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Luc Jochimsen: »Aufrechte Linke mit Hang zur Kultur«

An manchen Tagen, an denen ich beim Mittagessenkochen die Chemnitzer Regionalzeitung Freie Presse lese, kommt mir echt das Kotzen. Stephan Lorenz darf heute auf Seite 4 »Kommentar und Hintergrund« über Luc Jochimsen fabulieren. Eigentlich findet er die linke Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten ganz nett, aber ihre Aufstellung sei strategisch unklug. Würde die Linkspartei Gauck unterstützen, könnte sie sich einen »gewissen Respekt bei den anderen Parteien verschaffen und auch die Skepsis vor allem im Westen mildern helfen.« Lieber Kamerad Lorenz, vielleicht geht es der Linken ja gar nicht um Respekt? Was ist dieser denn in der Politik schon wert. Vielleicht, aber wirklich nur vielleicht, ist die Linke eine populistische Partei wie jede andere, der es einzig und allein um Aufmerksamkeit und die Befriedigung der eigenen Klientel geht.

Wie dem auch sei, darum geht es dir ja gar nicht, denn du hast die Vorzüge der Frau Jochimsen erkannt, die du anpreist, obwohl du weißt, daß die Dame in der Bundesversammlung nicht den Hauch einer Chance hat. Warum also Jochimsen? Ich fasse deine Argumente kurz zusammen:

  • Sie ist weiblich.
  • Sie ist eine »streitbare Publizistin mit einem Faible für Kultur«. Du findest es toll, daß sie beim Politmagazin Panorama mitgewirkt hat und 1994 Chefredakteurin des Hessischen Rundfunks (HR) wurde. Danach hat man den HR nur noch »Rot-Funk« genannt, weil sich Jochimsen unter anderem dafür eingesetzt hat, daß auch die PDS genügend Sendeminuten erhält.
  • Wie du schon in der Überschrift angedeutet hast, ist dir ihr Einsatz für die Kultur wichtig. Insbesondere ihr Engagement für den Palast der Republik hebst du hervor: »In ihren Augen ist Kultur ein umfassender Begriff unseres Lebens. Eine Trennung zwischen Politik und Kultur möchte sie nicht vollziehen. Nach wie vor empfindet sie es als Schmach, dass der Palast der Republik, ›Erichs Lampenladen‹, gänzlich verschwunden ist.«
  • Aber den eigentlichen Brüller, weshalb ich diesen Blogeintrag aufgesetzt habe, hast du, lieber Kamerad Lorenz, dir für den Schluß aufgehoben: »Einem etwas breiteren Publikum wurde sie bekannt, als sie 2004 ihrem früheren TV-Kollegen Michel Friedman nach dessen Skandal um Kokain und Sex mit Zwangsprostituierten für einige Tage Zuflucht in Italien gewährte. Nun will sie als die ›Schirmherrin der Schwachen‹ ins Schloss Bellevue einziehen.«

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4 Kommentare zu “Luc Jochimsen: »Aufrechte Linke mit Hang zur Kultur«

  1. Der Grinch

    Scheint einem eine ganz gute Ausgangsposition in der BRD zu verschaffen, wenn man Juden auf dem Dachboden versteckt hält.

  2. L'ancien régime

    Der Palast der Republik als herausragendes Kulturobjekt – vor dem Berliner Stadtschloß möglicherweise. Progressive Kultur eben, modern, emanzipiert, autonom.

    Und Friedman als Vorzeige-Unterdrückter.

  3. Vielleicht ist das für »ostdeutsche Ohren« etwas ungewöhnlich aber 1989 saßen die meisten »Fans der DDR« in Westdeutschland.

    Jochimsen und Linkspartei ist das gleiche wie Grass und SPD, Black und Decker, Dick und Doof, Arsch auf Eimer.

    Jochimsen war nicht eine, sondern DIE offene Unterstützerin der SED/PDS im westdt. ö-r-Journalismus. Bereits kurz nach dem Mauerfall hat sie in einer talkshow wütend und enttäuscht einem Wissenschaftler (ich glaube, es war Werner Obst) Netzbeschmutzung und der überzogenene Kritik an der DDR vorgeworfen.

    Daß aber Jochimsen nicht die einzige war mit einer Schwäche für totalitäre sozialist. Lösungen, kann man daran erkennen, daß sie trotz des Desasters des Zusammenbruchs der DDR in den Folgejahren Karriere bei HR machen konnte … eigentlich eine völlig paradoxe Situation.

    Nebenbei, auch die EKD(West) stand »in Solidarität« zu den Freunden in der DDR und insbesondere in der Akademie Tutzing soll man seine Enttäuschung über das Ableben der DDR kaum versteckt haben.

    P.S. Kurt Hager soll auch ein großer Freund der Kultur gewesen sein.

  4. L'ancien régime

    MAchen wir uns nichts vor, das gesamte nützliche Idiotentum des Westens hat die DDR heimlicher oder offener moralisch gestützt; heute wollen das einige wohl nicht mehr wissen, andererseits wird sie heruntergespielt und bagatellisiert, dagegen weiter fleißig am Zerrbild des Dritten Reiches als Zentrum der Geschichtsbetrachtung gearbeitet.

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