Gesichtet

Monarchisten in Deutschland

Das Prinzip der Monarchie bildete innerhalb der politischen Rechten seit dem Aufkommen der ersten parlamentarischen Systeme immer einen inhaltlichen Bezugsrahmen. Mit der Revolution von 1918 fanden sich diese Kräfte schlagartig in einer Fundamentalopposition zu den geistigen Folgen der Moderne wieder.

Noch bis Anfang der 1930er-Jahre stellten Monarchisten jedoch in Deutschland eine ernstzunehmende politische Größe dar. Mit der DNVP und dem Luisenbund existierten gleich zwei besonders mitgliederstarke Organisationen. Im Rahmen der nationalsozialistischen Gleichschaltungs- und Verbotswelle mussten die letzten monarchistischen Organisationen ihre Arbeit 1934 dann einstellen. Seit dem Zweiten Weltkrieg gelang es ihnen bis zum heutigen Tage nicht, sich schlagkräftig zu reorganisieren.

Die politische Rechte schien fortan ohne monarchische Prinzipien auszukommen. Waren die konservativen Kräfte ab Ende der 1940er-Jahre zunächst durch den Ost-West-Konflikt paralysiert, bestand die einzige Alternative zu ihnen lange Zeit scheinbar nur aus NS-affinen Grüppchen. Auch die ab Ende der 1980er-Jahre aufkommenden „rechtspopulistischen“ Bewegungen konnten die durch Wegfallen des monarchischen Prinzips entstandene weltanschauliche Leere jenseits eines Grundsatzkonservatismus nicht füllen.

Gibt es heute noch Monarchisten?

Umso interessanter erscheint vor diesem Hintergrund die Frage, ob es auch heute noch politisch aktive Monarchisten gibt. Um es gleich zu sagen: Wenn im Folgenden monarchistische Organisationen der Gegenwart behandelt werden, so geht es ausdrücklich nicht um die sogenannten Reichsbürger, sondern ausschließlich um Organisationen, die auf rechtsstaatlicher Grundlage handeln. Die „Reichsbürger“ sind den tatsächlichen Monarchisten durch ihr peinliches Gebaren nicht nur ein Dorn im Auge, sondern ihre Argumentationskette ist auch rein strategisch viel zu lang und kompliziert.

Im Grundgesetz finden wir den Artikel 146: „Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“

Jede politische Kraft, die den politischen Ordnungsrahmen Deutschlands verändern will, muss sich auf diesen Artikel des Grundgesetzes berufen. Wegen der gebotenen Kürze ist der Fokus nachfolgend auf solche Gruppierungen gerichtet, die heute noch bundesweit aktiv sind und auch abseits der sozialen Netzwerke Wirkung entfalten.

Tradition und Leben

Die älteste noch heute bestehende monarchistische Gruppierung ist der Verein Tradition und Leben. Diese gründete sich 1959 und ging aus dem 1918 gegründeten Bund der Aufrechten hervor. Der Verein erstrebt für Deutschland eine parlamentarische Monarchie nach dem Vorbild Großbritanniens oder der Niederlande. „Wir setzen der Demokratie die Krone auf“, lautet daher der offizielle Wahlspruch. Kaiser oder König soll ein Repräsentant des ehemaligen Kaiserhauses der Hohenzollern werden. Gemäß deren Familienrecht wäre dies aktuell Prinz Georg Friedrich von Preußen.

Entsprechend den Gepflogenheiten einer parlamentarischen Monarchie, wonach sich der Monarch nicht in die Tagespolitik einmischt, bezieht auch Tradition und Leben zu aktuellen politischen Fragen so gut wie keine Stellung. In der vierteljährlich erscheinenden Vereinszeitschrift Erbe und Auftrag werden zumeist aktuelle Meldungen aus den deutschen Adelshäusern oder geschichtliche Abhandlungen veröffentlicht. Gleiches gilt für die vereinseigene Facebook-Seite und den Twitter-Account.

Der langjährige Vorsitzende Knut Wissenbach war schon mehrfach in kurzen Filmbeiträgen im ZDF und bei ProSieben zu sehen. Durch sein bewusst zeitgeistkonformes Auftreten eckt der Verein öffentlich nicht an. Doch diesen konzilianten Kurs wollten Mitte der 1990er-Jahre nicht mehr alle mitgehen, sodass 1996 einige Mitglieder dem Verein Tradition und Leben den Rücken kehrten und einen eigenen Verein gründeten.

Die deutschen Monarchiefreunde

Langjähriger Präses davon war der 2012 verstorbene Enkel des letzten sächsischen Königs, Prinz Albert von Sachsen. Anders als Tradition und Leben legen sich die Monarchiefreunde nicht auf eine bestimmte Spielart der Monarchie fest, sondern bezeichnen sich als „eine politische Plattform aller monarchisch gesinnten Bürger und Bürgerinnen in Deutschland“. In ihren Kernzielen fordern sie unter anderem „die Erhaltung des deutschen Volkes, Begrenzung und Steuerung der Zuwanderung, eine wahrheitsgemäße Darstellung der deutschen Geschichte und die Bewahrung der christlichen Kultur in Deutschland und Europa“.

Dieser Kurs zieht sich auch durch die vierteljährlich erscheinende Vereinszeitschrift Der Monarchiefreund, in der sich Beiträge zu tagesaktuellen und geschichtlichen Themen ergänzen. Der bekannteste Publizist ebenjener Zeitschrift dürfte der AfD-Bundestagsabgeordnete Harald Weyel sein, der im letzten Jahr einen Gastbeitrag zum Thema „Die Hohenzollern und Deutschland“ veröffentlichte. Inhaltlich ähnlich positioniert sich der Verein bei Facebook. Ebenso wie Tradition und Leben veranstalten die Monarchiefreunde regelmäßig Mitgliederversammlungen und nehmen am kulturellen Geschehen mit historischem Bezug teil. Insbesondere der bayerische Landesverband bietet durch monatliche Gesprächsabende ein vielschichtiges Programm.

Auch wenn weder der Verein Tradition und Leben noch die Monarchiefreunde in nächster Zeit den Status einer Massenbewegung erlangen werden, so zeigt doch allein der Umstand, dass es über 100 Jahre nach dem Zusammenbruch der Monarchie noch monarchistische Vereine gibt, deren hohen Grad an Idealismus. Vor diesem Hintergrund ist eine Renaissance des Monarchismus auf Seiten der politischen Rechten nicht so unwahrscheinlich, wie es im ersten Moment scheinen mag. Die Grundstrukturen sind jedenfalls gegeben.


1 Kommentar zu “Monarchisten in Deutschland

  1. Klaus-P. Kurz

    @ Tobias Schaar:

    “Vor diesem Hintergrund ist eine Renaissance des Monarchismus auf Seiten der politischen Rechten nicht so unwahrscheinlich, wie es im ersten Moment scheinen mag. Die Grundstrukturen sind jedenfalls gegeben.”
    Man sollte in der Tat die Hoffnung nicht aufgeben, doch ich habe den Verdacht, Ihnen sei bei dieser Schlußfolgerung vor allem der Wunsch Vater des Gedanken gewesen. Schon der Hinweis auf eine fehlende, tatsächlich gültige Verfassung unseres Staates offenbart, so richtig er auch sein mag, eine völlige Verkennung der Situation: Das sogenannte “Grundgesetz” werden wir nie durch etwas Vergleichbares ersetzt sehen, das von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist.“ Tatsächlich sollten wir eine solche “freie Entscheidung” fürchten wie der Teufel das Weihwasser, denn wie sähe heutzutage eine solche wohl aus? Wäre sie wirklich “frei” und vom und für das Deutsche Volk beschlossen, oder welch andere, neue und fremde Interessen stünden dann wohl dahinter? Nein, lieber nicht!
    Weiterhin erscheint es mir wenig förderlich zu sein, sich einen Abklatsch britischer Monarchie zu wünschen, die doch wirklich nur wenig mehr als eine vergleichsweise lächerliche Touristenattraktion darstellt. Und billiger kommt ein Grüßaugust, wie wir ihn haben, allemal.
    Nein, wenn Monarchie, dann eine mit Biß!

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