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Konservative Einzelkämpfer

Wenn bei mir das Telefon klingelt und vom anderen Ende her als Allererstes »Es geht um Deutschland!« tönt, würde ich gerne immer sofort wieder auflegen. Denn meistens erklärt mir dann irgendein rechter Parteisektierer, daß wir – die Blaue Narzisse – doch endlich an dem großen Vereinigungsprojekt der deutschen Rechten mitwirken müßten. Der Parteivorstand ist meistens schon festgelegt und nun müssen nur noch alle mitziehen. Obwohl der potentielle Parteineugründer wahrscheinlich noch nie einen Artikel über Medien, Kultur und Kunst gelesen hat, sondern immer nur fleißig unsere NPD- und Islam-Artikel angeklickt hat, bekomme ich im Optimalfall auch noch ein Pöstchen angeboten. »Irgendwas mit Medien oder Kultur könntest du doch beitragen.«

Derzeit liegen in meinem Postfach wieder einige Konzepte von solchen Parteisektierern, die uns dabei haben wollen. Da ist die Rede von einem neuen politischen Blog mit den altbekannten Parteifunktionären und auch einige größere Sachen. Einzig aus Höflichkeitsgründen beantwortete ich solche Anfragen nicht mit »Halte die Fresse!«. Und außerdem: Es geht ja um Deutschland und weil es so schlecht um unser Land steht und auch wir selbstverständlich kein Patentrezept zur Lösung unserer Probleme haben, dürfen die anderen gerne experimentieren.

Auffallend ist dabei, daß es in patriotischen Kreisen sehr einfach ist, für den größtmöglichen politischen Unfug Unterstützer zu finden. Ich wäre froh, wenn sich so schnell und unkompliziert auch Förderer für Kulturprojekte finden würden. Der Rilke-Jugendkulturpreis hat zwar bereits ein paar wenige Unterstützer gefunden, bei denen ich mich recht herzlich bedanken möchte, aber für größeres Aufsehen in der eigenen Szene wird er nicht sorgen. Unsere Pressemitteilung diesbezüglich ist jedenfalls selbst in den vermeintlich »eigenen Reihen« untergegangen. Es geht ja schließlich nur um Gedichte, Bilder und Erzählungen.

Bei den politischen Projekten geht es jedoch um Deutschland, Macht, Parteienetablierung, und, und, und … Da habe ich schon Verständnis dafür, daß dies Vorrang genießt.

Heute früh nun hat wiederum jemand angerufen, der gleich im ersten Satz Konsens stiften wollte und mir ein donnerndes »Es geht um Deutschland!« entgegenbrachte. Doch das Gespräch entwickelte sich anders als sonst. Ein konservativer Einzelkämpfer war am Apparat, der sein Forum für Deutschland ohne jede Übertreibung oder Machtphantasie vorstellen wollte. Vielleicht ergibt sich ja mit ihm ein fruchtbarer Austausch. Auf jeden Fall solltet ihr ihn mal besuchen!

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

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