Rezension

Noch Normal? Das lässt sich gendern! – Ein Buch wider den Zeitgeist

In ihrem 2020 erschienenen Buch „Noch normal? Das lässt sich gendern!“ rechnet die Erfolgsautorin Birgit Kelle mit der Gender-Ideologie ab. Voller dunklem Sarkasmus und Wortspitzen ein echter Lesegenuss.

Unbestreitbar ist das Thema „Gender“ en vogue dieser Tage. Es handelt sich dabei um eine richtige Revolution. Denn, ohne dass auch nur ein einziges Mal darüber in den deutschen Parlamenten diskutiert und abgestimmt wurde, werden im Namen der Gendergerechtigkeit von international vernetzten NGOs, Netzwerken und Stiftungen weitreichende Veränderungen in der Gesellschaft durchgedrückt, angefangen von der Verstümmelung der Sprache, bis hin zur Einführung von Unisextoiletten und der Abschaffung von Ehe und Familie.

Dabei beschreibt Kelle auch deutlich die Verlierer dieser Revolution. Und das sind neben dem üblichen Feindbild des „alten, weißen Mannes“ vor allem die Frauen selbst. Was einmal als feministischer Kampf um Gleichberechtigung anfing, hat sich nun in sein Gegenteil umgekehrt.

Verlust der Weiblichkeit

„Geraubt wird der Frau … kein Status, kein Job und kein Geld, sondern viel schlimmer: ihr ureigene Substanz, der Anspruch auf Weiblichkeit selbst.“ Nicht nur, weil eine Frau, die heute einfach nur Frau sein will, als Feindin der hehren Sache des neuen Feminismus dargestellt wird, sondern die Weiblichkeit der Frau allein durch die Behauptung, jeder könne eine Frau sein, ad absurdum geführt wird. Welche Auswirkungen das konkret hat, erkennt, wer nur einmal in den Sport schaut. Dort räumen derzeit sogenannte „Trans-Frauen“ Preis um Preis ab!

Die Theorie, die hinter dem Begriff „Gender-Mainstreaming“ steht, behauptet ja nichts Anderes als die Zusammenhangslosigkeit von biologischem Geschlecht und „gefühltem“ Geschlecht. Wenn also ein biologischer Mann meint, er sei eine Frau, dann ist er das eben. Wie Kelle aber überzeugend zeigt, wird damit nur die Büchse der Pandora entkorkt. Denn warum sollte es nicht genauso möglich sein, sich als weißer Mann schwarz zu fühlen. Oder wenn man schon dabei ist, warum nicht gleich als Katze?

Freilich kennt der Kampf um Gleichheit auch Grenzen. Denn auch wenn der Kampf gegen das weiße Patriarchat lobenswert ist, gilt das noch lange nicht für einen Kampf gegen das islamische. Vielmehr wird letzteres von westlichen Feminist*/_:innen konsequent ausgeblendet und geleugnet.

Gender-Rassismus

Treffsicher deckt „Die Wutmutter eines neuen Feminismus“ (Cicero) dabei die himmelschreiende Inkonsequenz der ganzen Gender-Bewegung auf. Zwar darf jeder Frau sein, die Frau sein möchte. Das gilt aber nicht für das Attribut „schwarz“, da die sogenannten People of Color eine eigene Opfergruppe darstellen, zu der man natürlicherweise gehören muss, um ein Anrecht auf Zugehörigkeit zu haben. Mit anderen Worten: Mir steht es frei eine Frau zu sein. Aber wenn ich mich morgen entscheide, schwarz zu sein, dann ist das rassistisch, weil ich doch gar nicht wissen könne, was es bedeute, schwarz zu sein.

Nun könnte man sagen, das alles sei nur sinnbefreites, aber letztlich ungefährliches, weil offensichtlich unsinniges Geplänkel, wenn jene Gender-Ideologen nicht versuchen würden ihre Ideologie in die Gesellschaft zu tragen und dort zu verankern. „Wenn Gender sich an der Realität abarbeitet, wird es schnell bitterernst. Denn Gender ist zwar lächerlich, aber nicht witzig.“ Schon Lenin wusste, will man die Gesellschaft ändern, muss man bei der Jugend ansetzen. Gleichzeitig wurde es aber mit dem Verbot von sogenannten „Konversionsbehandlungen“ Psychiatern unmöglich gemacht, Jugendlichen in der labilen Phase der Pubertät durch ihre Identitätsunsicherheiten zu helfen. Denn das stellt neuerdings einen Strafbestand dar.

Dazu kommt, dass die Forderung, jeder dürfe Frau sein, auf dem Rücken von Kindern ausgetragen wird. Denn wenn jeder Frau sein darf, warum dann nicht auch Mutter? Die Folge sind Kinder mit vielen Eltern aber ohne Familie. „Das Kind wird vom Menschen zum Projekt gemacht, geformt nach den Interessen von Erwachsenen.“ Dazu kommt, dass es in Schulen Kindern nunmehr als „normal“ verkauft wird, sein Geschlecht nach Lust und Laune zu verändern. Die Folge sind nicht nur massiv ansteigende Zahlen von Jugendlichen, die sich mit dem Gedanken einer Geschlechtsumwandlung herumtragen, sondern auch der massive Anstieg von psychischen Krankheiten und Störungen in der Gruppe dieser Jugendlichen. Gender macht krank, wortwörtlich!

Lust am Totalitären

Warum sich dieser Unsinn so durchsetzen konnte, wird ebenfalls beantwortet. Es liegt im Wesentlichen an jenen weichgespülten und „hypersensible(n) Wohlstandskinder(n), die noch aus der warmen Stube des ‚Hotel Mama? heraus die Generation ihrer Eltern als Kapitalisten, Rassisten, Patriarchen und Klimasünder beschimpfen dürfen, ohne dafür wenigstens das Taschengeld gekürzt zu bekommen. Freiheit, Wohlstand, Frieden und Sicherheit, aber auch universale Menschenrechte kennen die Kinder des neuen Millenniums in der Regel nur als garantierte Selbstverständlichkeit, aber nicht mehr aus der Perspektive der Entbehrung oder des Verlustes.“ Kein Wunder also, dass man hier sehr schnell die Lust am Totalitären entdeckt. An dem Gedanken, Worte und Taten zu verbieten, welche nicht dem eigenen Weltbild entsprechen. Schließlich ist man im Auftrag des unumstößlich Guten unterwegs – zumindest in der Eigenwahrnehmung.

Man kämpft für bunte Toleranz und Ungerechtigkeit. Was macht es da schon, wenn ganze Menschengruppen auf der Strecke bleiben, wie weiße Männer und Frauen, die Frauen sein wollen. Einziger Lichtblick: sobald weiße Männer und weibliche Frauen nicht mehr in der Mehrheit sind, bricht das Wohlstandsgefüge ohnehin in sich zusammen, weil niemand mehr da ist, der es am Leben erhält. Die Realität wird also früher oder später auch im vernagelten Kopf eines jeden veganen, non-binären und bunt-grünen Wohlstandsjüngling*/_:innen Einzug halten.

Und obwohl die Autorin an einigen Stellen die Felder der Identitätspolitik allzu grobmaschig behandelt und die „Errungenschaften“ der Aufklärung oft unhinterfragt und undifferenziert für richtig und gut hält, ist dieses Buch als Streitschrift wider die in Gesellschaft, Politik und Medien kursierende Gender-Ideologie aufs wärmste zu empfehlen.


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