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Marina und die russische Literatur

Schreibt unsere neue Ikone Marina Weisband weiter bei uns ab, um damit endlich mal etwas Qualität zur FAZ zu transferieren? Der zweite Beitrag ihres Salon Skurril beschäftigt sich mit der »Gemeinschaft der Idioten«. Dostojewski hat es der schönen Marina angetan und deshalb fragt sie sich ganz originell, was der russische Schriftsteller zur Debatte über das Internet beitragen könnte. Ihr Fazit:

Ich habe mich hier bei der russischen Klassik bedient, obwohl ich, um diesen Punkt zu illustrieren, wirklich jeden modernen Roman über einen Außenseiter hätte nehmen können. Mich fasziniert aber gerade diese gewaltige Entfernung der Assoziation. Denken Sie an Dostojewski, wenn Sie an Internet denken? Oder anders herum? Ein Roman, der in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts geschrieben worden ist, fernab von unserer Gesellschaft und scheinbar fernab von unseren Fragen, stellt ein Problem heraus, auf das wir möglicherweise erst heute langsam eine Antwort finden. Vielleicht hat Dostojewski im »Idioten« einfach einen Mangel an etwas festgestellt. Ein Mangel an Freiheit, über seine eigene Umgebung bestimmen zu können.Vielleicht hat er uns zukünftige Generationen um etwas wie das Internet gebeten.

Vermutlich kommt Marina auf diesen unsinnigen Schluß, weil ihre Ursprungsquelle intellektuell zu anspruchsvoll und zu lang war. Wahrscheinlich handelt es sich um den Dostojewski-Dreiteiler von Johannes Schüller in diesem Magazin.

Über den Idioten heißt es in diesem Beitrag:

Der Idiot ist aber nicht nur die Geschichte eines Blödmanns, welcher an der Grausamkeit seiner Umgebung zugrunde geht. Der Autor zeichnet ihn auch als einen klugen Analytiker, der jedoch, ganz im Gegensatz zu Raskolnikow, geradlinig und ehrlich handeln und sprechen will, um die selbst gesetzte ethische Norm zu erfüllen. Erst diese moralische Naivität macht ihn, verbunden mit der durch die Epilepsie erzeugte Vorverurteilung der Haute-Volée, zum sozial unfähigen Idioten.

Als gesichert kann gelten, dass Dostojewski in der Gestalt des Fürsten zugleich die berühmten „guten Absichten“ des westlichen Humanismus anerkannte, aber auch deren praktische, radikal angegangene Umsetzung als selbstmörderisch aufzeigte. Deutlich wird dieser Bezug auf Rousseau in den Worten einer unbedeutenden, aber zugleich witzigsten und anti-tragischsten Figur der Handlung, dem ehemaligen Offizier mit deutschen Wurzeln namens Keller. Dieser lobt den Fürsten, die Ironie ist unverkennbar, für seine naiv-unschuldige Weltsicht und damit „sozusagen schweizerische Auffassung“ vom Leben.

Dostojewski verfasste einen Großteil des hochironischen Romans in Rousseaus Geburtsort Genf, in der Nähe des Rousseau-Denkmals, womit der Bezug auf ihn quasi zwingend erscheinen musste.

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1 Kommentar zu “Marina und die russische Literatur

  1. ich sage, sie hat in allem recht. darf ich sie jetzt endlich heiraten?

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