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»Jule« und der VS

Die Aufklärung der Taten des »Nationalsozialistischen Untergrunds« (NSU) sind ein echter Krimi. Noch ist in diesem Fall gar nichts klar: Welche Taten gehen wirklich auf das Konto von Mundlos und Böhnhardt? Welche Rolle spielte die bis heute schweigende Beate Zschäpe? Und wohl am wichtigsten: Inwieweit hatte der Staat selbst seine Finger mit im Spiel?

Nun wurde der Öffentlichkeit ein neues Detail zu den Verflechtungen von Verfassungsschutz und dem mutmaßlichen Terror-Trio überlassen: Die Freundin des angeblichen NSU-Helfers Ralf Wohlleben, Juliane W., soll unter dem Decknamen »Jule« als Informantin für den VS tätig gewesen sein. 1998/1999 soll sie über das Privatleben, Einkommen und die Kontakte ihres Freundes berichtet haben, der zu diesem Zeitpunkt – laut einigen Medienberichten – als einziger in Verbindung zum NSU stand.

Was ist diese »Enthüllung« wert? Leider gar nichts. Wir tappen weiter im Dunkeln. Glaubt man Helmut Roewer, dem Thüringer VS-Chef von 1994 bis 2000, dann gab es neben »Jule« genug Kontakte zu Mundlos, Böhnhardt und Zschape. Vor einiger Zeit erzählte Roewer auf einer Buchvorstellung, wie nah er selbst an den Familien der drei dran war, die Kontakt zu ihnen gehabt hätten. Roewer habe zum Ende seiner Dienstzeit immer wieder die Familien zu einer (friedlichen) Übergabe des NSU-Trios an die Behörden überreden wollen. Letztendlich sei dies daran gescheitert, daß die Familien ein Blutvergießen bei der Übergabe befürchteten.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

1 Kommentar zu “»Jule« und der VS

  1. R. Feldmann

    Der Fall »NSU« reiht sich nahtlos ein in Vorgänge wie das »RAF-Phantom« oder, vor allem die sogenannte »Strategie der Spannung« in Verbindung mit einem niemals lückenlos aufgeklärten Oktoberfest-Attentat, sowie »Stay behind« und GLADIO. In allen genannten Fällen sollte der Öffentlichkeit etwas vorgegaukelt werden, was bei dieser den Nährboden für eine bestimmte politische Grundausrichtung bereiten sollte. Während man zur Zeit des kalten Krieges versuchte, die Stimmung gegen den Kommunismus/Bolschewismus am Kochen zu halten, ist heute jedes Mittel recht, mit dem der »Kampf gegen rechts« befeuert werden kann.
    Man darf also getrost davon ausgehen, dass die Wahrheit im Fall des NSU niemals wirklich ans Licht kommen wird.

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