Alter Blog

Jugendkultur-Forschung

(gekürzte Pressemitteilung) Das Berliner Archiv der Jugendkulturen veröffentlicht wissenschaftliche Arbeiten von Studenten, wenn sie Jugendszenen erforschen. Jede veröffentlichte Arbeit wird mit 2000 Euro honoriert.

Alljährlich entstehen Hunderte von Diplom-, Master- und anderen wissenschaftlichen Arbeiten, die zumeist nur von zwei Gutachtern gelesen werden und dann für immer unbeachtet in den Asservatenkammern der Hochschulen verschwinden. Dabei enthalten viele dieser Arbeiten neues Wissen, interessante Denkmodelle, genaue Feldstudien. Das Archiv der Jugendkulturen hat deshalb damit begonnen, wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Jugend zu sammeln und öffentlich zugänglich zu machen. Mehr als 450 solcher Arbeiten enthält die Präsenzbibliothek des Archivs inzwischen – für jedermann kostenlos und frei zugänglich.

In der Wissenschaftlichen Reihe publiziert das Archiv der Jugendkulturen seit 2007 zudem qualitativ herausragende wissenschaftliche Arbeiten zu jugendkulturellen Zusammenhängen. Neben Dissertationen finden sich auch Diplom- und Magisterarbeiten unter den Publikationen. Oft sind oder waren die Autoren selbst Mitglieder der Szene, die sie untersuchten, teils agierten sie als teilnehmende Beobachter und stützten sich auf Experteninterviews mit Szeneangehörigen. Was sehen Soziologen in der Indie-Szene? Wie blickt eine Kulturwissenschaftlerin auf die Fans der Backstreet Boys – wenn sie sich selbst dazu zählt? Und wie schreibt ein Punk über Punk, wenn er damit seine germanistische Magisterarbeit vorlegt? Die Autoren schlagen oftmals eine Brücke zwischen Szene und Forschung und liefern unvermutete Innenansichten in die Rituale, Zeichen und kulturelle Praxis verschiedener Jugendszenen.

Bislang umfasst die Wissenschaftliche Reihe sechs Bände. Das Spektrum der vertretenen Fachbereiche reicht von Pädagogik bis zur Germanistik mit einem breiten Mittelfeld im sozialwissenschaftlichen Bereich. Für die Zukunft plant Klaus Farin, Leiter der archiveigenen Archiv der Jugendkulturen Verlag KG, die Reihe weiter auszubauen. »Wir wollen Studierende anregen, sich mit Jugendkulturen zu beschäftigen«, so Farin. »Denn bei der Erforschung von Jugendkulturen gibt es oft noch große Defizite. Die etablierte Forschung vernachlässigt diesen Bereich sträflich.«

Die eingereichten Arbeiten werden von fachkundigen Gutachtern gelesen und vor der Veröffentlichung professionell lektoriert. Da pro Jahr von 20 – 25 eingereichten Arbeiten im Schnitt nur zwei bis drei veröffentlicht werden, kann bereits die Aufnahme in den Verlagskatalog als Auszeichnung verstanden werden.

Verwandte Themen

Die Enteignung auf dem Bildschirm Warum Videospielkultur wichtig ist. Und warum sie bedroht ist. Als 2014 in Amerika „Gamergate“ ins Rollen kam, hagelte es von Seiten altgedienter...
Halt bloß die Klappe! Im Selbstverlag erschienen jüngst die Aufzeichnungen des ehemaligen Blaue Narzisse-Autoren Lion Edler über dessen Studienzeit. Ein Samstagabend b...
Das Tribunal Seit kurzem macht eine Aufnahme die Runde, auf der ein inoffizielles Verhör einer jungen kanadischen Universitätsdozentin heimlich mitgeschnitten wurd...

Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

1 Kommentar zu “Jugendkultur-Forschung

  1. Nils Wegner

    Klingt ja an sich nicht schlecht… Aber Klaus Farin? Da schaudert’s mich dann doch etwas.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Datenschutzinfo