Polizei setzte auf eine „Deeskalationsstrategie“ und stellte sich lediglich neben die Demonstranten, ohne sie in irgendeiner Weise zu stören. Für einen Außenstehenden sah es so aus, als ob die Polizei auch für „Bunt statt Braun“ demonstriert hätte.

In Münster gab es gestern keine Proteste. Der Abend verlief sehr gut mit intensiven, kontroversen Gesprächen. Dafür gibt es für den Vortrag heute in Düsseldorf bereits reichlich geistigen Müll. Der linke Stadtrat Frank Laubenburg erklärt:

Felix Menzel, seit Jahren als eher kruder Autor der „neuen Rechten“ bekannt, bemüht sich derzeit, unter anderem die Mordserie der neonazistischen NSU-Terrorgruppe zu relativieren („mediale Ausnahmezustände“).

Kann mir bitte jemand weiterhelfen und den Text, in dem ich die NSU „relativiert“ habe, heraussuchen? Ich kann mich nicht erinnern, daß ich mich bisher irgendwo ausführlich dazu geäußert habe.

Die Antifa Düsseldorf geht noch einen Schritt weiter. Sie stellt mich in eine Reihe mit Horst Mahler und Hajo Herrmann und erklärt das wie folgt:

Menzel wirkt in dieser Reihe zunächst etwas harmlos, doch ein Blick auf seine publizistische und politische Tätigkeit zeigt, dass auch er der extremen Rechten zugeordnet werden muss: Er schrieb und schreibt für die „Junge Freiheit“, die „Sezession“ und auch sein Hausblatt, die „Blaue Narzisse“ widmet sich ausschließlich den Inhalten der so genannten „Neuen Rechten“. Diese gibt sich etwas intellektueller und dezenter als die militante Neonazi-Szene, vertritt im Kern aber gleichfalls autoritäre, rassistische und völkische Inhalte.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

12 Kommentare zu “Helden des Alltags: Linker Widerstand in Bayreuth und Düsseldorf

  1. Martin Pulz

    »Für einen Außenstehenden sah es so aus, als ob die Polizei auch für „Bunt statt Braun“ demonstriert hätte.«
    Müßte es nicht heißen »… für Bunt statt Blau demonstriert«?
    Wozu denn ohne Not die Terminologie des Gegners übernehmen – etwa zur Selbstdiffamierung?

  2. Mir verschlägt es noch immer die Sprache, wenn ich diese unverschämten Versuche der Gleichsetzung von »rechts« und »Nazi« lese, wie sie in dem zitierten Antifa-Text zu finden sind. Leider schreiben diesen Mist ja nicht nur Linksextreme, sondern auch die Mainstream-Presse plappert es nach.

    Und als Leser der solcherart diffamierten Medien ballt man die Faust in der Tasche und fragt sich zum x-ten Mal, ob man denn gar nichts gegen diese Beleidigungen unternehmen kann…

  3. Bla bla bla, immer das selbe: rechtskonservativ = nationalsozialistisch… Weniger Einbildung und mehr Bildung werte Kritiker und »Helden des Alltags«. Wobei das beim linksmilitanten Pöbel ohnehin schon zu spät sein dürfte. 😛

  4. Bran the blessed

    Ich glaube, es ist im Prinzip vollkommen egal, ob die NSU relativiert, das Reich über die Hintertür wieder eingeführt oder sonst eine schröckliche Schandtat begangen wurde. Wichtig ist nur, dass beim Phrasendreschen endlich wieder mal das Wort »krude« benutzt werden konnte.

  5. »krude« (bildungssprachlich): roh, ungeschliffen, unfein, nicht kunstvoll.

    Synonyme : brutal, derb, grausam, grob, kannibalisch, roh, rücksichtslos, ruppig, unsanft, unverdaulich, vulgär, zweideutig.

    Steigerungsformen: krude, kruder, am krudesten.

    http://www.duden.de/rechtschreibung/krude

    Ein ergiebiges Schmähwort, erspart jede inhaltliche Auseinandersetzung und ist ohne Begründungsnotwendigkeit universell einsetzbar.

  6. Das politische Denunziantentum schleicht sich in jede Ecke Deutschlands. Dabei sollte man sich nichts vormachen. Auch die CSU bedient sich hier in Niederbayern dieser Methode und benutzt dabei Diffamierungen, die von Linken oder Antifakreisen stammen. Ja, solche Lügner, so muß diese »investigativen Schnüffler vom linken Rand« nennen, werden auch noch beim Bayerischen Rundfunk beschäftigt (bei der Süddeutschen sowieso).

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/04/12/meinungsfreiheit-und-vorurteile/

  7. Vinneuil

    »Krude« ist der Klassiker!

  8. Klassiker vielleicht, aber vor Sarrazin eigentlich kaum gebraucht.

    Ansonsten auch beliebt: »tumb«

  9. Dumpf, stumpf(sinnig) und diffus auch

  10. Nils Wegner

    Sehe ich hier etwa ein »Wörterbuch der Denunziation« heraufziehen? 😀

  11. Als Attribut ist das Wort wohl nicht überlebensfähig ohne seinen ständigen Begleiter, den Thesen. Als Team vereint hingegen sind sie fast unschlagbar, die »kruden Thesen«.

    Angesichts des charakterlichen Kalibers ihrer Gegner wird auch verständlich, weshalb die Verteidiger des zivilgesellschaftlichen Konsenses mangels stichhaltiger Argumente zu diesem ultimativen Sprachmittel greifen, der Pumpgun unter den Totschlagvokabeln:

    Google findet sie alle, denen (neben Srzn.) bisher die Ehre zuteil wurde, damit bedacht zu werden. Fritz Vahrenholt (Strom-Manager), Heiz Buschkowsky (SPD-Bürgermeister), Erika Steinbach (CDU-MdB), Jens Seipenbusch (Pirat) und unser allseits geschätzter Autor Martin Böcker (Olt, Chefredakteur CAMPUS) gehört inzwischen auch dazu.

  12. Was haben die Gegendemonstranten bloss gegen die anti-rassischtische Arbeit von Herrn Menzel? Achso, ich vergaß. Deutschenfeindlichkeit gibt es nicht. Und Menschen, die diese durch Beispiele belegen sind natürlich Rassisten.

    Mein verpäteter Kommenatr bzgl. der Koran-Verteilaktion zum BN-Artikel vom 14.02.12:

    Hier sind die Termine für weitere Verteilaktionen. Man kann sich auch einen kostenlos nach Hause schicken lassen.

    http://diewahrereligion.tv/hausdesqurans/?page_id=238

    Eine kritische Koran-Analyse gibts hier:
    http://pi-news.net/wp/uploads/2009/11/korananalyse_kurz.pdf?f764e8

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