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Oskar Roehler verfilmt »Subs«

subs_kunkelVor zwei Jahren erschien der Roman Subs von Thor Kunkel. Es ist bisher mit Abstand der beste Roman von Kunkel, der durch seinen Nazi-Porno-Roman Endstufe bekannt wurde. In Subs geht es um eine moderne Form der Sklaverei mitten in Berlin-Grunewald. Der intelligente Haussklave Bartos bringt den politischen Zündstoff des Romans auf den Punkt:

Ist es wirklich amoralisch, Menschenmassen, die darauf angewiesen sind, dass man ihnen klare Richtlinien gibt – also in erster Linie die ungebildeten, antriebslosen Subproletarier –, in die Herrenhäuser und Mustergüter zu integrieren, statt sie der Verwahrlosung zu überlassen?

 

(…)

 

Das ist das wirklich Perverse an dem System: Es verlangt von Unfreien, sich frei zu fühlen, und setzt dabei das Einverständnis zur Selbstversklavung voraus. Schön ist sie nicht, die Unfreiheit in der Maske von Gleichheit und Freiheit. Kommt heute nicht jedes Kind als Schuldner zur Welt? Was ist die globale Marktwirtschaft anderes als der brutalste und elendste Sklavenmarkt, den es gibt?

Der Regisseur Oskar Roehler, der 2010 Jud Süß – Film ohne Gewissen und 2006 Elementarteilchen (nach dem gleichnamigen Roman von Houellebecq) gedreht hat, traut sich nun an Subs heran. Gegenüber dem CICERO sagte er, ihn habe der Roman aufgrund der »modernistisch kalte(n) Gegenwartswelt, mit Elementen der Zukunft durchsetzt«, überzeugt. Subs zeige, »wie Menschen aus purer Bequemlichkeit über andere verfügen.«

Diese Statements klingen alle viel zu nett. Aber seid ganz sicher: Subs hat viel mehr Sprengkraft zu bieten.

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