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Proteste gegen die EU denkbar?

Ich möchte kurz auf einen Beitrag von  Peter Robejšek bei Deutschlandradio Kultur aufmerksam machen. Der Berater und Publitzist meint, die deutschen Eliten versuchten seit dem Zweiten Weltkrieg eine »europäische Ersatzidentität anzunehmen«. Dabei würden sie die Tatsachen, die gegen die Machbarkeit der europäischen Integration sprechen, nicht beachten.

Robejšek befürchtet unter dem Eindruck der Verschuldung von Staaten wie Griechenland oder Spanien, daß der Euro »für Deutschland zur permanenten finanziellen ›Reparationsleistung‹ werden« könnte.

Und weiter:

Die deutschen Eliten aber scheinen zu weiteren Opfern im Namen Europas bereit zu sein. Diese Haltung ist bewundernswert, zumal sie in dieser Ausprägung nirgendwo in Europa anzutreffen ist. Doch es wird schwer sein, sie auch weiterhin umzusetzen. Dass die bisherigen Kosten der europäischen Integration von der Mehrheit der deutschen Bevölkerung als eine historisch begründete Bringschuld an Europa mitgetragen wurden, könnte sich ändern. Dies gilt umso mehr, als sich in letzter Zeit die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auch für Deutschland massiv verschlechtert haben.

Was passiert also, wenn die schweigende Mehrheit der Deutschen nicht mehr hinnehmen will, wie teuer sie die Unterstützung Griechenlands und das Festhalten am europäischen Integrationsweg kommt? In Berlin verlässt man sich offenbar darauf, dass die disziplinierten Deutschen nicht massiv protestieren werden. Aber vielleicht redet man sich auch das nur ein.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

4 Kommentare zu “Proteste gegen die EU denkbar?

  1. ›Aber vielleicht redet man sich das auch nur ein.‹
    Der Verdacht liegt jedenfalls nahe, hierzulande haben wir – anders als in Großbritannien mit der Ukip – als EU-Kritiker keine so starke Lobby wie z.B. die Antifanten.

  2. Die Zahlen entfalten vielleicht Realität, sind aber dem normalen Bürger zu abstrakt. Man kann ja noch hoffen. Wenn erstmal das Salz aus dem Brot raus ist und in Gaststätten die Speisen ungesalzt serviert werden müssen, oder der gute Bauernspeck tatsächlich nicht mehr verkauft werden darf, weil er unhygienisch ist. Oder wenns kein Popcorn mehr zum Kinofilm gibt.. – dann geht die Luci vielleicht ab.

    http://derstandard.at/1269045738293/EU-Hygienerichtlinie-Bauernspeck-bekommt-in-Bruessel-sein-Fett-weg
    http://info.kopp-verlag.de/news/schluss-mit-spass-im-kino-kommt-das-verbot-von-ungesundem-popcorn-eis-und-schokolade.html
    http://www.welt.de/wirtschaft/article6898756/EU-treibt-Deutschlands-Baecker-auf-die-Barrikaden.html

    Noch ist es leider nicht soweit, dass auch in Deutschland unter Deutschen der Schwarzmarkt wieder gedeiht. Aber es kommt bestimmt.
    In diesem Sinne: Kauft handgemachten Speck und fördert das Schwarzspecken.

  3. die eu ist eine segensreiche einrichtung, die sich für die aktive förderung des gesellschaftlichen fortschritts einsetzt und die weltrevolution fördert, wo andere (wie die usa oder israel) dem imperialismus huldigen.

    das muss uns schon etwas wert sein.

    außerdem ist gut denkbar, dass die eu – sollte obama scheitern – zu einem zufluchtsland für us-bootsflüchtlinge werden könnte: http://bluthilde.wordpress.com/2010/03/22/wenn-obama-scheitert-gibt-es-einen-massenexodus-exklusivinterview-mit-ersten-us-bootsfluchtlingen-in-europa/

  4. Das Verhalten der »Eliten« ist doch durchaus deckungsgleich mit der »Nicht-so-sehr-Elite-«Intelligenz, d.h. den Oberstudienräten, den Rechtsanwälten, den Stadtamtmännern und Ärztinnen, den Apothekerinnen und den kleinen Gewerbtreibenden in den Bezirksvertretungen.

    Es ist doch längst nicht so, daß »die da oben« an der Uhr drehen, aber der »niedere Dienstadel« kurz vor dem Barrikadenbau steht. 😉 Es ist vllt. weniger eine EU-, sondern eher eine Nicht-deutsch-und-kleinbürgerlich-Ersatz-Identität. Mich würde es auch nicht überraschen, wenn man Ähnliches auch in Frankreich oder den USA feststellte.

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