Anstoß

Kopf oder Wand

Der menschliche Kopf ist bekanntlich zu vielem zu gebrauchen. Um Wände einzurennen, taugt er eher weniger – da gewinnt die Wand, es sei denn, sie bestünde nur aus einer Papierbespannung mit Leitartikeln der Firma Restle & Relotius.

Aber unsere Politführer vertrauen doch eher auf den guten alten Beton. Also muß man sich mehr einfallen lassen, als lautes Geschrei, radikale Phraseologie und frontalen Ansturm. Köpfchen ist gefragt.

Ganz zu Recht halten selbst viele Parteifreunde aus der ex-christlichen Ex-Volkspartei das für voll daneben, was Jens der Erste, der als Sparkassenbuchhalter in Westfalen seine obere Leistungsgrenze längst erreicht hatte, uns von Schloß Neuspahnstein aus als „Gesundheitspolitik“ verkaufen will. Gegen diese geballte Nullsummenpotenz wirkt Andi Scheuer geradezu wie ein Multitalent.

Auch der Bayer hat zwar reichlich Steuergeld in den Sand gesetzt, aber die teils opportunistische, teils irrationale Zickzackpolitik des Jens Spahn kommt unser Land noch sehr viel teurer zu stehen. Das Maskendebakel, die ruinösen Schließungen, die Einrichtung von überteuerten Impfzentren und von Testzentren, in denen die Organisierte Kriminalität munter abkassieren konnte – die Liste ist lang.

Daß sich Widerstand dagegen gebildet hat, ist gut und richtig, aber das bedeutet noch nicht, daß die Widerständler geschützt sind gegen fatale Fehler. Für jede Bewegung ist elementar wichtig, sich an der Wirklichkeit zu orientieren und nicht an Phrasenetiketten, Wunsch- oder Alptraumbildern.

Gerade in Deutschland resultiert ein Teil unserer Misere aus solcher Wunschkonzert-Politik: 1918 die von vornherein chancenlose Pseudo-Revolution von Idealisten und Sektierern, in einem wehrlosen Land ohne ausreichenden Rückhalt im Volk oder zumindest in der organisierten Arbeiterschaft, 1933 die erbärmliche kampflose Kapitulation vor der Hitler-Partei aus Hoffnung auf deren baldiges Abwirtschaften, 2015 die Verantwortungsflucht des deutschen Staates und die Aufgabe des Grundgesetzes gegenüber Hundertausenden von Alimentierungsforderern.

Den politischen Gegner zu unterschätzen, wie es in Weimar lange gegenüber der NSDAP geschah, ist ebenso gefährlich wie ein totaler Angriff auf all die, die man für ein Bündnis gewinnen kann und muß. Ein unseliges Vorbild sind hier die einstigen Haßorgien zwischen SPD und KPD.

Ich bezweifele, daß die aus der Geschichte gelernt haben, die heute von „Impfterror“ reden, wo es doch stattdessen nötig wäre, ruhig und sachlich darüber zu sprechen, ob der bisherige eher sanfte Druck der Regierenden in Richtung Impfen sinnvoll ist oder nicht und wie es gelingen kann, erstens die Pandemie zu überwinden und zweitens die zwei Drittel Impfbefürworter in unserem Volk und das eine Drittel Impfskeptiker oder Impfverweigerer soweit zusammenzubringen, daß in den wirklich entscheidenden Fragen – Abwehr von Kulturzerstörung und Umvolkung, Auswege aus der demographischen Krise, Verteidigung und Verbesserung unserer wirtschaftlichen Grundlagen – gemeinsames Handeln einer Mehrheit möglich wird.

Heute gibt es in unserem Land einen Abbau der Demokratie, den man als Faschisierung sehen könnte, aber es gibt keinen Faschismus, keine „Impfdiktatur“. Während man in Thailand für Majestätsbeleidigung lebenslänglich inhaftiert werden kann, während in Guatemala ein Lehrer wegen Protesten gegen ein Staudammprojekt sieben Jahre Gefängnis erhielt und in Burundi Germain Rukuki wegen Kritik an der staatlichen Folter zu zweiunddreißig Jahren verurteilt wurde und erst nach vier Jahren durch internationale Solidarität freikam, während die chinesische Anwältin Zhang Zhan wegen ihrer Berichte über Corona in Wuhan zu vier Jahren Haft verurteilt wurde (sie habe „Streit angefangen und Ärger provoziert“), herrscht in Deutschland meist eine schlafmützige Kuscheljustiz.

Islamterroristen und Totschläger vom extremen Rand erhalten in der Regel mittelprächtige Strafen. Zwei Polizistinnen, die bei einer Schießerei durch ihre feige Flucht den Tod ihrer Kollegen riskierten, werden statt zu fünf Jahren zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt – eine Entscheidung, die die Axt an die Wurzel staatlicher Selbstverteidigung legt.

Was also nottut: Statt bewußt oder unbewußt zu spalten oder nur von der Überwindung der gesellschaftlichen Spaltung zu schwafeln (wie Präsident Steinbeißer bei gleichzeitiger Brandmarkung der AfD und der Querdenker als Verfassungsfeinde oder sogar als Nazis es tut), sollte man erst einmal anerkennen, daß die große Mehrheit aus ihren mehr oder weniger guten Gründen und Überlegungen sich für die Impfung entschieden hat und aus dem Maske-Tragen keine Grundsatzfrage macht.

Dem Dialog mit diesen Menschen muß man sich stellen – auch wenn es schwerfällt und wehtut. Die Mehrheit hat weder immer recht noch immer unrecht. Aber ohne die Mehrheit und gegen sie wird man dieses Land nicht retten können.


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