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NPD Sachsen-Anhalt: Stärkung des »gegenwartsorientierten Parteiflügels« ein »Ding der Unmöglichkeit«

Der Fall »Junker Jörg«/Matthias Heyder erscheint zunächst als eine gut inszenierte Empörungswelle der etablierten Politik und Medien, um den Landtagseinzug der NPD in Sachsen-Anhalt in letzter Minute (am Sonntag sind dort Wahlen) zu verhindern. Doch es gibt einen Schönheitsfehler bei dieser – für rechte Kreise – einfachen Erklärung: Ein führender Redakteur des bisher der NPD wohlwollend gegenüberstehenden Weblogs »Deutschlandecho« erklärte gestern seinen Abgang:

Ein Ziel dieses im heterogenen rechten Milieu verankerten Portals war es immer, die NPD durch wohlwollende publizistische Begleitung des gegenwartsorientierten Parteiflügels nach und nach in Richtung einer erfolgreichen Rechtspartei europäischen Typs zu verändern. Das erscheint mir aber zunehmend ein Ding der Unmöglichkeit, denn ob nun vergangenheitsorientierter Axt-Schwinger oder gegenwartsorientierter Bombenbau-Tippgeber – mit beiden ist vielleicht die nun anstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt dank günstiger Prognosen und erst relativ kurz vor der Wahl bekannt werdenden unangenehmen Tatsachen (und es sind Tatsachen, allen Beteuerungen zum Trotz, das ist mir aus sicherer Quelle bekannt) gerade noch so zu gewinnen – ein glaubwürdiger innerparteilicher Wandel und in der Folge weitere Wahlen allerdings mit Sicherheit nicht.

Glaubt man dem »Organisator« von »Deutschlandecho« – was nicht selbstverständlich ist, da dieser genauso wie sein Portal mit Pseudonymen arbeitet; somit weiß zumindest ich nicht, wer dahinter steckt –, dann zeigt dies tatsächlich die Politikunfähigkeit des rechtsradikalen Lagers. Diese beschränkt sich nicht nur auf die Masse der Mitläufer (auf die Glatzen, die die Presse gern abfotographiert), sondern ebenso auf die Führungsmannschaft. Wer aktive Politik treibt, muß schmutzige Hände haben. Das ist bei Guttenberg so und das ist bei Heyder nicht anders.

Zugleich möchte ich aber nicht nur meinen erhobenen Zeigefinger auf die Politik richten, sondern auch etwas zu »Deutschlandecho« sagen: Ich halte es für absolut unseriös, kein ordnungsgemäßes Impressum anzugeben, ausschließlich mit Pseudonymen zu arbeiten und sich selbst zu einem Propagandaorgan einer Partei zu degradieren. Genau diese Unseriosität gibt es bei uns nicht: Wir stehen mit Klarnamen und Gesicht für das ein, was wir zu sagen haben, und orientieren uns an einer journalistischen Ethik, die Parteiferne als ein grundsätzliches Gebot betont.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

13 Kommentare zu “NPD Sachsen-Anhalt: Stärkung des »gegenwartsorientierten Parteiflügels« ein »Ding der Unmöglichkeit«

  1. Totenwolf

    Die Berichterstattung unter vollen Namen der »Blauen Narzisse« ist tatsächlich bemerkenswert. Allerdings muss angemerkt werden, dass dieses Netzmagazin sich auch nicht so eindeutig »rechtsextremistisch« positioniert und »heiße Eisen« anpackt, wie es bei »Deutschlandecho« oder anderen Seiten des allgemein nationalen Lagers der Fall ist. Diese Autoren dürften in der meinungspluralistischen Bundesrepublik nämlich mit Verlust des Arbeitsplatzes, der damit einhergehenden Zerstörung der eigenen Existenz und anderen Unannehmlichkeiten rechnen, wenn sie auf ihr Pseudonym verzichten. Und genau das müssen die BN-Autoren, die eben nicht offiziell im Visier des Verfassungsschutzes stehen, mit ihren Texten nicht fürchten. Noch nicht.

  2. Schwaben-Gau

    Also ich finde, bevor man nun in das selbe Horn wie die Systemmedien bläst, sollte man zum einen wenigstens mal wie Wahl abwarten und zum anderen die Ermittlungen!!

    Ich bin mir sicher, dass es entweder erfunden oder total aufgebauscht ist.

    Apfel hat in einer Pressemitteilung genannt, dass sein Name unrechtmäßig benutzt wurde und weder er noch Heyder dieses ominöse »Forum« kennen…

    Als Kontakt/Impressum wurde perfiderweise die Anschrift der »Schlesischen Jugend« in Görlitz angegeben, welche ja wohl kaum eine NPD-Organisation ist.

    Soweit ich recht informiert bin, wurde dieses »Forum« vom Provider inzwischen entfernt.

    Also nicht immer gleich den Entsetzten spielen, sondern erstmal abwarten.

    Was sagt ein altes Sprichwort: »Es wird nie so heiß gegessen, wie es gekocht wird« 😉

  3. Marco Reese

    »Und genau das müssen die BN-Autoren, die eben nicht offiziell im Visier des Verfassungsschutzes stehen, mit ihren Texten nicht fürchten. Noch nicht.«

    Da haben aber einige schon andere Erfahrungen gemacht – wenigstens im Ansatz. Auch ich. So einfach ist das nun doch nicht. (Und es war auch bei mir die BN und nicht etwas Anderes)

  4. Nils Wegner

    @ Totenwolf:

    Da hat Reese Recht. Der Unterschied liegt bei uns darin, daß die meisten von uns Studenten sind und von daher nicht so akut bedroht sind wie Arbeitnehmer (so das denn bei den Herren, die DE betreiben, der Fall ist).

    Diejenigen BN-Autoren, die noch zur Schule gehen, haben zumeist auch schon erheblichen Gegenwind für ihre Tätigkeit hier ertragen müssen.

    Wirklich einfach ist es heutzutage für niemanden, sich jenseits des »geistigen Flußbetts« zu bewegen.

  5. Wahr-Sager

    Wie in dem Blog zu lesen ist, soll »Organisator« mindestens einmal abgetreten sein, um dann doch wieder aufzutauchen. Desweiteren bleibt offen, was er mit »sicherer Quelle« meint, die er in seiner Abschiedserklärung angibt.
    Und es sollte einem auch merkwürdig vorkommen, dass ausgerechnet so kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 20. März 2011 diese ominösen Forumseinträge gefunden worden sind. Was für ein Zufall aber auch! Hier soll wohl mit dem Zaunpfahl gewunken werden: »Seht her, Leute, wie schlimm die NPD ist!«
    Man muss keineswegs ein NPD-Sympathisant zu sein, um zu erkennen, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, zumal die Vergangenheit schon gezeigt hat, wie man im »Kampf gegen rechts« vorgeht. Ich sage nur Sebnitz oder Rebecca aus Mittweida…
    Natürlich ist es möglich, dass das, was Heyder unterstellt wird, der Wahrheit entspricht, aber in Anbetracht der Verlogenheit der Systemmedien halte ich eine Desinformationskampagne für weit wahrscheinlicher. Die Zukunft wird es vielleicht zeigen.

    Und zu dem fehlenden Impressum: Je nachdem, worüber man schreibt, kann es die eigene Existenz gefährden, seinen Klarnamen anzugeben. Die BN-Schreiber wissen doch sicherlich, wie es in punkto Meinungsfreiheit in der BRD bestellt ist.

  6. An Wegner und Reese:

    Klar, Gegenwind bekommt jeder abseits des politischen „Mainstream“ zu spüren. Es ist jedoch schon ein Unterschied, ob es sich dabei um eine kleine Prise oder einen Sturmwind handelt. Und genau aus diesem Grund ist es schon ein Unterschied, ob ich für die BN oder beispielsweise Altermedia, das Freie-Netz oder die Spreelichter schreibe. Während ersteres allenfalls Missmut und Ausgrenzung erregt, bringt die Betätigung bei letzteren Plattformen Verfolgung durch den Staatsapparat mit sich. D. h., ob nun BN oder AM, beides bringt Unannehmlichkeiten ein, jedoch die Dimensionen sind völlig andere!

  7. Ich wundere mich , woher viele so genau wissen, dass Junker Jörg und Heyder identisch sind.
    Bisher habe ich nur üble Angriffe eines linken, freien Journalisten, der für die Tagesschau arbeitet und mit Attacken auf das nationale Lager sein Brot verdient, gelesen, in denen pünktlich vor einer wichtigen Wahl ein NPD Mann vorgeführt wird.

    Aber selbst, wenn ich unterstellte die aufgeführten Screenshots würden korrekt sein, habe ich schon erheblich Schlimmeres von allen politischen Seiten im Netz gelesen.

    Das Auszüge stellen m.E. mehr oder weniger Gerede über Gott und die Welt dar, das man in privater Runde schon häufiger hört.
    Man sollte aber eben nicht jede Dampfplauderei ins Internet setzen da es dort nichts Privates gibt, auch nicht auf angeblich geschlossenen Foren.
    Darüberhinaus vergessen das Netz und daran Interessierte nichts, so dass man auch mit unreifen Jahre alten Beiträgen immer wieder konfrontiert werden kann.

    Den Teilnehmern an dieser Diskussion hier wünsche ich, dass sie niemals in eine solche « eventuell selbst gefertigte Falle« tappen.

    P.S. Ob die Anleitung zum angeblichen Bombenbauen funktioniert, weiß ich nicht. Ich habe ein humanistisches Abi abgelegt, da wurde nicht so viel Wert auf Naturwissenschaften gelegt. Allerdings kann ich mich auf jeden Fall nicht daran erinnern, dass wir in den letzten Jahrzehnten Bomben geworfen hätten. Genauso verhält es sich auch mit der »Vergewaltigung« linker Politikerinnen und nicht zu vergessen Politiker. Noch nie geschehen.

  8. BN und AM sind grundsätzlich nicht in einen Topf zu werfen. Die BN ist ein Kulturmagazin und AM ist ein antichristliches Hetzblatt. Das für den Umgang mit letztgenanntem Medium in einem christlichen Land andere Maßstäbe gelten als für ein freiheitlich orientiertes Magazin verwundert nur das Lämmerschwänzchen.

  9. An Moissac:

    Und genau aus diesem Grund, da es sich bei AM und BN um verschiedene Medien mit völlig konträren Inhalten handelt, kann ich keine Vergleiche ziehen, wie im obigen Artikel jedoch geschehen.

  10. @Felix:
    http://ef-magazin.de/2011/03/16/2914-npd-in-sachsen-anhalt-die-bombe-vor-der-wahl
    Die werten anarchokapitalistischen Freunde sehen die Hetzkampagne gegen die NPD schon differenzierter als der absurde und feige Internetnazi »Organisator«. 😉

  11. „NPD frisst Steuergelder und pöbelt herum“

    So die SPD-Vize und Demokratin Schwesig. Ich werde diesen Namen in diesem Artikel mit Sch. abkürzen, ich will ihr nicht auch noch zu mehr Bekanntheit verhelfen.

    Sch. fordert die Bürger auf die NPD bei der Wahl zu ignorieren, sie fordert ein NPD-Verbot, da die NPD demokratie- und menschenfeindlich sei, sie könne den Menschen auch nicht erklären, wieso eine solche Partei überhaupt in den Parlamenten sitze.
    Da hat Sch. aber ein Problem, als Demokratin, sollte sie wissen, dass Parteien im Parlament sitzen, weil sie die 5-%-Hürde überwunden haben, sprich von einer nicht unerklecklichen Anzahl von Stimmberechtigten gewählt wurde.
    Die Demokratie- und Menschenfeindlichkeit der NPD müsste erst einmal nachgewiesen werden und zudem sollte in einer Demokratie auch die Demokratiefeindlichkeit kein Hindernis sein, wenn die Mehrheit eine demokratiefeindliche Partei wählen würde, dann wäre dies ebenfalls wieder ein demokratischer Prozess. Da beißt die Maus keinen Faden ab….
    http://deutscheseck.wordpress.com/2011/03/17/npd-frisst-steuergelder-und-pobelt-herum/

  12. Wahr-Sager

    Linkspartei-Mitglied war Forums-Betreiber und gibt Datenmanipulation zu: http://www.kompakt-nachrichten.de/?p=4743

  13. 4,6 Prozent. Zum x-ten mal knapp an der 5 Prozenthürde gescheitert. Letztens in Thüringen mit 4,8. O Wunder, O Wunder!

    Man könnte bei einer solchen Serie des knappen Scheiterns zu glauben beginnen, dass hier getrickst wird. Aber so etwas zu denken wäre Unsinn. Schließlich ist es in der BRD verboten Wahlen zu fälschen.

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