Anstoß

Monarchie! Aber welche?

Sie schmücken die Titelseiten dutzender Illustrierter Wochenblättchen. Sie lächeln und winken in den Nachrichten von RTL und Co. den Zuschauern fröhlich entgegen. Ihre Hochzeiten werden zu den besten Sendezeiten in den öffentlich rechtlichen Sendern übertragen. Die Rede ist von den derzeit „amtierenden“ Königshäusern Europas.

Gebannt verfolgt das Klatsch- und Tratsch süchtige Publikum zwischen der einen oder anderen Seifenoper und der neusten „Dokusoap“ die neuesten Nachrichten über die Entwicklung des Nachwuchses des britischen Königshauses oder die Urlaubsbilder von Kronprinzessin Viktoria aus Schweden.

Die Könige dienen dem geistesträgen Publikum als Lückenfüller im immer schriller und bunter werdenden Alltagsleben. Kurz lebt der Traum aus der Kindheit wieder auf, einmal im Leben eine Märchenprinzessin zu sein, bevor es dann weitergeht mit den neuesten Meldungen aus Hollywood.

Ein schönes Märchen

Diese, vielleicht etwas zynische Schilderung, steht wohl exemplarisch dafür, wie die Monarchie heute bei der durchschnittlichen Bevölkerung wahrgenommen wird. Ein schönes Märchen, vielleicht gar eine besser geartete Repräsentanz des Landes als die nüchterne Figur des Bundespräsidenten, mehr aber auch nicht. Gerade der letzte Punkt, die Ansicht, ein Königspaar könne gut repräsentieren, verlockt viele Monarchisten für eine „parlamentarische Monarchie nach britischen oder niederländischen Vorbild“ einzutreten, wodurch durch die Nennung etwa Großbritanniens gleich das „Sehnsuchtsgefühl“ der letzten „Traumhochzeit“ im Fernsehen angesprochen werden soll.

Mag diese Herangehensweise auch auf den ersten Blick klug und logisch erscheinen, so erweist sie sich bei näherem Hinsehen als großer Fehler. Zunächst kurz zum historischen Hintergrund. Zu Beginn des vorherigen Jahrhunderts gab es in Europa drei starke und unabhängige Monarchien. Deutschland, Österreich-Ungarn und Russland. Durch die durch den Zarismus garantierte unabhängige Staatsbank und durch die in Deutschland herrschenden „Checks and Balances“ der Reichsverfassung von 1871 auf der einen, sowie durch den enormen wirtschaftlichen Aufstieg des Deutschen Reiches unter Kaiser Wilhelm II. auf der anderen Seite, waren diese Staaten in der Lage, nach außen wie nach innen, souveräne Politik im Interesse des Volkes zu betreiben. Ein Ärgernis für jene Kräfte, für die schon 1813 exemplarisch Meyer-Amschel Rotschild sagte: „Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, und es ist mir gleichgültig, wer die Gesetze macht!“

Feindbild: Deutschland und Russland

Da insbesondere Deutschland und Russland durch die erwähnten Umstände eine solche Einflussnahme nicht zuließen, mussten diese Monarchien beseitigt werden. Die Russische Zarenfamilie fiel den von der Wallstreet finanzierten Bolschewisten zum Opfer, die Hohenzollern mussten auf Druck des amerikanischen Präsidenten Wilson abdanken, Österreich-Ungarn wurde von den Siegermächten in alle Einzelteile zerschlagen.

Man könnte auch salopp zusammenfassen: Die Adelshäuser, die ihren Auftrag ernst nahmen und sich getreu dem Motto Friedrichs des Großen als erste Diener ihres Staates betrachteten, wurden im Rahmen des ersten Weltkrieges gewaltsam beseitigt oder verdrängt. Alle anderen wurden entweder zu Komplizen oder zu stillschweigenden Vasallen jener Kräfte, über deren Motivation sich der New Yorker Kardinal Farley kurz vor Ausbruch des ersten Weltkriegs wie folgt äußerte:

„Der Krieg, der in Vorbereitung ist, wird ein Kampf zwischen dem internationalen Kapital und den regierenden Dynastien sein. Das Kapital wünscht niemanden über sich zu haben, kennt keinen Gott oder Herrn und möchte alle Staaten als großes Bankgeschäft regieren lassen. Ihr Gewinn soll zur alleinigen Richtschnur der Regierenden werden … Business … einzig und allein.“

Welche Bedeutung diese „stille Komplizenschaft“  mit den Kräften der Globalisierung hat, wird erst richtig deutlich, wenn man sich die Geschehnisse der heutigen Zeit, beispielsweise in Großbritannien, vor Augen führt. Ein Drittel aller Neugeborenen ist bereits heute nicht britischer Herkunft. Das stolze London, einst das Aushängeschild des britischen Empires, ist schon ohne britische Mehrheitsbevölkerung. Hinzu kommen Berichte über organisierte pakistanische Banden, die gezielt britische Mädchen vergewaltigen und prostituieren. Laut einem Artikel der Daily Mail vom 2. Mai 2013 wird es in ganz Großbritannien ab etwa 2066 keine britische Bevölkerungsmehrheit mehr geben.

Im Orkus der Globalisierung

Und was macht „die Queen“? Sie lächelt mild in die Kameras, hält im Sommer ihre traditionelle Geburtstagsparade ab und weiht hier und dort mal ein Denkmal ein. Nicht anders sieht es etwa in Schweden oder den Niederlanden aus. Während die den Königshäusern von Gott anvertrauten Völkern langsam aber sicher dem sogenannten großen Austausch zum Opfer fallen und im Orkus der Globalisierung versinken, schweigt der Adel.

Ob aus Überzeugung, Gedankenlosigkeit oder Opportunismus, sei hier einmal dahin gestellt. Letztendlich ist der Grund für dieses dröhnende Schweigen egal. Der Umstand, dass ein Monarch sich noch nicht einmal dann in die politische Debatte einmischt, wenn die Existenz seines Volkes auf dem Spiel steht, spricht Bände. In Großbritannien, Schweden etc. existiert die Monarchie zwar nach wie vor, etwas bewirken will sie dort jedoch nicht.

Der zersetzende Charakter, mit welchem Jahrhunderte alte, natürlich gewachsene Strukturen  zerstört werden, ist ein und derselbe. Eine parlamentarische Monarchie kann daher weder heute noch morgen ein Vorbild für monarchische Organisationen in Deutschland sein. In all diesen parlamentarischen Monarchien stellen die „amtierenden“ Königshäuser derzeit nicht die Lösung, sondern einen Teil des Problems dar. Würde man in Deutschland nun die Rolle des Bundespräsidenten durch die eines repräsentativen Monarchen ersetzen, würde sich rein gar nichts ändern. Der „amtierende“ König oder Kaiser wäre dann mit Sicherheit ebenfalls Teil des Systems, denn seine Rolle wäre es ja zu repräsentieren und nicht zu regieren.

Zudem ist es mehr als fraglich, ob eine Mehrheit der Bevölkerung sich für eine bloß kosmetische Veränderung des Staates begeistern ließe. Vielmehr muss sich deshalb mit der berechtigten Frage auseinandergesetzt werden, was sich in einem monarchischen Staat konkret ändern würde. Und als Antwort auf diese Frage reichen eben „Traumhochzeiten“ nicht aus.

Was sollte eine Monarchie ändern?

Wenn nun die derzeitige Ordnung der europäischen Monarchien kein Vorbild sein kann, woran sollte man sich dann orientieren? An diesem Punkt nun müssen wir aufpassen, nicht einen ähnlich gravierenden Fehler wie die Anhänger der parlamentarischen Monarchie zu machen. Natürlich wäre es einfacher, sich an der Vergangenheit zu orientieren und eine Restauration etwa der Reichsverfassung von 1871 oder eine Reorganisation des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zu fordern.

Doch ein Blick in die Geschichte lehrt uns, dass bisher jeder Versuch, eine untergegangene Ordnung wiederzubeleben, gescheitert ist. An der Binsenweisheit, dass Geschichte sich nicht wiederholen lasse, ist durchaus etwas dran. Versuche, vergangene Epochen zu kopieren, sind daher zum Scheitern verurteilt. Zumal es auf diese Weise dem politischen Gegner ein Leichtes wäre, von Rückwärtsgewandtheit zu sprechen. Natürlich bedeutet dies nicht, dass man sich nicht einzelne Elemente aus der Vergangenheit herauspicken bzw. an gewisse Vorgänge anknüpfen kann. Dies ist sogar erforderlich und notwendig, denn nur der Rückgriff auf die Vergangenheit kann zu einer nachhaltigen Entwicklung führen.

Wenn wir uns die Reichsgründung von 1871 ansehen, so stellen wir fest, dass dies keineswegs ein Akt der Reaktion sondern ein wahrhaft revolutionärer Vorgang gewesen ist. Hier sei insbesondere an das gleiche und geheime Wahlrecht und an die umfassenden Sozialreformen erinnert. Die Wiedereinführung der Monarchie in der heutigen Zeit muss daher ebenfalls auf der einen Seite einen gewaltigen Schritt nach vorn bedeuten, auf der anderen Seite jedoch auch ein Akt des Konservierens sein – etwa der Religion, der traditionellen Familien und des Nationalstaates.

Der Parteienstaat schafft undemokratische Strukturen

Die Geschichte lehrt ebenso, dass beispielsweise das zweite Reich viel eher den Vorstellungen einer Demokratie entsprach, als etwas das britische Empire oder die USA zur damaligen Zeit. Von dieser geschichtlichen Analyse aus kann man problemlos den Bogen in die heutige Zeit spannen. Immer größer wird die Erkenntnis, dass der Parteienstaat westlicher Prägung, vielmehr erst die intransparenten und undemokratischen Strukturen schafft, welche er zu bekämpfen vorgibt. So ist nach Rainer Mausfeld das Modell der westlichen, sprich der parlamentarisch repräsentativen Demokratie lediglich die Illusion einer Volksherrschaft.

Der Ruf nach der direkten Demokratie wird daher immer lauter. Dies ist eine Forderung, die sich auch Monarchisten zu eigen machen sollten. Monarchie und direkte Demokratie ergänzen sich nämlich perfekt. So könnte der Monarch in einer neuen Verfassung zwar als aktiver Regent, welcher Minister ernennt und Gesetze erlässt etabliert werden, sein Handeln wird jedoch mit dem Willen des Volkes, welches sich in Volksabstimmungen äußern kann, abgestimmt. Sprich, der Monarch würde als Garant für die Rechte und den Willen des Volkes fungieren. Das Parlament wäre dann keine Herrschaftsinstitution mehr, sondern nur noch ein Kontrollorgan, das selbst nur um Zustimmung bzw. Vermittlung gebeten würde, wenn die Regierungslinie des Monarchen und die Vorstellungen des Volkes nicht übereinstimmen.

Monarchie und Volksherrschaft

Auf diese Weise könnte wieder dafür gesorgt werden, dass ein fähiger Monarch, der nicht an Wahlkämpfe, Meinungsumfragen oder die Gunst der Medien gebunden ist, Politik auch für die Zukunft machen kann. Das Volk hingegen müsste nicht mehr zwischen dem Personal der Hintergrundmächte entscheiden, sondern könnte viel effizienter über Sachverhalte abstimmen. Das Parlament, fortan nur noch Kontrollorgan, würde seine Attraktivität für Lobbyisten fast mit einem Schlag verlieren.

Sollte sich eine monarchische Bewegung an solchen oder ähnlichen Leitsätzen orientieren, wer könnte dann noch sagen, der monarchische Gedanke sei reaktionär und antidemokratisch. Im Gegenteil, solch ein monarchischer Staat käme dem Ideal einer Volksherrschaft viel näher als irgendein parlamentarischer Staat.

(Bild: Neuschwanstein, Pixabay)


2 Kommentare zu “Monarchie! Aber welche?

  1. Florian Altklug

    Mit einem Monarchen wird’s auch nicht besser!

    Jede Gesellschaft steht über kurz oder lang vor der Frage wie Herrscher, die für die Beherrschten nachteilige Entscheidungen treffen, möglichst gewaltfrei abgelöst werden können (das sieht man augenblicklich sehr gut in Venezuela). Wenn man prinzipiell davon ausgeht, dass sich selbst nach einem erreichten Idealzustand alles wieder verschlechtert, dann landet man zwangsläufig bei der Frage der Gewaltenteilung. Diese soll die Beherrschten vor dem Herrscher schützen. Wenn hier eine möglichst dauerhafte Lösung gefunden ist, spielt es keine Rolle, ob der Herrscher als Monarch oder als Souverän im Namen der Beherrschten die Macht ausübt.

  2. Eine Monarchie ist die beste Lösung für ein Volk. Demokratie funktioniert nicht wirklich.
    Voraussetzung für die Monarchie ist, dass sie nicht diktatorisch und egoistisch umgesetzt/gelebt wird, sondern das Volk gut und weise führt ohne es auszunutzen.

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