Gesichtet

Moralische Zerfallserscheinungen

„Zusammen mit der Moral eines Volkes geht auch sein Schaffensdrang verloren.“ Dieser Auffassung war einst Thomas Jefferson. Wenn wir heute konstatieren, dass aus unserem Volke schon seit geraumer Zeit kein großer Schriftsteller oder Komponist mehr hervorgegangen ist, so müssen wir zu der Feststellung kommen, dass große Geister wie dereinst ein Schiller oder ein Richard Wagner immer ein von einer gewissen Moral und Wertevorstellungen geprägtes Umfeld benötigten.

Wie es um das allgemeine gesellschaftliche Klima in unseren Tagen bestellt ist, lässt sich dagegen jeden Freitag in vielen Innenstädten beobachten. Die allgemeine Masse, die sich nach Zielen und Idealen sehnt, läuft in den Reihen der sogenannten Klimarettungsbewegung einem Phantom hinterher. Doch wäre dies die einzige Verfehlung unserer Tage, wir könnten uns ruhig zurücklehnen. Wir könnten nun zum hundertsten Male über die 68-er und ihre „sexuelle Revolution“ sprechen, aber selbst dieser Irrweg lässt sich noch übertrumpfen.

Embryonen aus dem Labor

Derzeit von der Öffentlichkeit so gut wie unbemerkt, bahnt sich eine Änderung im Deutschen Embryonenschutzgesetz von größter Tragweite an. Kürzlich hat die Nationale Akademie der Wissenschaften eine Stellungnahme mit dem Titel: „Fortpflanzungsmedizin in Deutschland – für eine zeitgemäße Gesetzgebung“ veröffentlicht. Würde man alle darin enthaltenen Forderungen erfüllen, der Embryonenschutz wäre in Deutschland wohl nur noch Makulatur.

So wird unter anderem gefordert, das eSET-Verfahren in Deutschland zu legalisieren. Bei diesem Vorgang wählt der Reproduktionsmediziner aus einer Vielzahl an künstlich erzeugten Embryonen den „besten“ aus und verpflanzt diesen in den Mutterleib. Allerdings müssen wir festhalten, dass eine abgeschwächte Variante dieses Verfahrens auch heute schon in Deutschland angewandt wird.

Gemäß der aktuellen Gesetzeslage ist es erlaubt, drei Embryonen künstlich im Labor zu erzeugen. Zwei davon werden in den Mutterleib eingepflanzt, wobei sich der „bessere“ von beiden durchsetzen soll. Kommt es dabei zu einer ungewollten Mehrlingsschwangerschaft, wird eines der Embryonen vernichtet. Ist also das Embryonenschutzgesetz bereits zum aktuellen Zeitpunkt mehr als löchrig, soll es künftig noch  mehr Tabus brechen.

Einfrieren oder Erforschen?

Die katholische Tagespost spricht bei einer Legalisierung des eSET-Verfahrens von jährlich 550.000 Embryonen, die in der Reproduktionsmedizin „übrig bleiben.“ Diese würden dann eingefroren (Um dann später was mit ihnen zu tun?) oder der Forschung übergeben. In einigen Ländern kann die Freigabe zu Forschungszwecken sogar die Behandlungskosten senken. Menschenversuche sind also heute schon Realität.

Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein um sich auszudenken, was für Versuche wohl schon in manchen hermetisch abgeriegelten Arsenalen durchgeführt wurden. Sollten sich die Autoren der erwähnten Stellungnahme durchsetzen, würde somit in Deutschland Tür und Tor für Menschenversuche geöffnet.

„Zeitgemäße Fortpflanzungsmedizin“

Natürlich wird auch für eine „diskriminierungsfreie“ Art und Weise der Reproduktionsmedizin geworben. Sprich, künftig sollen sogenannte Regenbogenfamilien sämtlicher Zusammenstellungen in den Genuss eines Wunschkindes aus dem Labor kommen. Das christlich-traditionelle Familienbild ist für die Autoren der Stellungnahme „kulturgeschichtlich eher eine Ausnahme“.

Den Autoren ist für diesen einen Satz ein großer Dank auszusprechen. Offenbaren sie dadurch doch, dass es ihnen nicht nur um Wissenschaft geht, sondern sie sich als Teil eines Kulturkampfes verstehen. Da die meisten Menschen nicht einmal gemerkt haben dürften, dass wir uns bezüglich der Bereiche Reproduktionsmedizin, Gentechnik, Massenabtreibung usw. in einem der wohl größten Kulturkämpfe der Menschheitsgeschichte befinden, ist davon auszugehen, dass es weiterhin ohne große Gegenwehr bewusst kalkulierte Tabubrüche auf all diesen Gebieten geben wird.

Alles hängt zusammen

Vielfach wird der Fehler begangen, sich nur mit einzelnen Thematiken zu befassen ohne dabei das große Ganze im Blick zu behalten. Dabei hätten einzelne Versuche, wie etwa jetzt das eSET-Verfahren zu legalisieren, kaum eine Chance, wenn sie sich nicht in einem breiten allgemeinen Rahmen von immer weitergehenden Tabubrüchen bewegen würden. Auch scheinbar harmlose Vorgänge können auf dem Weg zum perfekten, allein wirtschaftlichen Interessen unterliegenden Menschen große Hürden nehmen.

Man denke hierbei etwa an die vielleicht bald im Grundgesetz stehenden Kinderrechte. Hierdurch könnte der Staat irgendwann sein Hoheitsrecht über die Erziehung eines jeden Kindes bestimmen. Oder an die Impfpflicht für Kindergartenkinder. Was folgt als nächstes? Pflicht zur Organspende? Pflicht zum Freitod, wenn der einzelne Mensch nicht mehr arbeitsfähig ist?

Oder daran, dass gemäß einer Empfehlung des Familienministeriums Eltern künftig nur noch zu Nummern degradiert werden sollen. Es wäre dann die Rede von Elternteil 1 und 2 statt Vater und Mutter. In Frankreich sind diese Bezeichnungen in offiziellen Dokumenten bereits verpflichtend.

Wertvorstellungen stärken

Es ist daher bereits heute mehr als absehbar, dass in den kommenden Jahren am Fundament des abendländisch-christlichen Menschenbildes gerüttelt werden dürfte. Ja, am Fundament des Menschseins an sich. Darauf müssen wir uns einstellen und bereit zur Verteidigung all dessen sein.

Und an diejenigen, die das Zeitalter der Menschenrechte und der Humanität loben und die Welt durch eine rosarote Brille betrachten, sei folgendes Zitat von Albert Schweitzer gerichtet: „Humanität besteht darin, dass niemals ein Mensch einem Zweck geopfert wird.“

Können wir uns wirklich noch der Humanität oder irgendeiner Moral rühmen, wenn allein in den ersten Monaten diesen Jahres 27.000 Kinder im Mutterleib dem „Selbstbestimmungsrecht der Frau“ geopfert wurden? Wohl kaum. Die Krise, in der sich unser gesamter Kulturraum befindet, ist wesentlich größer und umfassender, als dies viele Menschen ahnen.

(Bild: Pixabay)


2 Kommentare zu “Moralische Zerfallserscheinungen

  1. Zitat:
    »Und an diejenigen, die das Zeitalter der Menschenrechte und der Humanität loben und die Welt durch eine rosarote Brille betrachten, sei folgendes Zitat von Albert Schweitzer gerichtet: „Humanität besteht darin, dass niemals ein Mensch einem Zweck geopfert wird.“
    Können wir uns wirklich noch der Humanität oder irgendeiner Moral rühmen, wenn allein in den ersten Monaten diesen Jahres 27.000 Kinder im Mutterleib dem „Selbstbestimmungsrecht der Frau“ geopfert wurden? Wohl kaum.«
    RICHTIG! Genau so ist es leider.

  2. Moral, Kunst und Zukunft

    „,Zusammen mit der Moral eines Volkes geht auch sein Schaffensdrang verloren.´ Dieser Auffassung war einst Thomas Jefferson.“ (Tobias Schaar „Moralische Zerfallserscheinungen“ 20. Juni 2019)

    Unter Girolamo M. F. M. Savonarola (1452-1498) verbrannten die Bürger von Florenz 1497 und 1498 in den „Fegefeuern der Eitelkeiten“ ihre Kunstwerke. Der berühmte Niccolò Machiavelli (1469-1527) war Zeitzeuge dieses Tugendterrors der Renaissance. Das Ende des hypermoralischen Bußpredigers markierte dann den Beginn der politischen Karriere des Verfassers vom amoralischen Buch „Der Fürst“.

    „Wenn wir heute konstatieren, dass aus unserem Volke schon seit geraumer Zeit kein großer Schriftsteller oder Komponist mehr hervorgegangen ist, so müssen wir zu der Feststellung kommen, dass große Geister wie dereinst ein Schiller oder ein Richard Wagner immer ein von einer gewissen Moral und Wertevorstellungen geprägtes Umfeld benötigten.“

    Paradoxon II – Edelmetall vermehrt sich nicht, im Gegenteil zum Papiergeld – das bekannte Geheimnis des Mephistopheles.

    „Und an diejenigen, die das Zeitalter der Menschenrechte und der Humanität loben und die Welt durch eine rosarote Brille betrachten…“

    Paradoxon III – Wir sehen hier vor allem auch das Problem der weltweiten Überbevölkerung mit ihren offenkundigen, die Zukunft der Menschen bedrohende Folgen. Damit wären wir – oh, welch´ Überraschung! – bei der aktuellen Umweltschutz-Diskussion.

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