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Protest gegen Europahymne

Für Özil, Khedira und Boateng wäre es besser, wenn bei Länderspielen nicht die deutsche, sondern die EUropäische Hymne abgespielt wird. Das hat einen einfachen Grund: Die EUropäische Hymne wird nicht gesungen, sondern nur instrumental vorgetragen. Gab es das in der Geschichte nicht schon einmal? Richtig, in der DDR wurde der Text von „Auferstanden aus Ruinen“ ab 1972 nicht mehr gesungen.

Im Text der DDR-Hymne heißt es gleich in der ersten Strophe:

Laß uns dir zum Guten dienen,
Deutschland, einig Vaterland.

Das paßte nicht so richtig zur Politik der SED-Regierung. Deshalb ließ man den Text lieber weg, wenn die Hymne mal benötigt wurde.

Nun ist es eine geradezu bezeichnende Parallele, daß auch die Hymne der Europäischen Union nicht gesungen wird. Sie wird damit zu einem bürokratischen Akt erniedrigt, den man irgendwie mitmachen muß. Das Gefühl einer europäischen Einheit kann ohne gemeinsames Singen jedenfalls nicht aufkommen. So ließe sich argumentieren, wenn wir noch die Worte im Ohr haben, die Özil, Khedira und Boateng derzeit zugerufen werden.

Gestern nun fand die erste Sitzung des neugewählten EU-Parlaments statt. Ein Orchester spielte die Hymne. FPÖ, Beppe Grillo, der Front National und sogar mindestens ein Abgeordneter der britischen Konservativen blieben im Gegensatz zu den anderen EU-Parlamentariern sitzen. Die UKIP-Abgeordneten drehten sich sogar demonstrativ um (siehe Video). Laut Heute.at soll zudem ein Abgeordneter der italienischen Lega Nord in Burka erschienen sein.

Wie sich die AfD verhalten hat, ist nicht bekannt. Es spricht aber sehr viel dafür, daß Lucke und Co. brav aufgestanden sind, weil die Europahymne ja sogar im AfD-Wahlkampf abgespielt wurde.

Hier geht es zu unserem Aufkleber zur Europäischen Union.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

3 Kommentare

  1. Der Autor hat mit seinen Ausführungen zur rein instrumentalen Europahymne sicherlich recht, leider kann er sich einen unangebrachten Seitenhieb auf die AfD bei der Reaktion auf diese Hymne nicht verkneifen: Während Vertreter der EU-ablehnenden Parteien die Hymne schmähen, ihr gutes Recht und darüber hinaus auch ihre politische Position, ist die AfD eine Partei, die ein organisiertes Europa, meinethalben in der Form einer (nicht zwangsläufig dieser) Europäischen Union befürwortet. Die AfD will die EU nicht zerschlagen sondern auf ein vernünftiges Maß beschränken. Ihre grundsätzlichen Strukturen sollen in den Dienst dieses Wählerauftrages gestellt werden. Aus diesem Grunde wird von Vertretern der AfD der Hymne auch entsprechend Respekt gezollt.

    Ein Frage an den Autor: Was würden Sie einem Bundestagsabgeordneten unterstellen, der sich bei der deutschen Hymne demonstrativ abwendet oder sitzen bleibt? Verwechseln Sie die AfD nicht mit einer Anti-EU-Partei. Mit diesem Programm scheiterten andere Parteien beim deutschen Volk am Wahlsonntag.

    Und wie der Autor auch zu betonen nicht vergisst: Diese Position wurde auch im Wahlkampf herausgestellt, eine Wählertäuschung, wie sie andere Parteien bein (anderen) Wahlen betrieben, fand mitnichten statt.

  2. Felix Menzel

    @ Glombatsch: Das war kein Seitenhieb in Richtung AfD. Ich habe einfach nur geschildert, wie die AfD zur Europahymne steht.

    Ich wäre im übrigen allein aus Respekt vor dem Orchester aufgestanden und finde die „Ode an die Freude“ musikalisch auch sehr schön. Aber als Hymne für Europa ist sie meines Erachtens nicht geeignet und ich würde eine Hymne für Europa auch gerne mitsingen – unabhängig von der gewählten Sprache.

    Die Protestaktion kann ich aus politischen Gründen natürlich trotzdem nachvollziehen.

    In einem Punkt muß ich Ihnen jedoch widersprechen: Ich halte die EU nicht für reformierbar. Hier paßt sich die AfD aus meiner Sicht zu sehr an. Was der Wähler an irgendeinem Sonntag macht, halte ich für nebensächlich.

    Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie …

  3. figura carismatica

    Man könnte vielleicht noch anmerken, daß die Hymne auch einmal inoffizielle Hymne Deutschlands war. Daß die Vertonung, die es ja auch gibt, auf Schiller zurückgeht und, daß natürlich Feministen, wer auch sonst, etwas gegen „Alle Menschen werden Brüder“ hat. (als ob da Frauen nicht mit eingeschlossen werden).

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