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Kleine, miese JU-Made

Lars Lubisch hat sich von der »Jungen Freiheit« distanziert. Dem 25jährigen Junge-Union-Vorsitzenden im Ennepe-Ruhr-Kreis wird vorgeworfen, bei der rechtskonservativen Wochenzeitung aus Berlin ein Praktikum im Jahr 2003 absolviert zu haben. Derzeit steckt Lubisch mitten im NRW-Wahlkampf für die CDU und kann es daher nicht gebrauchen, daß ihm die linke Konkurrenz eine rechte Vergangenheit vorwirft.

Zu seiner Verteidigung hat Lubisch nun gesagt, er habe das Praktikum »bereits nach zwei Tagen aus eigenem Antrieb abgebrochen«. Meinen Informationen zufolge war das schon etwas anders. JU-Chef Philipp Mißfelder hat Lubisch damals zurückgepfiffen. Ich kenne einige führende Köpfe der NRW-Schüler Union von damals persönlich und da verwundert es gleich doppelt, was dieser kleine JU-Opportunist jetzt öffentlichkeitswirksam kundgegeben hat.

2003 sind mir die führenden Köpfe der NRW-Schüler Union aufgefallen, weil sie alle »normalen Rechten« rechts überholen wollten. Ich kann mich noch gut an eine Veranstaltung in Bonn im Dezember 2003 erinnern, die einige wirklich Konservative unter Protest verlassen haben, weil die SU-Truppe ziemlich eindeutig zuordenbares Liedgut sang.

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16 Kommentare zu “Kleine, miese JU-Made

  1. Was für ne Flasche…

  2. Nils Wegner

    Eben deswegen bin ich immer sehr zurückhaltend, wenn mir irgendwelche JU-Hanseln erzählen wollen, sie seien »der rechte Rand« der CDU und wollten die Mutterpartei »mal ordentlich umkrempeln«, wenn sie erst einmal an den Schalthebeln säßen…

    Sobald man sein Scherflein verdient und die entsprechenden Kontakte hat, ändert sich das alles ganz, GANZ schnell.

  3. Wäre mal interessant zu erfahren, was aus Stephan Laubach geworden ist, einem stellvertretenden Landesvorsitzenden der NRW Schüler Union, der sich einem Bericht zufolge (JF 10/03 vom 23.02.03) als »nationalkonservativ« eingestuft hatte.

    http://www.jf-archiv.de/archiv03/103yy13.htm

  4. Es gehört nicht direkt hierher und es ist wohl auch nicht wirklich tatsachenorientiert, doch wenn man sich die gegenwärtigen Ereignisse in Afghanistan vor Augen führt und die jeweils fatalen Entwicklungsschritte (Kambodscha, Somalia, Kosovo, Kongo, Libanon, Jemen …) Revue passieren lässt, die bis dahin geführt haben, kommt einem Zyniker unweigerlich in den Sinn, dass Leute wie Gert Weisskirchen (SPD) oder Joschka Fischer (Grüne) in ihren jeweiligen Odenwald-Schulen offenbar zu oft befingert wurden, als dass sich die von ihnen mitbewirkten Entscheidungen, denen zufolge abermals von deutschem Boden aus Krieg und Verwüstung in die übrige Welt hinausgetragen werden, auf vernünftige, rational nachvollziehbare Erwägungen zurückführen ließe.

    http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/missbrauch-auch-in-den-nuller-jahren/

  5. Man wird ja nochmal davon träumen dürfen, dass sich Geschichte auch wiederholen könnte. Also, Merkel zwingt den Piloten, durch die Staubwolke zu fliegen … weil sie bei der Trauerfeier in Krakau unbedingt dabei sein wollte …

    http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/2550685_Beisetzung-findet-trotz-Aschewolke-statt.html

    http://www.infranken.de/nc/nachrichten/lokales/artikelansicht/article/aschewolke-behindert-merkel-flug-52848.html

  6. Hehe..«Kleine miese JU-Made«…das trifft den Nagel auf den Kopf! Diese ganzen Anpasser sind doch einfach nur peinlich. Und der Missfelder ist der Oberanpasser.

    Die CDU wird nie wieder aus ihrem gutmenschlichen, sozialdemokratischen Loch rauskommen, das ihr das Oberdomina Merkel gegraben hat. Merkel wird in die Geschichte eingehen als Zerstörerin der CDU, und als sonst gar nichts. Die Frau ist einfach der Witz, und wer sich in dieser Partei unter ihr engagiert und von ihr knechten lässt, ist nichts weiter als ein unterwürfiger Eunuch. Pofalla, Röttgen, Wulff, Oettinger, Koch, ganz egal… sie alle lassen sich knechten.

  7. »… 2003 sind mir die führenden Köpfe der NRW-Schüler Union aufgefallen, weil sie alle “normalen Rechten” rechts überholen wollten…«

    Ich habe mir sagen lassen, daß dies schon 1983 *so* war und ich vermute, daß man auch 2023 nichts anders sagen wird.

    Aber was erwartet man ?
    Die CDU war nie eine Programm- oder »Sendungs-«Partei: sie war in besseren Jahren eine Partei der örtlichen Honorationen, die den Laden am laufen hielten … und heute, in schlechteren, ist sie eine Funktionärspartei, deren wichtigstes Ziel der Machterhalt ist – die Grundlage für den sog. »Linksrutsch«.

    Ich wüßte nicht, welche (gesellschaftspolit.) Ziele/Agenden/Pläne die CDU/CSU in den letzten 25 Jahren umgesetzt hätte. Ohne Kohls Ergreifen des vorbeischwebenden historischen Mantels 89/90 und seines Vollzuges der Abgabe von polit. und finanzieller Souveränität nach Brüssel, wäre »nichts« da.

    Aber man muß auch nicht hysterisch reagieren:
    Mangels Aktivität kann Merkel gar nicht »Deutschlands Ansehen« ruinieren und von jemandem, der noch Karriere (in der CDU) machen will, zu erwarten, daß er mehr cojones als der ges. Führungskader der CDU/CSU hat, ist ein bißchen weltfremd.

  8. L'ancien régime

    Ich bin nur froh, daß ich diesen Verein vor Jahren verlassen habe.

    So viel Unwissenheit und Feigheit wie in CDU und JU, von wenigen Ausnahmen abgesehen, erlebt man selten.

  9. Nils Wegner

    Tja… Aber Unwissenheit und Feigheit schützen eben vor Karriere nicht.

    Eher im Gegenteil.

  10. Naja, es lohnt sich für einen JU-Funktionär auch gar nicht, im Zweifel für die JF einzustehen. Dafür ist die Zeitung einfach nicht wichtig genug. Das wäre anders, wenn die JF nicht 20.000, sondern 200.000 Leser hätte. Es mag sich für den ein oder anderen hier jetzt unbequem anhören, aber man wäre als ambitionierter JUler auch schön blöd, wenn man für die JF seine Karriere aufs Spiel setzen würde. Zumal JF- Themen in NRW bzw. der CDU-NRW nicht zu vermitteln sind.

    »2003 sind mir die führenden Köpfe der NRW-Schüler Union aufgefallen, weil sie alle “normalen Rechten” rechts überholen wollten.«

    Viele Jusos haben als Pennäler eine linksradikale Phase, viele JUler eben eine rechtsradikale (wobei man an manchen Schulen schon als rechtsradikal durchgeht, wenn man in die JU eintritt). Das wächst sich aus, weil es nicht ideologisch fundiert ist.

    Die »Neue Rechte« und die JU/CDU sind einfach zwei völlig unterschiedliche Baustellen. Viele junge Anhänger der NR sind schon rein habituell der Union einfach fremd. Ich denke da an die ganzen Neofolker. Von Unionskreisen sollte man daher nichts erwarten. Eine Ausnahme mag da der ein oder andere CSU-Ortsverband im tiefschwarzen Bayern bilden, zumindest wenn man der Dieter-Stein-Weihrauchschwenker-Fraktion nahesteht.

  11. Toter Alter Mann

    Indem man Leute völlig unreflektiert als »Maden«, »Parasiten«, »Zecken« und sonstiges Ungeziefer bezeichnet,kann man vielleicht selbst einen auf großer Macker machen, aber es nützt weder dem eigenen Ziel, noch verschafft es einem selbst Glaubwürdigkeit.

    Was wirfst du ihm denn eigentlich vor? Dass er nicht zu seiner offenbar doch eher rechten Grundhaltung steht? Dass er ein Wendehals ist oder ihm vielleicht das Hemd einfach näher ist als die Hose? Wie stellst du dir denn eine integrere Vorgehensweise vor?

    Glaubst du, dass politische Selbstmörder wie Hohmann der Sache der Neuen Rechten dienlicher sind? Es ist natürlich leicht, vom heimischen Rechner aus die rechtsmoralische Wende zu fordern, aber ich muss doch immer wieder den Kopf darüber schütteln, wie sich die deutsche Rechte gegenseitig selbst zerfleischt. Dagegen sind die Linken geradezu Chorknaben.

    Klar, JUler mit Rückgrat ist ein Oxymoron, aber das gilt für jede andere Jugendorganisation auch. Es redet sich halt leichter, als dass sich etwas durchhalten lässt. Wahrscheinlich wird der Herr Lubisch aber trotzdem mehr für die konservative Sache tun als alle Kommentatoren dieses Eintrags zusammen.

  12. L'ancien régime

    »Viele Jusos haben als Pennäler eine linksradikale Phase, viele JUler eben eine rechtsradikale (wobei man an manchen Schulen schon als rechtsradikal durchgeht, wenn man in die JU eintritt). Das wächst sich aus, weil es nicht ideologisch fundiert ist.«

    Der Unterschied ist doch der, daß die linksradikalen Ansichten großenteils geduldet, teils gefördert werden; rechtsradikale oder was man dafür hält, meist überhaupt rechte hingegen werden unterdrückt. Somit wächst sich meinethalben die pseudo-rechtsradikale, d. h. NS-kokettierende Übertreibung des jungen Konservativen aus, nicht aber unbedingt, oft ja eben nicht, wenigstens nicht so rasch, die linksradikale, freilich auch noch jugendlich verzerrte. Diese kann sich vielmehr manifestieren, wenngleich sie es nicht muß, aus manch einem Linksradikalen ein gemäßigter Linker wird und aus einigen eher wenigen vielleicht sogar Konservative.

    Das Dilemma auch der JU ist, daß sie zu wenig wirklich umfassende und tiefgründige Bildungsarbeit betreibt und zu wenig Nachhaltiges für die Formung ihrer Mitglieder tut. Aber eine konservative Erziehung bzw. entsprechendes Angebot ist ja anscheinend weniger gewünscht. Und diejenigen, welche derartiges benötigen würden, spielen dann eben lieber mal den aufmüpfigen Pseudo-Rechtsradikalen.

    Kennt man ja alles.

    Fundierte konservative Arbeit dürfte seltener sein und dazu solche, die sich nicht versteckt.

    Denn soviel zum Vorredner: ob jemand wie Lubisch, der nun schon einmal karrierebedingt Kreide gefressen hat, nicht gerade auch bei weniger öffentlichen, vllt. gar bei JU- und CDU-internen, und sei es auch wiederum aus Gründen der Feigheit erfolgenden Angriffen einknicken werde, das wäre doch ernsthaft zu fragen m. E.

    Es geht freilich andersherum nicht darum, sich zu stark zu exponieren. Man muß nicht überall über alles mit jedem reden, wenn es gar nicht an der Zeit ist, und unnötige Provokationen sollten auch vermieden werden.

    Das wäre es eben: wenn ein JU-Mitglied einfach bei der JF ein Praktikum macht oder für die BN schreibt, oder damit überall hausieren zu gehen, denn warum sollte es überall interessieren, aber auch ohne es der engeren Umgebung in JU und CDU und SU und RCDS zu verheimlichen – wenn man denn da noch Mitglied sein will, was meinetwegen nachvollziehbar ist bei einem guten Orts- oder Kreisverband bzw. einer guten Hochschulgruppe, ansonsten sollte sich das jeder überlegen.

    Und wenn dann allerdings die Angriffe, intern wie von links, kommen, muß man auch nicht den Verfolgten spielen, sondern den ja meist recht diffusen und unklugen »Rechtsextremismus«-, d. h. ja eigentlich doch NS-Vorwurf, das ist ja, ohne näher hinzusehen, damit unterschwellig gemeint, entkräften und zugleich deutlich machen, daß man zu dem stehe, was man selbst un die JF wirklich vertreten.

    Auf die Üblichkeit des Musters hinzuweisen, sollte man sich allerdings nicht sparen; es ist ja nun einmal so, daß es nicht in erster Linie um Sachlichkeit, sondern um Diffamierung geht, und das sollte genannt werden, aber eben auch nicht ständig. Man muß sich ja auch nicht um jeden kümmern, der einem unsinnige Vorwürfe macht. Auch wenn es schwer fallen mag.

  13. »Der Unterschied ist doch der, daß die linksradikalen Ansichten großenteils geduldet, teils gefördert werden«

    Das ist ein typisches Gerücht aus JF-Kreisen. Der Linksradikalismus ist nur im Bereich des Antifaschismus anschlussfähig an den politischen Mainstream. Sein eigentliches Kernelement, die politische Ökonomie, ist es mit Sicherheit nicht.

    »Das Dilemma auch der JU ist, daß sie zu wenig wirklich umfassende und tiefgründige Bildungsarbeit betreibt und zu wenig Nachhaltiges für die Formung ihrer Mitglieder tut.«

    Daran haben die Mitglieder kein Interesse. Intellektuell Ambitionierte stellen die berühmte Nadel im Heuhaufen dar. Die Christdemokratie hat gernerell nie den Versuch unternommen, ihre Programmatik schlüssig zu begründen, außer vielleicht in den 70er Jahren, zu Zeiten v. Biedenkopf als Generalsekretär. Deswegen hat die Union auch nie große Anziehungskraft auf Intellektuelle ausgeübt. Das ist vorrangig eine Organisation zum Machterwerb/Machterhalt.

  14. Es gibt auch anständige JU Kreisverbände Nils.
    Auf Einladung unseres MdB werden wir noch diesen Monat Berlin besichtigen und die JF Redaktion wird aller Warscheinlichkeit nach auch dabei sein 😉

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