Anstoß

Ilgar, warum bist du nur so?

„Du bist doch selbst Ausländer“, „Wie kann ein Türke in einer Nazi-Partei sein?“, „Die AfD ist doch voll rassistisch, wieso bist du dort Mitglied?“.

Die obigen Sätze sind nur wenige von vielen, die ich mir anhören musste, als ich mich für ein Engagement in der AfD entschied. Vor allem in meinem ehemaligen Freundeskreis wurde oft darüber geschmunzelt, wie ein Ausländer sich für eine „rassistische und fremdenfeindliche Partei“ engagieren kann. Zugegeben, die Hellsten waren diese Personen natürlich nicht. Den Aussagen, die getätigt wurden, begegne ich jedoch ständig.

Ich konnte den Menschen natürlich viel erzählen. Ich konnte ihre Aussagen auch verneinen. Doch oftmals fehlten explosive, wirkende und dazu gedankenerregende Beispiele, die beweisen, dass es auch viele Menschen mit Migrationshintergrund gibt, die dazu tendieren, die AfD zu wählen – bis die hessische Landtagswahl kam. Die Wahl brachte natürlich faszinierende Resultate mit sich.

In einer Umfrage über das Wahlverhalten nach Migrationshintergrund jedoch konnte man ein Ergebnis feststellen, welches dem einen oder anderen Linken das Weltbild versaute. Der prozentuale Anteil an AfD-Wählern mit Migrationshintergrund war höher, als der ohne Migrationshintergrund. Doch wieso ist das so? Wieso tendieren immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund dazu, die AfD zu wählen? Ist sie doch nicht so rassistisch, wie es oft behauptet wird?

Patriotismus und Souveränität

Die Antwort liegt auf der Hand. Die AfD ist eine Partei, die sich selbst als bürgerlich-konservativ sieht und die man prinzipiell auch so einordnen kann. Es ist logisch, dass innerhalb einer Partei Interessengemeinschaften mit politischen Ausrichtungen vorhanden sind, die in erweiterten ideologischen Gedankenzügen nicht immer übereinstimmen. Dennoch gibt es eine Vielzahl von politischen Grundeinstellungen, die von jedem Mitglied vertreten werden – Patriotismus und Souveränität sind zwei davon.

Die meisten Menschen, die einen Migrationshintergrund besitzen, kommen ursprünglich aus Ländern, in denen Patriotismus und Souveränität zur Mentalität dazugehören. Die Liebe und Verbundenheit zur eigenen Nation wird den Menschen von klein auf anerzogen. Es gibt beispielsweise kaum einen Türken, Russen, Griechen, Kroaten oder Serben, der mir in seiner Begegnung sagte, er sei nicht stolz auf seine Heimat. Viele von ihnen sind sogar froh, dass sie in Deutschland leben, entscheiden sich sogar für einen Staatsdienst, schwören auf die Bundesrepublik Deutschland, fühlen sich als Deutsche und wählen sogar rechts.

Das nationale Mentalitätserbe

Genau so ist es auch bei mir. Meine Eltern kommen ursprünglich aus der Türkei, also einem Land, das sehr national geprägt ist. Meine Mutter wuchs in der Türkei auf, mein Vater hingegen verbrachte seine Kindheit in Deutschland. Dadurch, dass das nationale Mentalitätserbe bei beiden vorhanden war, gaben sie mir dies auf dem Wege der Erziehung mit – nur mit dem Unterschied, dass ich durch mein Umfeld, das ausschließlich aus Deutschen besteht, ein deutsches Nationalbewusstsein besaß und immer noch besitze.

Dadurch, dass meine Mutter in einem islamischen Kulturkreis aufwuchs, hat sie mir auf den Weg gegeben, was Ehre und Stolz überhaupt bedeuten und wie wichtig beide Komponenten sind. Darüber bin ich zugegeben auch froh.

Pragmatische Gründe

Es sind aber auch finanzielle Thematiken, die für viele Migranten eine wichtige Rolle spielen. Viele Arbeitsbereiche, die zum Niedriglohnsektor zählen, werden überwiegend von Migranten gedeckt. Ob Reinigungskräfte oder Müllmänner – gerade da arbeiten die Menschen hart, um ihren Lebensunterhalt bezahlen zu können.

In Gesprächen mit Migranten habe ich oftmals zu hören bekommen, dass sie vor allem die finanzielle Ungerechtigkeit in Deutschland beklagen. „Es ist doch eine Selbstverständlichkeit, dass man in einem Land, in dem man Gastrecht gewährt bekommt, auch einer beruflichen Tätigkeit nachkommt und nicht auf dem Kapital des Gastgebers hockt“, sagte mir eine türkischstämmige Frau und fügte hinzu, dass der Sozialstaat immer mehr bröckelt. Ganz unrecht hat sie nicht.

Dennoch kommt es bei vielen Deutschen nicht an, dass die AfD keine ausländerfeindliche und rassistische Partei ist. Sie setzt sich vielmehr für den Erhalt der deutschen Kultur und der deutschen Werte ein, was in anderen Ländern zur Normalität gehört. Ich und auch andere Mitglieder mit einem Migrationshintergrund haben noch nie Äußerungen vernommen, die etwas gegen unsere Herkunft sagen.

Vielmehr wurden wir mit offenen Armen in die Partei aufgenommen und wurden genauso behandelt wie jeder andere auch. Es ist zwar nicht einfach, den Leuten zu erklären, wofür sich die AfD wirklich einsetzt, dennoch zeigen die Wahlergebnisse, dass vor allem Migranten merken, dass in der Politik gewaltige Fehler passieren. Und genau diese kapieren, wie die AfD wirklich ist: Weder fremdenfeindlich, noch rassistisch.

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13 Kommentare zu “Ilgar, warum bist du nur so?

  1. Echt guter Artikel, super Autor! Kommt mir jetzt schon sympathisch rüber!

  2. Wir wählen AFD, weil wir aus eigenem Erleben wissen, wie beschiessen es in unseren Herkunftsländer zugeht, und wir nicht wollen, dass aus Deutschland genau so ein shitehole wird. Die Art und Weise, wie man Arbeit, Rechtsstaat und soziale Gerechtigkeit organisiert, ist bisher noch nirgendwo sonst auf diesem Niveau erreicht worden. Das wissen nur leider viele beknackte Bio-Deutsche nicht. Selbst wenn sie dort im Urlaub waren oder aus Funk und Fernsehen wissen müssten, dass es wo anders wie scheiße zugeht, kapieren die das nicht. Außerdem kennen wir unsere Pappenheimer. Wir hätten diesen unseren Leuten daheim noch nicht einmal ins Gesicht gespuckt, und jetzt sollen wir hier mit denen Leben!? Warum sind wir da wohl weg? Doch nicht damit uns die Bekloppten hier das Leben zur Hölle machen, und noch beklopptere Deutsche ihnen dabei helfen!

  3. Ein hervorragender Artikel von einem sympathischen Autor!

  4. Dominik L.

    Es freut mich, dass man von Herr Ilgar Artikel liest … es ist halt anders, wenn Migranten sich mal zu den aktuellen Ereignissen äußern. Ich werde den Artikel mal teilen

  5. Ich kenn Can seit seinem Eintritt in die AfD und er ist ein herzenslieber und kameradschaftlicher Mensch. Es ist schön, dich dabei zu haben

  6. Lächerliches Geschwurbel. Was hat ein Germane mit dem Konstrukt dieser Staatssimulationen zu tun? Was ein Hunne? Was ein Russe, Khasare, Araber, Afrikaner…??? Eine AFD möchte wie das Konzept einer KPD, NPD, CDU… destruktiv verwalten, dazu benötigt sie Alimente von Unmündigen um sich ins degenerierte Kombinat einwählen zu lassen. Dotierte Posten werden gesucht wie Trüffel von Schweinen, denn wer will schon als akademischer Leiharbeiter enden?
    Nichts, aber auch gar nichts hat ein künstlicher Staat mit einer ethnisch konstruktiven Gemeinschaft am Hut. Völlig Wumpe unter welchem Modell-ismus und Hautfarbe.
    Doch, alles, aber auch alles tut ein selbstermächtigtes Syndikat dafür um als Staatsgewalt aller Unmündiger Wahlverwandschaft zu gelten.
    Linke Tasche, Rechte Tasche…. schwarzbraun ist die Haselnuss….
    »Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren.«

  7. Der Unbekannte

    Auf diesen Mann wird sich noch viel Neid ziehen. Ich kenne diesen Mann gut, er ist aus meinem Nachbarverband und er ist eine aufrechte, ehrliche und intelligente Person. Ilgar, weiter so! Grüße aus BaWü

  8. antifa ist profa

    Wer sollte das Volk schützen und einen, wenn nicht ein Staat mit einer Regierung?

  9. Sehr gelungener Artikel Can, hast echt das ausgesprochen was viele Migranten denken und mehr aussprechen sollten. Es ist nicht ok eine Partei so in der Gesellschaft zu verunmenschlichen, die dem Ruf nicht gerecht wird. Gerade wir sollten uns als die ›‹Betroffenen'‹ mehr zu den Verunglimpflungen äußern, dass die AfD rassistisch sei. Du hast recht, Migranten kennen die Wahrheit: In der AfD wirst du nicht wegen deiner Hautfarbe/Herkunft abgestoßen, aber dafür bei den ›‹Progressiven'‹ wegen deiner Mentalität.

    - Grüße von NM

  10. @antifa ist profa -schismus. -Habe es mal ausgeschrieben.
    Ein Volk ist erst dann ein Volk wenn es sich vermag selbst zu schützen = regieren. Solang eine Herde einen Hirten benötigt und diesen auserwählt gilt es als unmündig.
    Und in der Tat ist dies der fatale Fall seit Anno Sankt Nimmerlein.
    Dies ist Kernaussage Kant’s und Nietzsches, welche von den ›profa‹ und ›refa‹ Verwaltern gern vereinnahmt werden um einen Hirten zu rechtfertigen.
    Und sicherlich hat die Mehrheit – somit wir alle – aufgrund des desolaten Kollektivgeistes nichts anderes verdient, – noch will sie es, – noch kennt man es.
    Selbst mit einem auferstehenden ›Barbarossa‹, resp. Staufergeschlecht, wäre dies nur vertagte Tragödie. Doch zumindest ein Anfang.

  11. Von Zinkenbückel

    Der Ilgar … der Junge ist so intelligent, dass den ganzen Rentnern in der AfD das Gebiss aus dem Kiefer fliegt, wenn sie seine Artikel lesen. Top Mann! Und mit so ›nem jungen Alter schon Autor … Freut mich, dich auf unserer Seite zu haben

  12. Robert Wagner

    Die Umfrage, die der Autor hier nennt, ist übrigens diese:

    https://www.merkur.de/politik/landtagswahl-hessen-ere855992/landtagswahl-hessen-afd-bei-waehlern-mit-migrationshintergrund-staerker-waehlerwanderungen-lassen-cdu-und-spd-ausbluten-zr-10398084.html

    Tatsächlich haben 14% derer mit Migrationshintergrund die AfD gewählt, während es bei denen ohne Migrationshintergrund 13% waren. Das ist auf den ersten Blick überraschend – aber einen Migrationshintergrund haben sehr unterschiedliche Gruppen. Ich wage mal zu behaupten, dass ein Großteil dieser AfD-Stimmen auf das Konto von Russlanddeutschen, der größten Bevölkerungsgruppe mit Migrationshintergrund, geht. Die werden von der AfD gezielt umworben, die in ihnen gerade wegen des in dieser Partei so stark verwurzelten völkischen Denkens selbstverständlich Deutsche sieht. Die Russlanddeutschen fühlen sich auch sicher nicht angesprochen, wenn prominente AfD-Verteter sich mal wieder im Rassismus suhlen und gegen »freche Halbneger«, muslimische »Messermörder« oder »Kümmeltürken« hetzen oder jeden Moscheebau als Islamisierung stigmatisieren und vom Islam als einer Ideologie sprechen. Die allermeisten Menschen mit türkischem Hintergrund aber schon. Und ich bin mit sicher, der Autor weiß das auch. So ignorant, das als Sohn türkischstämmiger Eltern nicht zu sehen, kann man gar nicht sein.

  13. Carlos Wefers Verástegui

    Hahaha, das böse »völkische Denken« und die »menschenverachtenden Rassisten« – mehr hat der wirklich nicht auf Lager.

    Was ist »völkisches Denken«? Ich weiss ehrlich nicht, was das für ein Denken sein soll. Und »völkisch«, was soll das bitteschön heissen?

    Was für Menschen verachten »Rassisten«? Oder verachten die »Rassisten« partout alle Menschen? Oder verachten die »Rassisten« einfach nur den Gattungsbegriff MENSCH?

    Solch schnödes, formelhaftes Reden, verdient den beleidigte-Leberwurst-Preis.

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