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Die öffentliche Meinung, ein Ungeheuer

menzel_grossWas in den letzten zwei Monaten in Dresden rund um das »Zentrum für Jugend, Identität und Kultur« geschah, läßt sich am besten mit den Bildern von A. Paul Weber ausdrücken.

Es war »Der Denunziant«, der bereits Monate vor der Eröffnung des Zentrums herumschnüffelte, einen diffamierenden Bericht in Auftrag gab und schließlich zum Telefonhörer griff, um die Einflußreichen für seine Hetzkampagne zu gewinnen. Der Denunziant hatte viel Beunruhigendes zu berichten, aber wenige Fakten in der Hand. Da würden sich im noblen Viertel »Weißer Hirsch« die »Salonfaschisten« einnisten. Sie wollen ein Bildungszentrum aufbauen, aber das darf man ihnen nicht glauben. In Wirklichkeit sei ihr Plan viel schlimmer. Wer weiß, was sie wirklich vorhaben? Deshalb sei Vorsicht geboten. Am besten wäre es mit Sicherheit, man könnte diese unbekannte Gruppe schnell wieder verscheuchen.

Prügelnde Rechtsintellektuelle

Ein »Gerücht« war damit in der Welt und es verbreitete sich in Windeseile. Von Haus zu Haus, von Wohnung zu Wohnung legten die Bürger noch eine Schippe drauf. Sprach man am Anfang von Konservativen, waren es bald schon »Rechtspopulisten«. Drei Straßen weiter waren daraus »Rechtsradikale« geworden, die noch ein paar Ecken weiter als »Extremisten« tituliert wurden, über die man ohne Belege behauptete, sie stünden im Verfassungsschutzbericht. Als eines Tages ein älterer Herr beim »Zentrum für Jugend, Identität und Kultur« aufkreuzte, berichtete er, der Nachbar habe ihn gewarnt. Wenn er zu den Rechten gehe, werde er bestimmt verprügelt.

War »Der Denunziant« erfolgreich und hat sein »Gerücht« in Umlauf gebracht, spielen die alltäglichen Sorgen der Menschen für wenige Momente eine untergeordnete Rolle. Sie haben jetzt ein größeres, unfaßbares, scheinbar »geheimes« und damit unheimliches Problem gefunden: »Die Angst regiert«. Aber wovor? Die meisten Bürger haben die Rechten noch nie zu Gesicht bekommen oder sie sind ihnen im Alltag noch nicht aufgefallen. Die Begründung dafür fällt einfach: Die Störenfriede, über die man sich das Schlimmste erzählt, betreiben Mimikry. Sie tun nett und treten adrett auf, um ihre wahren Absichten zu verschleiern.

Wenn ausnahmslos alle keine Ahnung haben

Auffälliger war da schon das kleine Häuflein schwarz gekleideter und zum Teil vermummter Gegendemonstranten, bei denen sich die Bürger nicht so sicher sind, ob sie auch Gewalt anwenden, um die Störenfriede zu vertreiben. Aber ganz egal, wer diese schwarzen Gestalten sind. Ruhe herrscht erst wieder, wenn die »Rechten« weg sind.

Viel besser als viele Wissenschaftler und Intellektuelle hat A. Paul Weber mit diesen drei Bildern (Der Denunziant, Das Gerücht, Die Angst regiert) die Funktionsweise der öffentlichen Meinung eingefangen. Der konservative Publizist Caspar von Schrenck-Notzing kommt ihrem Wesen wohl noch am nächsten, wenn er polemisch meint, sie sei »die Summe der Stellungnahmen derjenigen, die in einer Sache nicht kompetent sind«. Dagegen ankämpfen kann nur, wer selbst über einen schlagkräftigen Apparat verfügt: also Geld besitzt, eine Organisation im Rücken hat und die richtigen Kontakte pflegt.

Hinzu kommen müßte eine gewisse Kaltblütigkeit, die es erlaubt, den Dreck zurückzuschmeißen, mit dem man von seinen Feinden beworfen wird. Der Kabarettist Volker Pispers hat es schon richtig erkannt: »Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht. Und jeder Dreck braucht eine Schleuder, die ihn verbreitet.«

Jedem das Seine

Bei dem zweiten Gesprächskreis im »Zentrum für Jugend, Identität und Kultur« am 9. September ging es mit dem Thema »Antifaschistische Netzwerke« genau um diesen »Dreck«. Wir hatten uns vor der Eröffnung des Zentrums eigentlich fest vorgenommen, uns niemals mit solch destruktiven Themen zu beschäftigen. Vielmehr hatten wir im Sinn, ausschließlich aufzuzeigen, wofür wir stehen. Denn »Dagegen sein« ist immer einfach.

Nun verhält es sich aber so, daß durch die Denunziation – Marke »Methode Speit« – so absurde Gerüchte in Dresden im Umlauf sind, daß wir über diese antifaschistischen Netzwerke aufklären müssen. Aber Aufklärung allein reicht nicht. Wie sollen wir vorgehen, um uns zu verteidigen? Mit Dreck zurückwerfen? Uns in den Elfenbeinturm zurückziehen? Ignorieren?

Man kann darauf wiederum mit A. Paul Weber ein paar vorläufige Antworten formulieren:

Was können wir dem schon entgegensetzen? Nur noch die richtige Gesellschaftsanalyse?

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10 Kommentare zu “Die öffentliche Meinung, ein Ungeheuer

  1. Kommt mal aus dem Tritt. Dieses ständige Insistieren auf die moralische Legitimität des Opferdaseins, das Bemäkeln der bösen Andere, die euch so unbarmherzig gegenüber treten. Damit macht man sich lächerlich.

    Und ich bin kein Antifant, sondern ein Getreuer. Falls Kritik aus den eigenen Reihen erwünscht sein sollte.

  2. Hier sollte die Frage erlaubt sein, ob man wirklich naiv genug war die Situation falsch einzuschätzen! Immerhin herrschen die meinungsdiktatorischen Zustände nicht seit 2 Jahren! Das die Arbeit des Zentrums für Jugend , Identität und Kultur behindert werden würde, stand von vorneherein fest. Auch das Ausmaß war ebenso zu erwarten, wie die Tatsache, dass die Aufklärungsarbeit ein sehr langer und stetiger Prozeß sein wird. Was kann man also tun? Nun entweder man arbeitet stetig weiter oder man steckt den Kopf in den Sand.

  3. @ Patrick Pohl:

    Es klingt albern, aber: Das Bild vom kopfüber im Sand stecken ist gruselig und verlockend gleichzeitig. Früher hat man sich am Badestrand eingraben lassen. Just for Fun. Wem der Sinn nach Selbstmord steht, sollte auf Hochhäuser steigen. Den Mut nicht vergessen. Ian Curtis (Joy Divison, hatte ihn), plus Strick. Love will tear us apart.

  4. Solange die Miete bezahlt wird und das Dach dicht bleibt, habt ihr gar kein Problem. Was soll die Aufregung? Ihr macht eine gute Arbeit, habt verdient das man euch was spendet. Aber manchmal kommt ihr vor, wie ein Haufen Jammerlappen. Scheint der Zeitgeist zu sein.

  5. Vielleicht verstehe ich diesen Artikel nicht komplett. Während nebenan zu Recht gefeiert wird, weil ein junger Hausbesitzer eine Etappe geschafft hat, brüte ich hier nihilistische Kontras aus. Der Bauherr hört dämliche Radiosender, hat aber was geschafft, plus Grund zur Spätsommerfeier. Dafür hat er meinen leisen Respekt.

  6. Mit diesen Tüpen lassen sich die sprichwörtlichen Pferde klauen. Das Potenzial ist also da und vorhanden. Der tragische Hammer: Sie wissen nichts davon. Ihnen Dämlichkeit vorzuwerfen ist erstens frech, zweitens kontraproduktiv. Denen fehlt die Feingeistigkeit. Wer damals über Otto »Der Film« lachte, lacht heute über Charlotte Roche. Die Menschen haben sich nich nicht geändert. Warum auch?

  7. Und wie sieht der Lichtmessie in diesem Gewitter aus? Kaum einer kennt ihn, aber alle munkeln. Das sagt alles. Schlechte.

  8. Sogar die primitvsten halten ihren Sonntagschlaf. Die gehen nicht in die Kirche zum Gottesdienst. Die schlafen ihren Rausch aus, um anschließend zu biken. Diese Nervensägen brauch keiner. Da ist mir die die knuspernde Hornisse viel lieber.

  9. Zum Glück ist das Biken nun durch. Es war ohnehin erstaunlich, wie man sich bei fast 40 Grad im Schatten noch einen Helm aufsetzt und losdüst. Diese Kerle werde ich nie verstehen.

  10. Na Urwinkel, wie wäre es mal mit, gründlich nachdenken, drüber schlafen und dann EINEN Beitrag schreiben und nicht ständig impulsiv vor sich hinblubbern?

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