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Konservative Publizistik: Fragen an Caspar von Schrenck-Notzing

Noch vor Weihnachten hat die JF-nahe Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung eine dicke Aufsatzsammlung von Caspar von Schrenck-Notzing herausgebracht. Enthalten sind Texte des Criticon-Gründers von 1961 bis 2008. Ich möchte dieses Buch jedem trotz des Umfangs (480 S.) und Preises (35 Euro) wärmstens empfehlen, weil wir uns alle in Sachen Präzision und Schärfe eine Scheibe von Schrenck-Notzing abschneiden sollten.

Der zweite Grund meiner Empfehlung betrifft die Themen. Es ist alles dabei, was uns auch heute noch beschäftigt: Wo finden wir konservative Ikonen? (Kapitel I – Portraits) Was ist konservativ? (Kapitel II) Welche Wege führen aus der deutschen Krise? (Kapitel III) Wie hat die Umerziehung der Deutschen funktioniert? (Kapitel IV) Welches Unheil richten die Parteien an? (Kapitel V) Welches Unheil richten die 68er an? (Kapitel VI) Welches Unheil richten die Medien an? (Kapitel VII).

Es ist dann doch ein wenig ernüchternd, wie wenig wir in der Bearbeitung dieser Themen vorangekommen sind. Ich möchte dafür ein Beispiel geben. 1975 hat Schrenck-Notzing der Zeitschrift student 8 ein Interview über den »Konservatismus in unserer Zeit« gegeben:

Frage: Gibt es eine für unsere Zeit gültige Definition des »Konservatismus«?

Antwort: (…) Man sollte das Fremdwort »konservativ« nicht als bewahrend, sondern als wirklichkeitsbezogen eindeutschen.

Ich kann das nur unterschreiben, muß jedoch ganz nüchtern feststellen, wie wenig es uns gelingt, diese Definition auch durchzusetzen. Die Gründe liegen nicht ausschließlich beim politischen Gegner. Die selbstverschuldeten haben wir in den Folgen eins und zwei unserer »Kleinen Reihe zu den größten Fehlern der Konservativen« beschrieben: Feigheit und Kulturmißachtung.

Frage: Können demnach die Unionsparteien als konservativ gelten?

Antwort: Im derzeitigen Parteiensystem ist die CDU eine Veranstaltung zur Erreichung der absoluten Mehrheit.

Von der absoluten Mehrheit ist die CDU zwar inzwischen meilenweit entfernt, aber das Prinzip ist das gleiche geblieben. Deshalb sind auch alle Hoffnungen von Aktionen wie Linkstrend stoppen oder ähnlichen Kreisen vollkommen aussichtslos. Die Dauerschleife »Hoffnung CDU« (Beitrag V in der Reihe über konservative Fehler) behindert also die Debatte über die Zukunft unseres Landes, weil die diskutierten Lösungsvorschläge schon zigmal fehlgeschlagen sind.

Frage: Ergibt sich aus diesen Einsichten nicht zwangsläufig, daß eine »vierte Partei«, eine Rechtspartei notwendig ist?

Antwort: Parteien entstehen nicht in der Retorte.

In seiner weiteren Antwort beschreibt Schrenck-Notzing, daß es an der Zeit für eine »Europäische Konservative Partei« sei, weil die EU immer mehr Einfluß gewinnen werde. Zunächst aber sollten wir festhalten, daß es völlig aussichtslos ist, aus einer Reihe kleiner konservativer Parteien eine große schmieden zu wollen. Teil VI unserer Reihe über die konservativen Fehler: Warum auch eine Fusion der Schwachen nichts bringt. Für viel wichtiger halte ich aber die Idee einer »Europäischen Konservativen Partei«. Nun bin ich bekanntermaßen kein Freund von Parteien – vor allem, weil mich die Opportunisten darin anekeln. Aber fassen wir doch die Frage etwas weiter: Wie müssen sich Konservative zu Europa positionieren? Ich habe dazu vor einiger Zeit in Anlehnung an Hannah Arendt den Vorschlag einer aristokratischen Räterepublik in Form eines Euro-Regionalismus unterbreitet. Aus meiner Sicht kann es nur in diese föderalistische Richtung gehen. Das muß der Grundkonsens der Europapolitik von Konservativen sein. Laßt uns die Lebenswelt der Bürger retten! Laßt uns die zentralistische Bürokratie zerstören! Und laßt uns selbst als Vorbild vorangehen, wenn es heißt, die kleinen Dinge des Lebens richtig zu machen!

Frage: Warum haben Sie das mühsame Abenteuer gewagt, mit Criticon eine konservative Zeitschrift herauszugeben?

Antwort: Die Zeitschrift ist als Kommunikationsmittel gedacht. (…) Es handelt sich also nicht um ein Organ der Propaganda, das fertige Meinungen verkauft, sondern um ein Organ der Urteilsbildung, der Analyse und Diskussion.

Selbstverständlich kann man gegen den Inhalt dieser Aussage nichts sagen. Für die Blaue Narzisse trifft das genauso zu. Aber mir ist das alles eine Spur zu defensiv, zu bürgerlich und saturiert. An erster Stelle muß doch die Betonung stehen, daß wir mit den publizistischen Projekten standfeste Institutionen aufbauen wollen, die auch in Zeiten der großen Krise bestehen bleiben. Statt Diskussionspathos gehört dann an zweite Stelle, daß wir die Deutschen dazu bewegen wollen, endlich wieder als Subjekte in die Geschichte zurückzukehren. Für uns als Jugendmagazin bedeutet dies, die Schüler und Studenten dieses Landes aufzuwecken und aus ihrer Lethargie zu reißen. Wir werden dazu in den kommenden Monaten neue Wege aufzeigen, die über die vier Fragen und Antworten des hier diskutierten Interviews hinausgehen.


Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

1 Kommentar zu “Konservative Publizistik: Fragen an Caspar von Schrenck-Notzing

  1. Hoppe-Fan

    Das alte Criticón – bevor es von Gunnar Sohn verramscht wurde – war das beste Publikationsorgan der deutschen Nachkriegsgeschichte. Hier entdeckte ich auch die großen Libertären Gerard Radnitzky, Roland Baader und Hans-Hermann Hoppe!

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