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Leserbrief: Das Einmaleins der konservativen Kulturaktivisten

Folgender Leserbrief erreichte heute die Redaktion:

Liebe Autoren der Blauen Narzisse,

mein Leserbrief bezieht sich auf den Artikel „Kulturaktivismus für Anfänger“ von Vinzenz Glaser. Ich bin der Auffassung, dass „Stenciling“ und „Street-Art“ geeignete Mittel zum Aufbau einer Gegenkultur sind. Auch wenn man dabei in eine Grauzone von eignerer Moral und Gesetz kommt. Daher begrüße ich den oben genannten Artikel sehr.

Ich habe selbst schon mit Schablonen gearbeitet und sie auch „politisch“ eingesetzt. Bisheriger Höhepunkt war das Konterfei von Hannelore Kraft mit der Unterschrift „Ypsilanti 2.0“ (siehe  Bild), welches nach der NRW-Wahl im letzten Jahr an der SPD-Parteizentrale, hier in Heidelberg, neben dem Eingang grüßte.

Da ich also weiß, wie man „Stencils“ herstellt, möchte ich zwei Anmerkungen bezüglich Ihres Artikels äußern.

1) Befindet sich in Ihrer Bauanleitung ein Fehler. Wichtiger Schritt zwischen der Herstellung der Zweifarbigkeit und dem Ausdrucken bzw. dem Ausschnitzen ist die Beseitigung aller weißen Inseln. Ist zum Beispiel die Pupille des Herrn Oberst weiß, ringsherum jedoch alles Schwarz, so wird durch das Heraustrennen aller schwarzen Stellen im Endprodukt die Pupille logischerweise auch besprüht.

Vergleiche dazu folgendes Tutorial (insbesondere Teil 2): http://streetart.berlinpiraten.de/stencil-tutorial/

Weiter empfiehlt es sich den Rand der Schablone mit Pappe zu befestigen. Dies erleichtert das Besprühen und macht die Schablone langlebiger.

2) So eine Schablone herzustellen ist sehr zeitaufwendig. Daher empfehle ich, wie auch der Link oben, einen „Stencil-Burner“. Für Feinheiten benötigt man zwar immer noch ein Teppichmesser (o.ä.), jedoch werden die großen Flächen deutlich schneller bearbeitet. Weiter wäre es von Vorteil, wenn man erstellte Motive als Bilddatei (mit ausreichend großer Auflösung, so dass das Motive problemlos auf Din A4 gedruckt werden können) auf Ihrer Homepage herunterladen/kopieren bzw. hochladen kann.

Letztlich noch ein Vorschlag für das Einmaleins der konservativen Kulturaktivisten: Immer einen Edding am Mann haben! Schmierereien und Parolen der Zecken kann man so immer gleich an Ort und Stelle (in der Universität, in der Kneipe, etc.) übermalen, durchstreichen oder ergänzen (zum Beispiel das Wort „Antifa“ mit „FDJ 2.0 “ oder „RAF Nachwuchs“).

Ich hoffe über diesen Leserbrief hinaus mich mit Ihnen über weitere Strategien eines „konservativem Kulturaktivismus“ austauschen zu können. Ihre Homepage und Ihre Erfahrung sehe ich als hilfreiche Stütze für die Verbreitung solcher Strategien an.

Hochachtungsvoll

H. S. (Name von der Redaktion unkenntlich gemacht)

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14 Kommentare zu “Leserbrief: Das Einmaleins der konservativen Kulturaktivisten

  1. Sehr interessant, vor allem der Hinweis mit dem Edding. 🙂

  2. L'ancien régime

    H. S.? Ist das nicht ein Professor?

  3. Felix Menzel

    @ L‹ancien régime

    Ja, genau der macht auch heimlich Street Art. Hättest du nicht gedacht, was?

  4. @ L’ancien régime
    Haha. Jaja, er gibt Dir bestimmt ein ungenügend mit seinem Edding.

  5. Dies ist auch so eine Abwandlung von Stencil.
    Unten verlinktes Bild nimmt der Ami gern als Halloween-Deko.

    http://www.stoneykins.com/Free_Patterns/pics/Anne_Frank.gif

    zu finden hier:

    http://www.stoneykins.com/Free_Patterns/Page_01.html

    Holoween ist ja bald wieder, da könnte man auch ein T-Shirt damit machen…

  6. man muß doch ganz grundsätzlich mal eines festhalten: die vorschläge im glaser-artikel sind ebenso bedenklich wie diese absätze hier. es handelt sich in allen fällen um sachbeschädigungen, die in der regel (zu recht) mit empfindlichen strafen geahndet werden. ich möchte jetzt hier überhaupt nicht auf moralapostel machen, aber ich halte insbesonder die vorschläge von h.s. für dumme, pubertäre scheiße, zitat: »Letztlich noch ein Vorschlag für das Einmaleins der konservativen Kulturaktivisten: Immer einen Edding am Mann haben! Schmierereien und Parolen der Zecken kann man so immer gleich an Ort und Stelle (in der Universität, in der Kneipe, etc.) übermalen, durchstreichen oder ergänzen (zum Beispiel das Wort „Antifa“ mit „FDJ 2.0 “ oder „RAF Nachwuchs“).« das hat nichts mit gegenkultur zu tun, sondern ist ein immerwährendes auge-um-auge, das sich für außenstehende (die man mit gegenkultur ja eigentlich erreichen soll) nicht erschließt. gegenkultur passiert nicht im inkognito und mit sturmmaske vorm gesicht, wenn man nachts um die häuser zieht und wegen seiner (gedachten) kraßheit einen ständer hat, da man sich »endlich mal traut seine meinung zu sagen«. nein, h.s. und auch teilweise nein herr glaser, das ist quatsch! gegenkultur ist viel schwieriger herzustellen, fordert viel mehr aufwand, man bekommt, wenn man sie wirklich verteidigt, im prinzip ständig in die fresse. zudem: wer in kategorien wie »zecken« und »nichtzecken« denkt, der ist hier falsch.

  7. @Benjamin:
    Sachbeschädigung ist es nur, wenn man fremdes Eigentum beschädigt, Stichwort Privathäuser. Das ist in der Tat nicht nur strafbar, sondern auch zutiefst geistlos. Wenn aber linke Aktivisten ihre »Tags« oder Parolen irgendwo aufsprühen: was spricht dagegen, diese unkenntlich zu machen? Natürlich ist das dann kein feierlicher Akt der Kulturrevolution, sondern die Auslöschung linker Reviermarkierung. Diese Kennzeichnung »ihrer« Stadtteile, Ortschaften, Straßenzüge (usw.) ist doch auch ein Teil des Bestrebens um die Dominanz im vorpolitischen Raum und gibt ihnen die gefühlte Geborgenheit, die sie für »antifaschistische« Hetzkampagnen und Übergriffe benötigen.
    (Btw: Wieso ist denn die Antifa in Chemnitz beispielsweise wie sie ist? Sicher nicht, weil Du auf hohem Niveau künstlerisch tätig bist, sondern weil sie in gehörigem Maße daran gehindert werden, sich diese Wohlfühlatmosphäre einzuholen, die sich nunmal auch, nicht nur, durch die optische Präsenz und Hegemonie im Viertel äußert.)

    »zudem: wer in kategorien wie “zecken” und “nichtzecken” denkt, der ist hier falsch.«

    Wer sich nur auf die Negierung linker Aktivitäten versteift, ist sicherlich politisch gesehen nutzlos, aber einen Teil seiner Tätigkeit kann man dem politischen Gegenüber doch problemlos widmen; lediglich die Fixierung auf dieses »Anti-« dürfte verhängnisvoll sein, und wäre, in der Konsequenz, eine unnütze Spiegelung der Antifa-Bestrebungen. Aber ein gewisses Maß an Freund/Feind-Erkennung hat noch niemanden geschadet.

  8. »Wenn aber linke Aktivisten ihre “Tags” oder Parolen irgendwo aufsprühen: was spricht dagegen, diese unkenntlich zu machen?«
    - zumindest der eigene Stolz sollte doch dagegen sprechen, sich nicht auch auf dieses Niveau herab zu lassen und so unreif zu verhalten. Das ist keine Gegenkultur, sondern vielmehr eine Kulturlosigkeit, die nach außen hin einfach nur nervig und kein bisschen gewitzt oder überlegen wirkt. Was genau wird denn damit überhaupt erreicht?

  9. Dazu kann immer nur wieder das schöne Sprichwort zitieren: Narren Hände beschmieren Tisch und Wände! Es ist doch völlig egal, ob private oder öffentliche Einrichten (letztendlich gehören letztere auch jemanden, nämlich genaugenommen dem Steuerzahler) beschmiert werden. In dem Sinne zahlt einmal der Privatmann und im anderen Falle der Steuerzahler für die Entfernung. Mich kotzt es jedenfalls an, wenn ich durch die deutschen Städte laufe und alles ist beschmiert, egal mit was für Parolen.

  10. Nils Wegner

    @ Lars:

    Ich weiß nicht, wo Du wohnst, aber sowohl in meiner Heimatstadt als auch an meinem Studienort wird GAR NICHTS entfernt, schon – wie man anhand der Aufrufe zu datierten Gegendemos sehen kann – seit Jahren nicht mehr.

  11. @Lars:

    Der arme Bundesbürger, mir kommen die Tränen.
    Abgesehen davon: selbstredend ist das Beschmieren von Gebäuden asozial, aber das Überpinseln von linken Parolen ist kein Beschmieren, sondern praktizierte Nächstenliebe.

    @Ludwig:

    Siehe »@ Lars«. Es geht darum, den Linken überall ihre Deutungshoheit zu nehmen. Und wenn ein ganzer Stadtteil oder eine komplette Stadt mit Insignien und Sprüchen der radikalen Linken versaut ist, dann fühlen die sich nicht nur heimischer, sondern werden auch noch frech. In Chemnitz und den meisten Dörfern in Mitteldeutschland wird derartiges offensiv vermieden, soweit ich das beobachten kann, aber in Leipzig und anderen Städten sieht man ja, was dabei raus kommt, wenn der ach-so-biedere konservative Ludwig – äh Michel – lieber über kulturferne Linke schimpft, und dabei gar nicht merkt, daß die Kultur- und Stadtteilhegemonie im Kleinen beginnt. Auch bei sowas scheinbar lächerlichem wie »Tags« und Aufklebern.
    Und nein, ich rufe nicht auf, Eddings oder Schablonen in die Hand zu nehmen und wie der »H.S.« durch die Straßen zu ziehen, sondern gebe nur zu bedenken, daß diese linke Reviermarkierung schon einen dezidiert (vor?)politischen Hintergrund hat, und nicht nur aus purer Lust an Sachbeschädigung erfolgt.

  12. @ Jan P.

    Deine Argumente leuchten mir ein – nur was ist deine Schlussfolgerung. Darf ich nun gegen Aufkleber und Tags vorgehen oder soll ich nur zugestehen, dass die Linken hier »nicht aus purer Lust an Sachbeschädigung« handeln und weiter zusehen.

    Weiter verstehe ich den Hinweis mit dem Edding nicht als Aufruf gezielt durch die Strassen zu ziehen, sondern wenn einem was auffällt gleich zu agieren.

    Ich erinnern mich an ein Rundschreiben der Polizei bzgl. der zunehmenden Besprühung von Wänden in meiner Stadt und darin stand der Ratschlag: Graffiti gleich am nächsten morgen zu überpinseln – damit der »Künstler« sich nicht an seinem »Kunstwerk« erfreuen kann. Gleich ist es doch einem Aufkleber etc. in der Bahn oder sonst wo…

    Das Übermalen eines Aufklebers ist nicht Sachbeschädigung an dem Hintergrund sondern wenn nur am Aufkleber.

    Versteh mich nicht falsch, ich unterstütze Deine Argumente gegen die Nörgler voll. Aber was ist deine Konsequenz?

  13. @ benjamin jahn zschocke

    »es handelt sich in allen fällen um sachbeschädigungen« Das ist nicht Richtig.

    Ich stimme zu das weder Kultur bekämpft noch geschaffen wird. Doch was ist mit den Jan P. Einwand:

    »Wenn aber linke Aktivisten ihre “Tags” oder Parolen irgendwo aufsprühen: was spricht dagegen, diese unkenntlich zu machen? Natürlich ist das dann kein feierlicher Akt der Kulturrevolution, sondern die Auslöschung linker Reviermarkierung. Diese Kennzeichnung “ihrer” Stadtteile, Ortschaften, Straßenzüge (usw.) ist doch auch ein Teil des Bestrebens um die Dominanz im vorpolitischen Raum und gibt ihnen die gefühlte Geborgenheit, die sie für “antifaschistische” Hetzkampagnen und Übergriffe benötigen.
    (Btw: Wieso ist denn die Antifa in Chemnitz beispielsweise wie sie ist? Sicher nicht, weil Du auf hohem Niveau künstlerisch tätig bist, sondern weil sie in gehörigem Maße daran gehindert werden, sich diese Wohlfühlatmosphäre einzuholen, die sich nunmal auch, nicht nur, durch die optische Präsenz und Hegemonie im Viertel äußert.)«

    Ich denke der Vorstoß hier zielt in eine andere Richtung als was du unter Kultur bzw. Gegenkultur verstehst.

  14. @Jani
    Schöner unsere Städte und Dörfer! Das finde ich allerdings sehr gut. Aber bitte nimm weiße Farbe, Sauberkeit und Ordnung ist eine vernünftige Gegenkultur, die sich abhebt und ankommt.

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