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radikal rechts

Arne SchimmerDie Burschenschaftlichen Blätter haben ein Interview mit dem sächsischen NPD-Landtagsabgeordneten Arne Schimmer geführt. Schimmer selbst ist Alter Herr der Burschenschaft Dresdensia-Rugia Gießen, sieht sich aber innerhalb des Dachverbandes „Deutsche Burschenschaft“ (DB) Anfeindungen von Seiten betont liberaler Verbandsbrüder ausgesetzt. Die Interviewer Jörg Haverkamp II und F. Roland A. Richter gehören zu dieser Gruppe und versuchen mit ihren Fragen, Schimmer in die Enge zu treiben. Sie begehen dabei einen grundlegenden methodischen Fehler: Sie zitieren aus den Grundsätzen der DB und fragen Schimmer dann suggestiv, ob diese Grundsätze nicht durch die NPD und ihre Jugendorganisation JN verraten würden.

Nun müßte man dem eigentlich eine Frage zwischenschalten: Ist es denn so, daß in allen Mitgliedsbünden der Deutschen Burschenschaft deren Leitsätze ganz korrekt umgesetzt werden? Haverkamp II und Richter unterstellen implizit, alle Burschenschafter setzen sich brav für Freiheit und Demokratie ein, fechten ein bißchen und trinken hin und wieder ein Bier. Und nur die paar Bösen aus der NPD ziehen den Dachverband in den Schmutz.

Mit Verlaub, das habe ich des öfteren etwas anders erlebt. Nach dem fünften oder sechsten Bier sind es gerade CDU-Mitglieder, die zu fortgeschrittener Stunde zeigen wollen, wie rechts sie wirklich sind, und dann plötzlich Goebbels-Reden fehlerfrei rezitieren, aber bei der nächsten Parteiveranstaltung Angela Merkel wieder in den Arsch kriechen. Wegen der Karriere, versteht sich! „Aber“, fahren sie fort, „wenn ich mich erstmal innerhalb der CDU hochgemogelt habe, dann …“ Wenn das dann geschehen ist, passiert im Übrigen meistens nichts.

Ich will dies nun keinesfalls allen Burschenschaftern vorwerfen. Es gibt viele vernünftige und letztendlich darf aus meiner Sicht auch jeder ein paar Jugendsünden ansammeln. Aber, wenn man das so sieht, dann ist es unfair, mit dem moralischen Zeigefinger auf andere (NPD) zu zeigen (wie dies Haverkamp II und Richter machen), währenddessen Anspruch und Wirklichkeit auch im eigenen Hause nicht deckungsgleich sind.

Im Gegensatz zu denen, die immer nur betrunken Deutschland retten und erst dann ihre radikale Ader entdecken, sind mir jene lieber, die auch öffentlich zu ihrem Wort mit ihrem Gesicht einstehen. Und gerade das macht Arne Schimmer.

Ihn hätte man aus meiner Sicht ganz anders konfrontieren müssen: Glaubt er zum Beispiel allen Ernstes, eine Partei könne in diesem Land etwas bewirken? Wie kommt er zu der irrigen Ansicht, man müsse dem Volk mehr demokratische Mitbestimmungsrechte einräumen und dann werde alles gut? Ist er sich überhaupt bewußt darüber, daß sich als Bodensatz der NPD eine unsteuerbare Masse herausbilden könnte, die für Schimmer mit seinen klugen Worten unsteuerbar ist? Was hält er wirklich vom sozialistischen Populismus seiner Partei, der doch nur dafür zuständig ist, HartzIV-Empfänger und sogenannte „sozial Benachteiligte“ als Wähler zu gewinnen? Wie will er eigentlich, der sich kein NS-Revival wünscht, die NS-Nostalgie an der Basis eindämmen? Und, und, und …

Arne Schimmer, der auch Chefredakteur der hier&jetzt ist, betont in der aktuellen Ausgabe dieser radikal rechten Zeitschrift, daß „man die Freiheit des Denkens nicht an einem Punkt aufheben kann, ohne sie insgesamt aufzuheben“. Dem stimme ich voll und ganz zu und deshalb muß die Auseinandersetzung mit Rechtsradikalen auch inhaltlich geführt werden.

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

6 Kommentare zu “radikal rechts

  1. Corpsstudent

    Wieso »Thema verfehlt«?

    Zielgruppe der Buxenpostille sind die eigenen Leute.
    Nur mehr als recht und billig, daß man sich dort fragt, ob NPD und Burschenschaft zusammenpasst.

    Die Interviewer interessieren sich in keiner Weise für die hier von Euch aufgeworfenen Fragen nach den inneren Problemen der NPD mit ihren Schmuddelkindern und wie Schimmer und andere noch nicht vollständig verblödete Mitglieder diese lösen können.

    Und auch wenn die Buxenschaft immer kleiner wird: Man kann Haverkamp und Richter wohl nicht vorwerfen, daß unter 15000 Mitgliedern auch ein paar wenig trinkfeste Salonnazis herumturnen, die sich nüchtern benehmen können, wenn das Hirn gerade arbeitet.

    Menzel, hier hast Du das Thema verfehlt, weil Du den Anspruch des Textes gar nicht verstanden hast.

  2. »Mit Verlaub, das habe ich des öfteren etwas anders erlebt. Nach dem fünften oder sechsten Bier sind es gerade CDU-Mitglieder, die zu fortgeschrittener Stunde zeigen wollen, wie rechts sie wirklich sind, und dann plötzlich Goebbels-Reden fehlerfrei rezitieren, aber bei der nächsten Parteiveranstaltung Angela Merkel wieder in den Arsch kriechen.«

    Genau das habe ich schon unzählige Male bei Burschenschaften erlebt. Herr Menzel hat wirklich Recht – immerhin stehen die NPD-Leute auch nüchtern und öffentlich zu ihrer Meinung. Dafür sollte man Ihnen Respekt zollen.

    Gruß Rabehl

  3. Nils Wegner

    Tja… Ich wünschte, ich könnte etwas anderes schreiben, aber in Korpodeutschland ist wirklich nicht viel zu holen.

    Einige sehr wertvolle Leute gibt es in allen Dachverbänden, aber leider bilden sie die krasse Ausnahme.

  4. gerade die burschenschaft mit ihrem patriarchalischem exklusivitätsgehabe hat wenig anlass, die kameraden von der npd als potenziell rückschrittlich zu kritisieren.

    sind nicht gerade npd und freie kameradschaften beispielsweise vorreiterinnen bei der durchsetzung genderneutraler lebensformen und der kritik traditioneller geschlechterklischees? immerhin verkörpern ja gerade frauen in nationalistischen zusammenhängen das ideal der von den ihnen durch die bürgerliche gesellschaft anerzogenen hemmungen befreiten frau? die alkohol trinkt, sich prügelt, traditionelle männersportarten betreibt, das vom faschistischen kapitalismus gepflegte vorurteil des schamgefühls abgeschüttelt hat und der befreiten sexualität huldigt? und dabei auch optisch die geschlechterdiskriminierung überwunden hat, indem sie auf den ersten blick von den männern nicht mehr wirklich unterschieden werden kann?

  5. Kommunistenfresser

    Ääääh… »nationalbolschewist«… also entweder seid ihr absolut krank oder absolut genial.

    »Autorinnenkollektiv Dr. Hilde Benjamin« – wisst ihr überhaupt, wer Hilde Benjamin war? Ich hoffe wirklich, dass das, was ihr da so auf eure Seite malt, Verarsche ist oder meint ihr das etwa ernst?

    Und wenn das Verarsche ist, wen wollt ihr denn nu eigentlich veräppeln? Kommunisten? Die NPD? Islamkritiker? Sarrazin? Also ich werde echt aus euch nicht schlau.

  6. wer hilde benjamin war? ich denke, das wissen wir *lol* :).

    http://bluthilde.wordpress.com/2009/11/07/heidi-klum-die-hilde-benjamin-des-laufstegs/

    wir sind bloß im unterschied zu dem autorinnenkollektiv hier der meinung, unsere gesellschaft müsse – solange die sozialistische weltrevolution nicht durchgesetzt ist – zwangsläufig »undersexed« sein… 😉

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