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Nazi-Skandale auf dem Bauernhof und im Theater

Es ist schon seltsam: Die einen wollen den Nazi-Skandal, damit man sie überhaupt wahrnimmt und damit sie beweisen können, wie mutig und subversiv sie sind. Und die anderen bekommen den Nazi-Skandal, obwohl sie nichts verbrochen haben. So aktuell wieder geschehen im Komödiantenstadl dieser Bundesrepublik.

BILD berichtet heute von einem »Nazi-Skandal bei ›Bauer sucht Frau‹«. Was ist geschehen? Hat ein Pferd versehentlich den Hitler-Gruß gezeigt? Hat sich Moderatorin Inka Bause für einen neuerlichen Rußlandfeldzug eingesetzt, weil sie neue Bauern aus dem Osten braucht, die sie verkuppeln kann? Oder hat etwa ein Bauer seiner Angebeteten keine Rose, sondern Hitlers »Mein Kampf« überreicht?

Nichts von alledem! Ziegenbauer Fritz H. (28) hat einen Schäferhund. Schon das ist verdächtig. Aber nun kam auch noch das raus: Der junge Single war bis 2005 in der NPD und »hatte Kontakte zur rechten Gruppierung ›Nationales Bündnis Schlesien‹.«

Bis Anfang 2012 gehörte Fritz auch der ausländerfeindlichen DSU („Deutsche Soziale Union“) an. Doch das alles bekam RTL erst heraus, als der herzerweichende Liebesaufruf von Fritz schon gesendet war …

RAUSSCHMISS!

Das muß man jetzt nicht verstehen. Warum hat RTL den Fritz nicht einfach zum Nazi-Aussteiger gemacht, der durch die Macht der Liebe dem braunen Gedankengut abschwört? Nebenbei hätte sich sicherlich noch Product Placement für EXIT angeboten. Ein paar Zusatzeinnahmen wären sicher gewesen und am Ende hätte der Fritz für seinen Mut vielleicht sogar einen Zivilcourage-Preis erhalten. Besonders helle scheint er jedenfalls nicht zu sein:

„Ja, es stimmt. Als ich 16 war, habe ich mich der NPD angeschlossen. Ich hatte Hauptschulabschluss, war frustriert und suchte nach Anerkennung. Die erhielt ich dort. Ich nahm an Demonstrationen teil, war Ordner. Außerdem war ich im Sicherheitsdienst der NPD tätig“, gesteht Fritz.

Heute sagt er: „Das ist meine Vergangenheit, heute denke ich nicht mehr so, halte die Ziele der NPD für nicht vertretbar.“

Bei so viel braunem Gedankengut mitten in der Gesellschaft ist es schön und gut, daß es noch das kritische Theater gibt, das Aufklärung über den Nationalsozialismus betreibt. Im Ernst-Deutsch-Theater Hamburg läuft seit gestern »Mein Kampf«. BILD titelt:

Theater setzt Hitler auf den Topf

Was für eine originelle Idee! Wir erfahren, daß Hitler »etwas Großes« machen will und dann »pupst«. Der Zweite Weltkrieg, alles nur Dünnschiss? Das muß große Kunst sein!

Schließlich hat die weiße Unterhose nach dem Topfgang einen braunen Fleck und am Oberschenkel klebt was … Jämmerlicher Diktator.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

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