Anstoß

Meinungszensur an der Uni Leipzig

In Deutschland scheint sich nach wie vor die Meinung zu halten, Meinungsfreiheit gelte nur partiell und für bestimmte Positionen. Es gibt einen Rahmen des Sagbaren, der von der herrschenden Meinung genau diktiert wird.

Wer sich außerhalb dieses Rahmens verbal bewegt, muss mit Konsequenzen rechnen. Eine beliebte Methode, jene Meinungsdelikte abzustrafen, könnte man wohl als „bashing“ bezeichnen. Es werden gezielte Angriffe auf die soziale Persönlichkeit des zu bestrafenden Menschen geführt, die seinem sozialen Ansehen – auch in der realen Welt – durchaus dauerhaft schaden können. Man kann das auch einfach Meinungsterror nennen!

„Rauscher rausch ab!“

Ein wunderbares Beispiel für dieses Vorgehen ist der Fall des Juraprofessors Thomas Rauscher von der Universität Leipzig. Gegen ihn läuft derzeit eine Kampagne mit dem Titel „Rauscher rausch ab!“ Organisiert wird das alles von einer Gruppe linker Studenten, die meinen, sich als Sittenwächter des politisch Vertretbaren aufspielen zu dürfen. Zuvor war Prof. Rauscher diesen Aposteln der Political Correctness negativ aufgefallen, weil er auf seinem Twitter-Account diverse Äußerungen tätigte, die nicht so ganz in das naive und behütete Weltbild unserer linken Weltverbesserer passten.

Was genau wird dem Professor vorgeworfen? Augenscheinlich stören sich die Studenten vor allem an Aussagen, wie „Polen: ‚Ein weißes Europa brüderlicher Nationen.‘ Für mich ist das eine wunderbares Ziel.“ An dieser Aussage stellen gleich mehrere Punkte eine Häresie gegenüber der „guten“ Meinung dar. Zunächst einmal ist hier die Rede von einem „weißen Europa“. Für so etwas zu sein, verbietet schon der antiimperialistische Anstand dieser jungen Weltverbesserer. Und Nationen sind sowieso sowas von 20. Jahrhundert!

Eine weitere Aussage des Professors: „Ehegattensplitting für eingetragene Lebenspartner. Förderung einer die Familie pervertierten Lebensform auf Kosten anderer Steuerzahler.“ Kurz: Hier spricht fundamentalste Homophobie aus jedem Buchstaben. Die armen schwulen und lesbischen Pärchen, die damit diskriminiert werden. Wenn sie sich doch lieben!

Multikulti ist schädlich

Es sei einmal ganz naiv die Frage in die Runde geworfen, warum genau man nicht für ein weißes Europa sein darf. Was spricht denn dagegen, wenn man diesen ganz und gar unverständlichen linken Hass auf alles Europäische, Westliche, dezidiert Weiße beiseite lässt? Denn „weiß“ steht hier laut Herrn Rauscher nicht nur für die Hautfarbe, sondern auch für die abendländisch-christliche Tradition, in der dieser Kontinent steht und die ihn nun mal groß und erfolgreich gemacht hat.

In der Studentenzeitung „Student! Leipzig!“ äußerte sich Professor Ruscher bereits im April 2016 wie folgt: „Ich halte multikulturelle Zielsetzung für schädlich.“ Stattdessen vertritt er einen Ethnopluralismus, also eine Anerkennung der Tatsache, es gebe verschiedene, prinzipiell gleichwertige Völker und Kulturen, die nebeneinander existieren. Dagegen die Wissenschafts-Staatsministerin Eva-Marie Stange von der SPD: „Sachsens Hochschulen sind weltoffen und international. Die ausländerfeindliche Meinung von Rauscher kritisiere ich scharf.“

Man ist ein Ausländerfeind, wenn man dem Eigenen den Vorzug gibt? Nach dieser Logik ist man offensichtlich als weißer Europäer dazu verpflichtet, das Fremde zu bejubeln, das Eigene jedoch zu verleugnen.

Homosexuelle dürfen sich ja lieb haben, Kinder können sie trotzdem nicht bekommen

Auch hat Rauscher mit seiner Einschätzung über die Ehe und Lebenspartnerschaften nicht nur recht, sondern stellt sich mit dieser auf die Seite des Grundgesetzes. Nur die Verbindung zwischen Mann und Frau – klassischerweise in einer Ehe – kann für Nachwuchs sorgen und das Volk und damit den Staat vor seinem Aussterben bewahren. Und auch wenn sich zwei Homosexuelle noch so lieb haben; Kinder sind dennoch nicht drin! Daher ist es nur logisch, wenn der Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau der Vorzug gegeben wird.

Denn Familie ist – und da kann sich die SPD noch so auf den Kopf stellen und mit den Füßen wackeln – nicht nur ein Ort, wo sich Menschen lieben und Verantwortung übernehmen können, sondern auch dort, wo die Potenz für Nachwuchs besteht. Ach nein, stimmt ja, das ist alles rechts, also rechtsradikal, also faschistisch, also a priori böse, also verdammenswert! Das bedarf keiner Begründung und muss unbedingt und notwendigerweise verinnerlicht werden.

Der vorläufige Höhepunkt dieser Agitation gegen den Herrn Professor war eine Störaktion seiner Übung an der Universität. Rund 70 Studenten besetzten förmlich den Hörsaal und ließen es zunächst nicht zu, dass Rauscher mit seinem Unterricht beginnen konnte. Ziel: die unbedarften Studenten auf die vermeintlichen Schandtaten des Dozenten hinzuweisen und diese damit vor dessen charakterschädigendem Einfluss zu schützen.

Eine studentische Zensurbehörde

Von der Störaktion der Studenten existiert ein Handyvideo, das der Sozialistisch-Demokratische Studierendenverband Leipzig (SDS) über die sozialen Netzwerke verbreitet. Darin sind zwei Studenten zu sehen, die vorne im Vorlesungssaal am Pult stehen und eine Art Pamphlet gegen Professor Rauscher vortragen und gleichzeitig seine angeblich rassistischen Tweets per Beamer auf die Leinwand projizieren. Im Vorlesungssaal sind neben den normalen Jurastudenten, die die Übung des Professors besuchen, weitere „Aktivisten“ dieser selbsternannten studentischen Zensurbehörde anwesend. Als Rauscher die Störer höflich auffordert, den Saal zu verlassen, wird dieser nur ausgelacht und ignoriert. Dabei wird darauf verwiesen, er habe schon genug über Twitter gesagt.

Nun habe man das Recht einer Erwiderung. Das mag schon sein, aber in einer Vorlesung, die damit nicht das geringste zu tun hat? Wohl kaum. Auch spricht es nicht gerade für eine gute Kinderstube, wenn man einen Vorgesetzten so unflätig und ungebührlich behandelt. Was nehmen sich diese Würstchen eigentlich für ein Recht heraus? Und das auch noch unter der Fahne der Zivilcourage. Eine Farce!

Aber was will man schon von Leuten erwarten, die in ihrem Leben vermutlich noch keine Stunde arbeiten mussten, sich auf Papis Geldbeutel ausruhen, eine Vorlesung nach der anderen schieben und in ihrer massenhaft vorhandenen Freizeit den Gutwetter-Aktivisten spielen! Und was ist überhaupt sozialistisch-demokratisch? Ist man dann für demokratische Wahlen? Und wenn die bürgerlichen Parteien dem Pöbel zu stark sind? Wie der Realsozialismus bereits erkannte, kann man den Dummen nicht klüger machen. Daher muss der Kluge eliminiert werden.

Warum sich Rauscher angeblich nicht auf Meinungsfreiheit berufen darf

Am Schluss ihrer lächerlichen Kundgebung riefen sie alle Studenten dazu auf, die Veranstaltungen des Herrn Rauscher zu boykottieren, sie nicht mehr zu besuchen. Der Grund wurde gleich mitgeliefert. Professor Rauscher könne sich nicht auf Meinungsfreiheit berufen, da er so viele Follower auf Twitter habe, dass er als öffentliche Person gelte und sich daher entsprechend verhalten müsse.

Bitte was? Man ist also dazu verpflichtet, wenn man in diesem Land einen gewissen Grad an Bekanntheit hat, entsprechende Meinungen zu vertreten? Und wenn man das nicht tut, dann? Schande über jeden, der es wagen sollte! Herr Rauscher hat inzwischen seinen Twitter-Account gelöscht. Unter diesen Bedingungen wohl reiner Selbstschutz.


4 Kommentare zu “Meinungszensur an der Uni Leipzig

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