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Peak Oil und Deglobalisierung

menzel_grossEs gibt manche Tage, da frage ich mich, warum ich mir das mit dem »Zentrum für Jugend, Identität und Kultur« alles antun mußte. Doch alle Mühen und Schwierigkeiten sind schlagartig vergessen, wenn wieder ein Gesprächskreis bei uns im Zentrum stattgefunden hat. Gestern war es wieder soweit: Dr. Janus Moldenberger referierte über »Peak Oil und Deglobalisierung«.

Moldenberger belegte mit viel Zahlenmaterial, daß durch den Peak Oil eine ökonomische Deglobalisierung eingeleitet wird. Die Globalisierung habe sich immer schon in Wellen und Zyklen entwickelt. Keinesfalls handelt es sich um einen linearen Fortschritt, wie man uns heute einreden will.

Heraufziehen einer regionalen Postwachstumsökonomie

Für die derzeitige Situation heißt das: Durch die Ressourcenerschöpfung bahnt sich eine Regionalisierung des Welthandels an. Der Referent veranschaulichte das sehr schön mit einem Zitat aus Alain de Benoists Abschied vom Wachstum:

Sobald der Hubbert-Peak erreicht ist, werden die Kosten für die Förderung und Erschließung von Erdöl stetig steigen. Die weiterhin steigende Nachfrage bei fallendem Angebot wird explosive Konsequenzen zeitigen. (…)

 

Auch der Welthandel wird davon betroffen sein: Kein Unternehmen wird mehr Produkte ans andere Ende der Welt transportieren oder exportieren, die sich in ihrem Herkunftsland verkaufen lassen. Fische aus skandinavischen Gewässern werden nicht länger nach Marokko geflogen werden, um dort verarbeitet zu werden, Europäer werden in den hiesigen Wintermonaten nicht mehr in den Genuss frischen Obstes aus Chile oder Südafrika kommen. Produkte, die derzeit von niedrigen Transportkosten profitieren, werden wieder zu Luxusgütern werden.

Unsere Zuhörer gestern stellten in der Diskussion die positiven Aspekte dieser Deglobalisierung heraus. Dieser Prozeß könnte zu einer Befreiung vom Überfluß führen. Wie eine Bundeswehr-Studie (hier als PDF) aus dem Jahr 2010 warnt, ist die Gefahr eines »Tipping-Points«, eines plötzlichen Umschlags, jedoch nicht zu unterschätzen. Die Folgen könnten bis hin zu Massenarbeitslosigkeit, Hungersnöten und einem politischen Umsturz reichen. Moldenberger ließ sich dennoch nicht auf ein Katastrophenszenario ein und betonte ebenfalls, daß Globalisierung und Wirtschaftswachstum nach einer Abschwungphase auch jederzeit wieder durch technischen Fortschritt und neue Ressourcenerschließung anziehen könnten.

Der Vortrag war für unsere eigene inhaltliche Arbeit von zentraler Bedeutung. In den letzten Wochen haben wir uns intensiv mit einer »Postwachstumsökonomie« beschäftigt und dazu unter anderem Prof. Dr. Holger Rogall interviewt. Weitere Gespräche und Analysen werden in Kürze folgen.

Im Dresdner »Zentrum für Jugend, Identität und Kultur« geht es dann Anfang November mit den nächsten Veranstaltungen weiter:

Wenn Sie die Arbeit des Zentrums für Jugend, Identität und Kultur unterstützen möchten, helfen Sie uns am besten mit einer Sofort-Spende.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

4 Kommentare zu “Peak Oil und Deglobalisierung

  1. »Es gibt manche Tage, da frage ich mich, warum ich mir das mit dem »Zentrum für Jugend, Identität und Kultur« alles antun mußte.«

    Papperlapapp, jetzt reden Sie auch schon wie der Herr Kubitschek. Bleibt wo ihr seid, denn wer jetzt noch kein Haus hat, baut sich auch keins mehr. Lasst das bloß nicht die Leute von der Casa Pound hören; die ziehen euch die Ohren lang.

    Aber zum Thema: Wenn ich höre, etwas habe sich »schon immer« so oder so entwickelt, also hier in Zyklen, gehen bei mir die Alarmglocken los. Wir hatten die Industrialisierung in rasanter Zeit. Die Futuristen haben sie gefeiert. Dampfmaschinen, Eisenbahn, moderne Kriegsführung, Automobile, Telefon, Computer, elektronische Tanzmusik, endlich Internet. Das kann nicht schon immer so gewesen sein. Wer das anders und zyklisch einordnet beruhigt nur sein konservatives Gewissen durch Ablenkung und Zahlenmystik. Grüne fahren demonstrativ mit dem Rad. Auch eine Erfindung der neuen Zeit; sogar mit Sturzhelm. Jedes Supermarktprodukt enthält mehr oder weniger Öl.

    Das ist alles nicht neu, und man kann das ruhig nochmal sagen. Wir tanzen auf einem Vulkan und die Frage ist nur, wer bekommt den ersten Kulturschock, Herzinfarkt oder auch einfach nur den Hintern versohlt.

  2. Zum ersten Mal skeptisch zum Thema Öl und Verbrauch wurde ich, als die oppulenten DVD-Hüllen auf den Markt kamen. Auch ein Ölprodukt. Ich dachte mir im Vorbeigehen, das muß doch nicht sein. Diese überdimensionierte, bunten Einpackung für Wegwerffilme. Aber da war ich zu spät, weil es vorher schon Schallplatten und Tonbänder gab, auch aus Öl. Die haben aber noch ein gewissen Wert, und es lohnt sich sie sammeln. Der regelmäßige Schluck, den der Rasenmäher braucht ist geringer als sein Herstellungsverbrauch.

  3. Der Wiener Aktivist Hermann Nitsch geht verschwenderisch mit Blut um. Wir mit Öl. Who cares? Wir können auch über Gott und die Welt labern.

  4. Ich dachte, dass die »Blaue Narzisse« für Diskussion und Meinungsfreiheit steht, anders als die »Mainstream-Medien«? Wieso werden dann hier Kommentare, die nicht beleidigend waren, nicht freigeschaltet?

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