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Leserbrief zum Frankfurter Integrationsdialog

Auf dem Frankfurter Integrationsportal www.vielfalt-bewegt-frankfurt.de sollen die Bürger Frankfurts in einem Dialogprozess ihre Ideen einbringen und so Einfluss auf das neue Integrationskonzept nehmen können.

Als Bürger Frankfurts habe ich heute zwei Themen eingegeben (z.B.«Transkulturalität«), die jedoch beide mit der Argumentation abgelehnt wurden, dass sie a) polemisch und b) ohne Bezug zum Integrationskonzept seien.

Angesichts des Inhaltes meiner beiden Beiträge ist diese Ablehnung einfach nur unglaublich. Offensichtlich sind echte Alternativ-Ansätze wie z.B. »Transkulturalität« nicht gefragt. Bereits bei meinem Versuch, einige Begriffe zum Thema Integration in das Glossar des Integrationsportals einzuführen, wurde nach anfänglicher Bereitschaft genau in dem Moment abgeblockt, als ich den Begriff »Transkulturalität« vorbrachte. Offenbar ist dieser Begriff und seine Definition ein Reizwort für die politische Linie der Integrationsdezernentin Frau Eskandari-Grünberg.

Wenn man zusätzlich bedenkt, dass der normale Bürger natürlich kein politisch korrektes Politiker-Deutsch spricht, sondern redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, dann ist das restriktive Verhalten der Portal-Moderation erst recht eine Farce.

Und wenn man zusätzlich bedenkt, dass zahlreiche auf dem Portal angemeldete Benutzer klar als Funktionäre von Parteien und Organisationen der Integrationsindustrie erkennbar sind, und eben nicht als normale Bürger, und dass weiters eine ganze Reihe angemeldeter Benutzer sich als Ex-Frankfurter oder z.B. Hanauer zu erkennen geben, dann ist der Sinn des Integrationsportals, nämlich normale Bürger Frankfurts zu beteiligen, vollends ad absurdum geführt.

Ich hatte dem Projekt dennoch eine faire Chance gegeben, wohlwissend, dass meine Themensetzungen keine Mehrheit unter den angemeldeten Benutzern des Portals gefunden hätten, so sie denn veröffentlicht worden wären. Aber – das gebe ich zu – ich hatte nicht damit gerechnet, dass sich das »bürgernahe« Integrationsportal auf eine so plumpe Weise als Farce entpuppen würde. Man kann Manipulation auch ohne Zensur ausüben. Aber nicht mal dazu hat die Phantasie der Obrigkeit offenbar gereicht.

Wir haben es mit offener Zensur und Manipulation zu tun. Demokratie und Partizipation sehen anders aus. Wenn es am Ende heißen wird, die Bürger Frankfurts hätten gemeinsam ein neues Integrationskonzept erarbeitet, so wird dies eine bösartige Lüge sein, wie sie einer Diktatur eignet. Nur Narren glauben, dass sich Konflikte durch Unterdrückung vermeiden lassen. Wer Wind sät, wird Sturm ernten.

Ménin aeide thea!

Thorwald C. Franke

Anlage:

Themenbeitrag 1: »Humanismus und Humanität in den Mittelpunkt!«

Humanismus und Humanität sind die gemeinsame Basis aller Religionen und Weltanschauungen. Humanismus: Der sich bildende Mensch. Humanität: Der mitfühlende Mensch.

Humanismus und Humanität sind älter als alle heutigen Religionen und Weltanschauungen. Es war die Kultur der Antike, die sie hervorgebracht hat. Und alle heutigen Religionen und Weltanschauungen haben auf diese Kultur zurückgegriffen (Christentum, Islam), oder haben ähnliche Ideen entwickelt (fernöstliche Kulturen).

Wichtiger als konkrete Vorschläge ist es, den richtigen Geist zu haben. Das neue Integrationskonzept muss Humanismus und Humanität ins Zentrum schreiben. Im Moment kommt das Wort »humanistisch« nur in dem im Konzeptentwurf abgedruckten hessischen Schulgesetz vor. Das kann so nicht bleiben. Was im Gesetz steht, muss auch in die Realität gebracht werden.

Von Goethe gibt es natürlich auch dazu das passende Zitat: »Jeder sei auf seine Art ein Grieche, aber er sei’s!«

Ich schlage vor, dieses Goethe-Wort als Motto dem Integrationskonzept voranzustellen, kein anderes Wort bringt Einheit und Vielfalt, Zusammenhalt und Individualität unserer Gesellschaft so gut auf den Punkt.

Themenbeitrag 2: »Transkulturalität statt Multikulturalität!«

Transkulturalität umfasst zwei grundlegende Einsichten:

Einsicht Nr. 1: Ein Mensch kann mehr als nur eine Kultur haben. Er kann z.B. zusätzlich zu einer Herkunftskultur die Kultur seines Aufnahmelandes erlernen, ohne die Kultur seines Herkunftslandes aufzugeben.

Einsicht Nr. 2: Wenn es einen Konflikt zwischen Herkunfts- und westlicher Aufnahmekultur gibt, dann sticht die Aufnahmekultur die Herkunftskultur aus, insbesondere, wenn es um Menschenrechte geht, ganz ohne jeden Kompromiss.

Die Unterschiede zu Multikulti sind klar: Multikulti geht davon aus, dass jeder Mensch nur eine einzige Kultur hat, die er auch bei Einwanderung in eine andere Kultur unverändert beibehält. Multikulti ignoriert die Frage, wie Unverträglichkeiten unter den Kulturen zu behandeln sind. Multikulti geht irrigerweise davon aus, dass die Geltung der Menschenrechte selbstverständlich sei; wir wissen heute, dass es leider nicht so ist.

Transkulturalität nimmt niemandem seine Kultur weg!

Transkulturalität fordert im Gegenteil, dass Zuwanderer eine Kultur hinzugewinnen, nämlich die deutsche Kultur. Transkulturalität regelt das Zusammenleben der Kulturen verlässlich, weil die Prioritäten klar sind. Transkulturalität lässt keinen Zweifel an der Geltung der Menschenrechte aufkommen.

Ich schlage vor, Transkulturalität in diesem Sinne zum neuen Paradigma des Integrationskonzeptes zu erheben und das Paradigma der Multikulturalität explizit als falschen Ansatz zu bezeichnen und abzulehnen.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

5 Kommentare zu “Leserbrief zum Frankfurter Integrationsdialog

  1. Da bekomme ich solch eine unglaubliche Wut…
    Sie halten sich mittlerweile ganz offen nicht einmal an ihre eigenen Spielregeln. Wenn die ökonomische Situation sich rapide verschlechtert, dann wird es düster. Die Eskandari-Grünbergs setzen sich dann in den Flieger und verpissen sich dreisterweise zu Verwandten auf nem anderen Kontinent. Boah, kotzt mich das alles an.

  2. Die Anlage ist eindeutig polemisch, wobei es derzeit eher so ist, dass der Vorwurf der Polemik ein Qualitätssiegel ist.

  3. Zur Ergänzung mein Artikel zum selbsternannten »Bürger-Dialog« in der Frankfurter Integrationsdebatte, der im Prinzip nur Geschwätz von ahnungslosen Bürgern und vorbestellten Funktionären ist: https://www.blauenarzisse.de/v3/index.php/anstoss/1158-integration-in-frankfurt-demokraten-gegen-die-realitaet

    Es ist hierbei auf die unrühmliche Rolle der »Frankfurter Rundschau« hinzuweisen, die das Integrationskonzept unkritisch hofiert und kritische Stimmen wie die vom Stadtverordneten Hübner, die KSA oder eben bestimmte Online-Wortmeldungen verteufelt, zensiert und stigmatisiert.

  4. L'ancien régime

    »Ménin aeide thea!«

    Ob Ilias-Zitate die Angesprochenen überzeugen….

    In der Tat, der geschichtsbewußte Konservative/Rechte (eher nicht der moderne Nationalist) , wie auch immer, ist geschichtlich ohnehin stets transnational, eben beispielsweise indem er sich auf die antiken Überlieferungen oder die des Alten Testaments beruft. Dazu haben doch Linke kaum einen Bezug.

    Aber Multikulturalität bedeutet m. E. nicht nur die atomistische künstliche Vielfalt im Ganzen, sondern auch die Austauschbarkeit den Einzelnen betreffend. Wenn eine Gesellschaft »multikulturell« ist, der Einzelne aber eben als autonom darin befindlich gedacht wird, dann gibt es doch nichts, was ihn vor der aggressiven Ver-Vielfältigung schützt. Und der beste Multikulti-Mensch ist doch eh der, welcher dieses Jahr hier und nächstes Jahr dort, freilich ohne jede Probleme, schön kosmopolitisch leben kann. Das gibt es freilich realiter nicht, sondern persönliche und gesellschaftliche Konflikte, innerlich wie äußerlich, sind die Folge. Aber ein solcher austauschbarer Nichts-Mensch, gott- und seinsvergessen, bindungslos, beliebig, nicht nur in Sprache und Wesen, auch im Geschlecht – mit der Hautfarbe fällt denen bestimmt auch noch was ein – ist doch Traumbild der ewigen Linken, wenn man es mal zum Ende bringt.

    Insofern behält der Einzelne eben nicht unterschiedslos seine Kultur. Er verliert sie im bunt-grauen Einheits-Vervielfältigungs-Pseuovielfalts-Brei. Insofern ist Multikulti ja eben letztlich nicht Multikulti, das steht nur am Anfang.

  5. Thorwald C. Franke

    Ich erlaube mir anzumerken, dass es sich nicht eigentlich um einen Leserbrief, sondern um eine Pressemitteilung handelte, und dass hier nur eine gekürzte Fassung veröffentlicht wurde.

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