Gesichtet

„Rassismus existiert, aber er erklärt nicht, was hier passiert.“

Neulich in München. Unzählige schwarz gekleidete Menschen strömen vom Königsplatz aus in alle Richtungen. Die Straßen sind weitläufig gesperrt. Es herrscht eine unheimliche Stille, die durch die Trauerzug-Stimmung der heimkehrenden Demonstranten noch verstärkt wird. Man fühlt sich, wie als ob Staatstrauer angeordnet wurde. Und warum? Weil ein krimineller Afroamerikaner in Minneapolis durch die Hand eines Polizisten ums Leben gekommen ist.

Besagter Polizist ist aus dem Polizeidienst entlassen und wegen eines Tötungsdelikts festgenommen worden. So weit, so gut, möchte man meinen. Stattdessen gehen jetzt weltweit hunderttausende Menschen gegen „Rassismus“ und „Polizeigewalt“ auf die Straße. Dabei hat all das schon lange nichts mehr mit Rassismus zu tun. Vielmehr hat der weiße Mann wieder einmal eine Möglichkeit gefunden, sich erneut für seine Existenz zu entschuldigen. Und wie er sich entschuldigt! Weiße Menschen, die vor schwarzen Menschen auf die Knie fallen und unter Tränen um Entschuldigung bitten – für was auch immer.

Alte, weiße Männer fallen auf die Knie …

#Blacklivesmatter (BLM), wo man nur hinschaut. Gäbe es nicht schon die „Corona-Krise“, es wäre wohl ohne Zweifel das Wort des Jahres 2020 geworden. Mittlerweile gibt es sogar einen Verhaltenskodex für weiße Menschen, wie sie sich im schwarzen Protest zu verhalten haben. Diese „Leitlinien für Weisse Menschen zu Protesten, die von Schwarzen Menschen geführt werden“ geistern dieser Tage durch das Netz. Sieben Punkte umfasst diese Anleitung und offenbart dabei in eindrücklicher Weise, was die BLM-Bewegung von weißen Menschen hält: nämlich gar nichts!

„Schreie Parolen nur nach“, oder „Sei nützlich. Verteile Wasser und Snacks. Schau, dass die Protestanführer*innen hydriert und satt sind.“ Viel zu melden hat man als weißer Mensch also nicht. „Wenn eine Schwarze Person dir sagt, etwas zu tun, tu es. Respektiere die Autorität und Entscheidung von Schwarzen Personen zu allen Zeiten.“ Wie diese Anweisung in das Credo „Alle Menschen sind gleich“ passen soll? Schließlich sollen weiße Menschen ihre schwarzen Herren im Falle eines Zusammentreffens mit der Polizei als „menschliche Schutzschilde“ schützen. Die Hierarchie ist somit ganz deutlich abgesteckt, zumal der weiße Mensch nur „ein Körper“, nur Füllmaterial ist. Mehr nicht!

Gleich, gleicher, schwarz oder links?

Und wie man an den Demonstrationen sieht: nicht wenige weiße Menschen sind daran beteiligt. Wieso auch nicht? Schließlich ist es eine gute Gelegenheit, sich von seiner ererbten Schuld reinzuwaschen und sich auf die „gute“ Seite zu stellen. Hier wächst ganz offensichtlich eine Generation weißer Europäer und Amerikaner heran, die sich selbst nicht leiden kann und durch diesen Selbsthass dazu getrieben wird, ihre eigene Zivilisation zu Grabe zu tragen.

Immer ist es der weiße Mann, der an allem schuld ist. Sei es Klimawandel, Hunger in der Dritten Welt, Diskriminierung von Frauen, Rassismus, Homophobie, Antisemitismus, Kolonialismus und ganz generell die Unterdrückung der Nicht-Weißen Nicht-Männer. Jetzt ist es eben wieder der Schwarze, der nur deswegen in Armut und Not lebt, weil der weiße Mann ihn da hineingetrieben hat und ihn dort hält.

Und deswegen kramt man den „Volkszorn“ aus dem Schrank und richtet seinen ganzen „gerechten Zorn“ auf das System des weißen Mannes. Und da dieses System im Alltag vor allem durch den Schutzmann in Uniform sichtbar ist, wird eben auf diesen eingeprügelt. Wie vergangenen Freitag auf dem Alexanderplatz in Berlin. Dort wurden Polizisten mit Flaschen, Steinen und Brettern angegriffen. 28 von ihnen wurden verletzt.

In den USA werden auch schwarze Polizisten angegriffen

Und auch in den USA werden Polizeiautos angezündet und Polizisten umgebracht. Dass es sich dabei auch um schwarze Polizisten handelt, scheint niemanden zu kümmern. Politiker derweil solidarisieren sich mit dem Straßenmob und zeigen Verständnis dafür, wenn Geschäfte geplündert und zerstört werden. Und auch deutsche Politiker haben Verständnis. Einzige Sorge ist lediglich, dass der Corona-Sicherheitsabstand nicht eingehalten werde.

Einen Gefallen tun sich mit diesem Verhalten am allerwenigsten diejenigen, die vorgeben, etwas ändern zu wollen, das System zu stürzen und eine bessere Welt aufzubauen. Dazu gehört nicht nur die Forderung „Defund the Police“, also die Polizei abzuschaffen, damit die Menschen ihre Probleme wieder selbstständig und friedlich lösen können. Weil schließlich nur die Polizei dafür verantwortlich ist, dass tagtäglich Verbrechen verübt werden.

So richtig es ist, dass Schwarze in den USA meist in der Unterschicht zu finden sind, so falsch ist es, diesen Umstand allein auf Rassismus zurückzuführen. Oder wie es der schwarze Ökonom Glenn Loury ausdrückt: „Rassismus existiert, aber er erklärt nicht, was hier passiert.“ Beispiel: Es stimmt, dass Schwarze in der Regel eine schlechtere Schulbildung haben als weiße Amerikaner. Und es stimmt auch, dass die meisten Insassen amerikanischer Gefängnisse schwarz sind, obwohl sie nur rund 15 Prozent der Gesamtbevölkerung stellen. Es stimmt aber auch, dass sieben von zehn schwarzen Kindern in den USA außerhalb der Ehe geboren werden und ohne Vater aufwachsen, was wiederum zu einer gestörten Entwicklung führt und Massen von verhaltensauffälligen Jugendlichen produziert.

Auch wenn es schwarze Bürgermeister gibt, bleiben die sozialen Probleme der Schwarzen

Und es stimmt auch, dass beispielsweise die Stadt Baltimore einen schwarzen Bevölkerungsanteil von knapp 65 Prozent hat, der Bürgermeister ein Schwarzer ist, dessen Vorgängerin eine Schwarze war und auch der Polizeipräsident ein Schwarzer ist. Trotzdem hat die Stadt unter den amerikanischen Großstädten am stärksten mit Armut, Verwahrlosung und Drogenabhängigkeit zu kämpfen.

Auch hat die Stadt eine sehr hohe Kriminalitätsrate und über 300 Morde im Jahr. Am Rassismus kann es hier also nicht liegen. Und dennoch, wenn man derlei Probleme anspricht, wird man Rassist genannt. Daher verbauen gerade diejenigen, die sich die Verbesserung der Lebensqualität der Schwarzen auf die Fahnen geschrieben haben den Weg zu Lösungen, weil sie tabuisiert werden.

Rassismus hat es schon immer und wird es auch immer geben, solange es Menschen gibt. Es handelt sich aber um kein exklusiv weißes Phänomen, wie gern und oft behauptet. Hass erzeugt immer Hass und führt nie zu einer Verbesserung. Und solange nach wie vor einfach jedes Mal stupide die Rassismuskarte gezogen wird, wenn man auf falsch laufende Prozesse trifft, wird sich auch niemals eine Besserung einstellen. Es sollte nicht darum gehen, ob schwarze oder weiße Leben von Bedeutung sind, sondern dass alle Leben zählen.

(Bild: Pixabay)


1 Kommentar zu “„Rassismus existiert, aber er erklärt nicht, was hier passiert.“

  1. Es war immer so, daß man einen Feind finden muß immer einen Recht zu haben, warum man das nicht akzeptieren kann.

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