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„Meine WG ist meine Familie“

Unter dieser Überschrift hat uns heute die grüne taz-RedakteurIn Julia Seeliger mitgeteilt, wie sie sich ein „Familienleben“ vorstellt. Der Beitrag der 31jährigen beginnt mit einer Offenbarung:

Während ich diesen Text schreibe, ist mein Freund bei einer anderen Frau. Das ist nicht unüblich: Studien erzählen davon, dass eine große Zahl von Verpartnerten schon mal Spaß in fremden Betten hatte.

Fremdgehen ist prickelnd. Für den allein zu Hause sitzenden Dritten ist es hingegen nicht so prickelnd, wenn ein Treueversprechen gebrochen wird. Doch monogame, nicht offene Zweierbeziehungen geraten oft in eine Krise und werden oft beendet, wenn ein Partner Lust auf eine andere Person hat – oder, nachdem es schon passiert ist. Wer sich in einer offenen Beziehung befindet, hat es da meist leichter.

Nun kann die liebe Julia in ihrem Privatleben treiben, was sie will. Es interessiert uns nicht, weil wir die Verteidigung des Privaten als eine wesentliche Aufgabe der Gegenwart betrachten. Aber Vorsicht! Die Chance auf eine heiße Nacht mit Julia dürften BN-Sympathisanten nicht haben. „Kein Sex mit Nazis“, schränkt schließlich die Variationsmöglichkeiten von Julias Abenteuern und auch unseren empfindlich ein.

Oder doch „Sex mit Nazis“?

Liebesbeziehungen oder gar Sex mit politischer Bedeutung aufzuladen ist allerdings ein Irrweg. Nicht alles Private ist politisch! Bei der Liebe ist der Bauch, das Irrationale wichtig – in der Politik sind es Argumente und Fakten. Herrschaftsverhältnisse über das Bett zu ändern, kann nicht funktionieren und macht auch keinen Spaß. Insofern sollte Polyamorie weniger ein politisches Projekt denn vielmehr eine Lebensform sein, die gleichberechtigt neben der monogamen Zweierbeziehung und vielen anderen Lebensformen betrachtet werden muss.

Ich will nicht wissen, welchen fetten, alten Säcken Julia eine Dienstleistung erbracht hat, um in der Partei oder gar bei der taz (?) aufzusteigen. Abseits dieser schlüpfrigen Nebenkriegsschauplätze müssen wir Julia allerdings fragen, warum ihr offenes Beziehungsmodell gleichberechtigt neben der „monogamen Zweierbeziehung“ stehen sollte. Welche produktive, gemeinschafts- und gesellschaftserhaltende Kraft hat eigentlich der sexuelle Liberalismus? Mit dieser Frage berühren wir einen heiklen Punkt, denn in Wahrheit erweist sich dieser als Ausweitung des Wirtschaftsliberalismus ins Schlafzimmer. Und das will die Julia?

Damit Gerechtigkeit in der Lebensformenpolitik wieder hergestellt wird, müssen einige Gesetze geändert werden. Der Staat muss dem Grundsatz der Familienneutralität gerecht werden. Das meist frauendiskriminierende Ehegattensplitting muss abgeschafft werden. Endlich müssen auch Homosexuelle ein vollwertiges Adoptionsrecht erhalten. Und es muss über die Einführung eines Familienvertrags nachgedacht werden.

Die Idee beim Familienvertrag: Menschen, die füreinander Verantwortung übernehmen wollen, unterzeichnen einen Vertrag mit Rechten und Pflichten. Dieser soll bei einer staatlichen Stelle, zum Beispiel beim Jugendamt, geschlossen werden. Mit dem Familienvertrag würden Mehrelternschaften möglich. Das betrifft nicht nur Groß-WGs, die gemeinsam Kinder aufziehen wollen oder Polybeziehungsnetze – auch Neuverpartnerte, Alleinerziehende und Homosexuelle würden von der Einführung eines Familienvertrags profitieren.

Also doch kein Liberalismus, sondern »Familien«-Etatismus. Und die Notwendigkeit dafür hat die Julia auch kapiert. Weil nämlich das Internet eine weltweite Vernetzung möglich macht, ist es rückwärtsgewandt, sich nur an einen Partner binden zu wollen. Im Netzwerk zu leben, ist schließlich viel moderner! Und der Fortschritt wird noch ganz andere tolle Trends mit sich bringen:

Sicherlich wird es irgendwann auch möglich sein, körperlichen Sex über das Netz zu machen. Doch darum geht es nicht. Es geht um Liebe und Beziehungen – und warum die nur auf einen Partner beschränkt sein und nicht weitergedacht werden sollen, ist rational wenig erklärlich.

Meine WG ist meine Familie, ich liebe mehr Menschen als nur meinen Freund. Und der hat sich inzwischen auch wieder gemeldet.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

14 Kommentare zu “„Meine WG ist meine Familie“

  1. Gern setze ich mich dem Vorwurf der Misogynie aus, liebend gern sogar:

    Frauen mögen die Hälfte der politischen Macht dieser Welt beanspruchen, aber sie beweisen eindrucksvoll ihre exorbitanten Limitationen. Sie sind eben nicht geeignet!

    Sie sind, wie es Michael Klonovsky so treffend beschreibt, das “dekorative Geschlecht”. Das sollte ihnen reichen, denn sonst richten sie unglaublichen Schaden an. Sie sind und bleiben Kinder, ihr Leben lang. Es mag Ausnahmen geben, aber die sind die Minderheit.

    (http://fact-fiction.net/?p=4120#comments)

    zur Ergänzung:

    Um zu sehen, wie die Frauenwelt so funktioniert, muß man sich nur mal das folgende vorstellen:
    Männer dürften weder Parteimitglieder, geschweige denn Mandatsträger mehr sein. Vor allem würde allen Männern das Wahlrecht entzogen.

    ??????????????????????????????????????????????????

    Was dann passierte, wäre nichts anderes, als jetzt schon, gedämpft durch die Präsenz der (zum teil verweichlichten, will sagen verweiblichten) Männer, feststellbar ist. Mit Deutschland geht es erst seit Einführung des Frauenwahlrechts bergab.

    Erst nach und mit Abschaffung des Frauenwahlrechts hat unsere Welt wieder eine Chance. Das gilt für die Welt Frauen inclusive.
    Deutschland muß wieder männlicher werden, weil wir kämpferischer werden müssen. Das Ende der verweiblichten Welt kommt so oder so.

    […]

    Hypothese:
    13. April 2010 um 15:10

    Um bei dem Gedankenspiel zu bleiben:
    1. Was würde passieren, entzöge man den Männern das aktive und passive Wahlrecht?
    2. Was würde passieren, entzöge man den Frauen das Wahlrecht?

    Zu 1.: Der Untergang.
    Zu 2.: Alles käme mittelfristig wieder ins Lot. Und die zerbombten Städte haben wir Deutschen ja schonmal wieder aufgebaut.
    Noch besser wäre es, das Wahlrecht nur noch an gediente, per saldo steuerzahlende, verehelichte Männer mit wenigstens zwei Kindern zu vergeben.
    #
    Hypothese:
    13. April 2010 um 15:21

    Frauenhaß hin, Dämlichkeit her.

    Frauen taugen (en gros) da nichts, wo Entscheidungen zu fällen sind. Polizeibeamte, Soldaten, Richter, Unternehmensführer. Natürlich gibt es davon Ausnahmen. Nur habe ich noch nie eine gesehen. Und eine kleine Ausnahme zur Regel machen zu wollen, ist einfach nur dämlich.

    Mitgliedsanteile und Wählerinnenanteile von Frauen absteigend:
    Linke, Grüne, SPD, CDU, FDP, CSU, Rep. ….. das sagt doch alles. Nach SPD und vor CDU ist übrigens der Wendepunkt: ab da mehr Männer als Frauen.
    Die Anteile an metrosexuellen Multikulti-Großstadt-Schwuchteln dürfte entsprechend sein. Seit die CDU auf dem Pofalla/Merkel-Kurs ist, ging es darum, mehr Frauen und mehr Großstädter als Wähler anzuziehen.
    Fragen?
    Anmerkung 1: Nun ist zum Frauenhaß auch noch Schwulenhaß dazugekommen. Mist.
    Anmerkung 2: Es ist sehr weiblich, eine nüchterne Betrachtung und logische Schlußfolgerung gleich mit “Haß” zu assoziieren.

    (http://www.korrektheiten.com/2010/04/12/die-gluckenrepublik/comment-page-1/#comments)

  2. Dazu passt auch folgendes aus der Bibel

    Ein schönes Weib ohne Zucht ist wie eine Sau mit einem goldenen Haarband.

    (Spr. 11, 22)

  3. Es ist erbärmlich was Julia da schreibt. Keiner von ihren WG-Heimern und wohl nicht einmal ihr »Freund« wird auch nur für fuffzich Pfennich Verantwortung für sie oder ihre hypothetische Brut übernehmen. Wieso auch, sie tut es ja – nach allem was man annehmen kann – auch nicht. Folglich muß der Staat, also ich, mit meinen beträchtlichen Abgaben, ihr Rumgebummse finanzieren, was mir nicht nur etwas gegen den Strich geht.

  4. Mehrelternschaften in Groß-WG´s… das ist ja unglaublich herzlos! Aber die Dame hat sicherlich keine Kinder und weiß gar nicht, wovon sie redet. Am Ende wird sie sowieso die Dumme sein, der Mann hat auf dem Markt nun mal länger gute Karten.
    Den Feminismus hätte sich auch grad der größte Macho ausdenken können, absolut frauenfeindlich! Viele Frauen sind doch wirklich zu dumm und die Männer wahrscheinlich bequem und geben auch gerne ein bisschen Verantwortung ab.

  5. Der wirkliche Klops kommt m.E. am Ende

    Dieser Text ist für Sie kostenlos verfügbar. Dennoch wurde er nicht ohne Kosten hergestellt! Wenn Ihnen der Text gefallen hat, würden wir uns freuen, wenn Sie der taz dafür einen kleinen Betrag bezahlen. Das können wenige Cent sein – wir überlassen es Ihnen.

    Die Taz erwartet tatsächlich, dass man für die öden Kopulationsgeschichten einer TAZ-Journalistin auch noch Geld bezahlt? Jetzt muss ich wirklich lachen – das Netz ist voll von solchen Rudelbumsgeschichten: Und das komplett kostenfrei.

  6. @ Judith
    Das ist überhaupt das Unglaubliche: Erst so einen Müll schreiben, aber dann noch mit diesem unausrottbaren Ich-will-ernst-genommen-werden-Anspruch daher kommen.

  7. Warum sagst sie nicht einfach wie beschissen es ist, wenn der Freund mit einer anderen weg ist, wenn dies überhaupt stimmt, statt sich in so einem Schwachsinn zu verlieren? Hat sie Minderwertigkeitskomplex? Hab schon etwas Mitleid mit ihr bekommen nach diesem Text.

  8. Eine neue 68? Ich denke Julia bekommt irgendwann versehentlich ein Kind von einen Ihrer Freier und steht zum Schluß alleine da. Wahlrecht für Frauen hin oder her. Ich glaube das rettet keiner mehr. In dieser Gesellschaft sind nicht nur Frauen dumm und verhalten sich gleichgültig, nein auch Männer interessieren sich nicht für bestimmte Lebensarten.
    Ich selbst stellte in der Elterratssitzung fest, daß Eltern lieber der Schule und dem Staat die frühzeitige Aufklärungsarbeit machen lassen. Gender und viel zu frühe Aufklärung von Kindergartenkindern. Gesellschaftlich kann man hier nichts mehr viel bewirken, außer seine eigenen Kinder zu anständige Erwachsene zu erziehen. Dazu ist aber eine gewisse Isolation notwendig oder gar eine Gemeinschaft die ebenso denkt und handelt. Eine neue Gesellschaft.
    Die staatlichen Einflüsse, der kranken Gesellschaft werden immer mehr. Ich reg mich da auch immer auf. Aber man kann nun mal seine Kinder aus finanziellen Gründen nicht isolieren.
    Man denke nur Julia wäre so eine Dame, die Aufklärungsunterricht an Schulen praktiziert.
    Der Artikel ist eigentlich langweilig und dumm und wir diskutieren drüber?

  9. Ich hatte hier eigentlich Judith (2) eingeben, ad hier ja noch eine Judith schreibt. Das mit der (2) hat nicht geklappt.

  10. Die Genossin hat einwandfrei erkannt, dass der wahre Sündenfall der Menschheit in der Begründung von Privateigentum, Monogamie, Ehe und Familie, Religion und Nation liegt, durch welche die matriarchalische Gesellschaft des Urkommunismus mit freier Sexualität und Gemeineigentum überwunden wurde.

    Und heute weiß man: Der einzige Weg, für eine Welt ohne Krieg zu sorgen, liegt darin, alles, wofür Menschen sterben, kämpfen oder töten würden, so weit herabzuwürdigen, dass niemand mehr dazu bereit ist.

    Evan Sayet hat dies in einer genialen Bestandsaufnahme über »moderne Liberale« dieser Art mal aufgearbeitet: http://loyalbushie.wordpress.com/2010/04/02/evan-sayet-uber-moderne-liberale/

    Unbedingt lesen!

  11. Man muß ja nicht alles Ernst nehmen, was »(nicht-mehr-so-)jung, kinderlos, ungebunden, grün sicht Aufmerksamkeit« so von sich gibt.

    Ob die polyamorphe Mehrkinderbeziehung funktioniert ?
    Na, da könnte der sicherlich hier mitlesende M. Brodkorb (testweise) seiner Freundin/Frau vorschlagen, doch die 22-jährige Ludmilla aus Minsk in den gem. Haushalt aufzunehmen – was sinnvoll sei, da diese von ihm im fünften Monat schwanger … um dann abzuwarten, wie seine Freundin/Ehefrau reagiert.

    Das einzige Problem ist, das man etwas Anderes Ernst nehmen muß:
    Daß *C* gerade dabei ist, den Brechtschen Vorschlag umzusetzen und sich ein neues (Wahl-)Volk sucht. Die springen momentan auf alles an, was ihnen neue Wählerstimmen bringen könnte. 😉

  12. Mir scheint Julia Seeliger mit diesem taz-Artikel eher die Hand in Richtung islamischer Intellektueller auszustrecken. Immerhin stellt sie die monogame Ehe darin als überholt dar. Leider ist dieser Artikel jetzt auf einmal nicht mehr da.

  13. Klabauterin

    Selten so einen schizophrenen Blödsinn gelesen (vom schlechten Deutsch der Bloggerin mal ganz abgesehen):
    »Für den allein zu Hause sitzenden Dritten ist es hingegen nicht so prickelnd, wenn ein Treueversprechen gebrochen wird. Doch monogame, nicht offene Zweierbeziehungen geraten oft in eine Krise und werden oft beendet, wenn ein Partner Lust auf eine andere Person hat – oder, nachdem es schon passiert ist. Wer sich in einer offenen Beziehung befindet, hat es da meist leichter.«
    Auf gut Deutsch heißt das: Lieber quält sich Frau Seeliger alleine daheim rum, während ihr Freund mit anderen Frauen die Betten teilt, dafür darf sie sich damit rühmen, dass sie es angeblich leichter hat. Klingt für mich wie das Trauegelöbnis einer Ehefrau aus dem 18. Jahrhundert, die die Untreue ihre Männer akzeptieren mußte, solange er sich »derselbigen nicht im eigenen Heim schuldig gemacht« hatte…

    Aber glücklicherweise können wir abschließend die Erleichterung der Verfasserin förmlich mit den Händen greifen: »ich liebe mehr Menschen als nur meinen Freund. Und der hat sich inzwischen auch wieder gemeldet.« Tja, für irgendwas wird sie dann wohl noch gut sein, die Frau Seeliger, nicht wahr?
    Im übrigen rate ich der Verfasserin, mal Erich Fromm’s »Die Kunst des Liebens« zu lesen, damit ihr Blick klarer wird für die real existierenden unterschiedlichen Arten des Liebens.

  14. Klabauterin

    Sorry, beim ersten Eintrag von mir hat es irgendwas verschoben, so dass der Text keinen Sinn mehr ergibt – wenns geht den ersten Beitrag bitte löschen. Danke.

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