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Martenstein von der ZEIT: Wenn es der Kritiker will, kann jeder Nazi sein – auch Roberto Blanco

Auch wenn es vielleicht dem einen oder anderen Leser inzwischen zum Halse heraushängt, müssen wir trotzdem die Reaktionen des Feuilletons auf Christian Krachts neuen Roman Imperium sammeln, denn wahrscheinlich schon bald wird der Wind wieder von der anderen Seite her blasen. Dann sind wir gefragt und müssen diese Fundstücke präsentieren.

Harald Martenstein schreibt im aktuellen ZEITmagazin unter der Überschrift »Man kann jedem nachweisen, er sei ein Nazisympathisant«:

Ich fragte einen Kollegen: »Welcher Deutsche ist völlig unverdächtig, Nazi zu sein?« (…)

Der Kollege überlegte erneut und sagte: »Alice Schwarzer.« Nun, Alice Schwarzer vertritt beinhart das Führerprinzip: »Ich bin, mit Verlaub, nicht abzusetzen.« Sie befürwortet Gewalt: »Gewalt ist für Frauen kein Tabu mehr.« Außenpolitisch liegt sie voll auf Hitler-Kurs: »Wir wollen die Hälfte der Welt.«

Danach ist Roberto Blanco an der Reihe:

Roberto Blanco lässt Verständnis für Thilo Sarrazin erkennen, über dessen Buch äußerte er: »Es ist manchmal schwer, die Wahrheit zu sagen« (…)

An Zufall kann nur glauben, wer den Refrain des Roberto-Blanco-Hits Ein himmelblaues Motorrad nicht kennt: »Ich kaufe mir ein himmelblaues Motorrad und suche mir dazu die rechte Braut.«

Martenstein gelingt es danach, eindeutig nachzuweisen, daß Blanco ein Nazi sein muß, denn er ist auch schon mal auf einem Festival aufgetreten, bei dem eine Band gespielt hat, die von einigen Kritikern als rechtsextrem eingestuft wurde.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

1 Kommentar zu “Martenstein von der ZEIT: Wenn es der Kritiker will, kann jeder Nazi sein – auch Roberto Blanco

  1. Hans-Christof Tuchen

    Nett, wenn einer das Verfahren der Nazimacher vorführt. Man darf dabei aber die „habituellen« Nazis nicht unterschlagen, also Leute, vor denen man die Hacken zusammenschlagen und „jawoll, mein Führer!« rufen möchte (das klingt bei Frau Schwarzer mit an). Die Studien zum autoritären Charakter von Adorno & Co. waren das Vorbild für ähnliche Untersuchungen, die einem Großteil des Volkes seit Jahrzehnten antisemitische, xeno- und homophobe Einstellungen bescheinigen.
    Die Nazikeule eignet sich also nicht nur zur Beseitigung von Konkurrenten, sondern auch zur Rechtfertigung der Herrschaft einer politischen Klasse, die die westlichen Werte gegen die Instinkte des Pöbels verteidigt.

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