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Lügen über Migration (1. bis 3.)

Es gibt Lügen über Migration, die weitverbreitet sind, weil sie in nahezu jeder wissenschaftlichen Studie über das Thema auftauchen. Dabei wäre es so einfach, diese »wissenschaftlichen« Erkenntnisse als Blödsinn zu entlarven. Man muß sich nur die Situation vor Ort (insbesondere in den Herkunftsländern) anschauen oder gute Berichte darüber lesen.

Soeben habe ich eine Reportage über mexikanische Kinder gelesen und ihre fehlende Bereitschaft zur Bildung. Diese Reportage entlarvt drei wesentliche Lügen über Migration:

1. Lüge: Es kommen ja Fachkräfte, wir müssen sie nur noch integrieren.

Falsch! In der Reportage bringt es eine Lehrerin auf den Punkt:

Diejenigen, die sich für Migration entscheiden, haben als Ziel, Geld zu haben und einen Kleinlaster zu beladen; ihnen ist es egal, sich in der Schule Wissen anzueignen. Jene die bleiben wiederum sehen in der Heirat ihr Lebensziel.

Die Verlockung des schnellen Geldes in einem fremden Land kann also – wie in diesem Beispiel – die Erziehung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen sehr erschweren, weil sie in jungen Jahren lernen, daß man ja nur seine Heimat verlassen muß und dann schon irgendwie über die Runden kommt. Oder noch viel schlimmer: Daß im Ausland das Geld auf den Bäumen wächst.

2. Lüge: Migration löst enorme Rücküberweisungen in die Heimatländer aus und hilft diesen damit ebenfalls.

Auf den ersten Blick mögen die Rücküberweisungen tatsächlich ein Vorteil von großen Migrationsströmen sein, denn mittlerweile sind sie höher als die weltweite Entwicklungshilfe. Ebenso wie bei Entwicklungshilfe gibt es aber auch bei den Rücküberweisungen ein großes, nicht zu lösendes Problem: Die Familien, die von Rücküberweisungen leben können, haben keinen Anreiz, auf Bildung und den Aufbau eigener wirtschaftlicher Aktivitäten zu setzen. Wenn ein ganzes Dorf nur von Rücküberweisungen lebt – wie in dem geschilderten Beispiel aus Mexiko – führt dies zwangsläufig dazu, daß die heimische Wirtschaft niemals auf die Beine kommt.

3. Lüge: Migration aus den unterentwickelten Ländern in den reichen Westen sorgt dafür, daß die Probleme der Überbevölkerung zurückgehen, da die Migranten in ihren Zielländern weniger Kinder bekommen als daheim.

Diese Lüge findet sich z.B. bei Danny Dorling. Unsinn ist diese These, weil Länder, die an Überbevölkerung leiden und eine hohe Auswanderung zu verzeichnen haben, ihren Bevölkerungsüberschuß gewissermaßen »exportieren« können und somit keine Anstrengungen unternehmen werden, an die Wurzeln der Probleme heranzugehen. So auch in Mexiko:

Obwohl Yucunicoco ein Ausgangsort für Migration ist, fehlt es ihm nicht an Bevölkerung, da im gleichen Verhältnis zur Migration eine hohe Geburtenrate existiert. Sobald die Jugendlichen zwölf Jahre alt sind, gelten sie als fähig zu heiraten und Kinder zu kriegen. »Die jungen Menschen haben kein weiteres Lebensprojekt, das über die Heirat und Migration hinausginge«, erklärt die Lehrerin Dora María Jiménez Hernández, Rektorin der örtlichen Telesecundaria 20DTB0401E. Sie berichtet, dass mindestens 20 Prozent der Jugendlichen, welche die Telesecundaria beginnen, die Schule abbrechen, um in die USA zu emigrieren. Den weiteren Anteil stellen jene dar, die in jungem Alter heiraten.

Die ganze Reportage lesen!

(Bild: Flüchtlingskinder aus Somalia / UN Photo /? Eskinder Debebe /? CC)

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

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