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Rainer Maria Rilke: Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg Deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

(aus: Das Buch der Bilder, 1902/1906)

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

2 Kommentare zu “Rainer Maria Rilke: Herbsttag

  1. Schön.

  2. Hatte olle Oskar Werner jut vorjetragen jehabt: http://www.youtube.com/watch?v=DWk5ZP4xrvQ . Wißta, von Von Thronstahl ooch kopiert, die Tüpe, bei »Der Fahnenträger« zum Bleistift.

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