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Reaktionen auf Hitzlsperger

hitzlspergerDer ehemalige Fußball-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat heute auf seine Weise »Ich bin schwul und das ist auch gut so« gesagt. Er ist damit der erste ehemalige Spitzenfußballer, der sich outet. Hitzlsperger hatte schon immer ein Gespür für populäre zivilgesellschaftliche Themen, schrieb für den Anti-Nazi-Störungsmelder der ZEIT und wurde dafür mit dem Julius-Hirsch-Preis 2011 ausgezeichnet.

Jetzt also sein Outing! Ein Paukenschlag! Der DFB sah sich sogar veranlaßt, eine offizielle Pressemitteilung zum Outing herauszugeben. Die Öffentlichkeit und Presse ist begeistert. Ich nicht. Mir ist es nämlich vollkommen egal, was ein Fußballer in seinem Schlafzimmer treibt, ob er mit einem Mann oder einer Frau vögelt, ob er sich nach der aktiven Karriere zu einer Geschlechtsumwandlung entschließt oder ob er viele Seitensprünge hat.

Was mich nervt, ist, wie die Privatsphäre und Intimität durch solche öffentlichen Outings beschädigt wird. Muß bald jeder bekennen, ob er hetero oder homo ist und wenn er/sie hetero ist, zusätzlich anmerken, daß dies selbstverständlich Toleranz für Homosexuelle einschließt?

Hier die öffentlichen Reaktionen auf Hitzlsperger in Kurzfassung. Es liest sich alles ziemlich freiwillig-gleichgeschaltet:

Die Entscheidung von Thomas Hitzlsperger, sich als erster prominenter Fußballer öffentlich zu seiner Homosexualität zu bekennen, ist auch nach seiner aktiven Karriere ein großer und mutiger Schritt und im Kampf gegen Homophobie sicherlich wegweisend. (Reinhard Rauball)

 

Als Thomas noch aktiver Nationalspieler war, hatten wir von seiner Homosexualität keine Kenntnis. Er hat sich erst nach seinem Karriereende an uns gewandt und uns darüber informiert. Dass er sich nun auch öffentlich bekennt, verdient Anerkennung und Respekt. Ich begrüße diesen Schritt, wir werden ihm alle Unterstützung zukommen lassen, damit er seinen mutigen Weg weitergehen kann. (Oliver Bierhoff)

 

Endlich hat ein Fußballer den Mut, seine Homosexualität öffentlich zu machen – zumindest in engem Zeitabstand zu seiner Karriere. (Theo Zwanziger)

 

Nr.1 Hitz the Hammer mutig! (Volker Beck)

Bild: Egghead06 / Wikipedia / CC

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

9 Kommentare zu “Reaktionen auf Hitzlsperger

  1. WAS? Das der Typ schwul ist hat man doch gemerkt! In jedem Interview, jeder Pressekonferenz hat man es gemerkt! Viele hatte schon lange den Verdacht und die Überzeugung, dass »The Hammer« homosexuell sei! Jetzt gibt er es zu?So sensationell, als würde man feststellen, der Himmel wäre blau!

  2. Kjell der Rebell

    Was soll ein Fußballer auf die Frage, ob er schwul oder hetero ist, antworten? Wenn er sagt: »Geht euch einen Scheißdreck an!«, dann gibt er damit ja schon zu, dass er schwul ist; denn wenn er hetero wäre, würde er das ja einfach sagen. Wer sich nicht outen will, muss also lügen. Das ist traurig. Tatsächlich sagen dann wohl (fast) alle schwulen Fußballprofis, sie seien hetero. Was einem bekennenden Schwulen gerade von Seiten der gegnerischen Fans entgegenschlagen würde, hat ja auch Oliver Kahn schon mal in einem seiner seltenen hellen Momente festgestellt…
    Man mag den Hitzlsperger-Hype albern und nervig finden, aber da sich bislang alle Fußballprofis als hetero dargestellt haben, ließ sich der Hype nicht vermeiden. Falls sich weitere Fußballprofis – am besten vor dem Karriereende – anschließen sollten, dann werden wir irgendwann den erstrebenswerten Zustand erreichen, dass die Luft raus ist und man aufhört, ständig über die sexuelle Orientierung diverser Fußballer zu spekulieren („Na, wann outet sich denn der Marco Reus endlich mal?“).
    Noch ein Aspekt an Hitzlspergers coming out ist bemerkenswert: Er sagt, ihm sei erst in den letzten Jahren klar geworden, dass er lieber mit einem Mann zusammenleben möchte. Wie bitte??? Wenn ihm das nicht spätestens seit der Pubertät klar war, dann kann er ja sooooo schwul nicht sein. Er ist wohl eher bisexuell. Ist ja auch logisch, dass der Übergang zwischen hetero und homo fließend ist und es viel mehr Bisexuelle als Homos gibt. Bemerkenswerterweise sind aber deutlich mehr Leute bekennend Homo als Bi. Wird bei genauer Betrachtung auch klar: Wer sich zu homoerotischen Neigungen bekennt, gilt erstmal als schwul. Wer das dann nicht bestätigt, gilt als Feigling. Und wer als Bisexueller nicht die ungezwungene Atmosphäre in der Freundschaft zu seinen Kumpels riskieren will, tut lieber für immer so, als sei er ein „ganz normaler“ Hetero.
    Bis der unverkrampfte Umgang mit der sexuellen Orientierung in unserer Gesellschaft möglich wird, müssen wir wohl noch einen weiten Weg gehen… Wie schade, dass unser geliebtes Land den Weg bald immer deutlicher erkennbar anders herum gehen wird: In Richtung des intoleranten, islamischen Deutschlandistan! Bis dahin wird hoffentlich meine Asche längst im Meer verstreut sein…

  3. Urwinkel

    »Ich bin schwul und das ist auch gut so« –

    Damit ist doch alles gesagt. Wer das zwanghafte Bedürfnis hat, seine Bettkantengeschichten öffentlich auszubreiten, kann es machen. Das ist gut! Gut ist auch, daß liberal-zeitgeistige Metrosexuelle diese inflationäre Winterlochmeldung nur beläufig aufnehmen werden. Die Boulevardblätter haben das für morgen ganz sicher schon auf den Titelseiten. Nächste Woche ist es vergessen. Der Hitzelsperger wird anschließend noch durch die TV-Quasselbuden gereicht; wetten? Der postulierte »Mut« zum Bekenntnis zur Homosexualität sind unter der Rückendeckung von Volker Beck und Katrin Göring-Eckardt keine befriedigende Heldentat. Geschlechtliche Liebesgewohnheiten gehören nicht in die Öffentlichkeit – wäre da nicht der Voyeurismus der Masse. Dieser kann kann sich ablehnend-agressiv oder auch freundlich-zuwinkend äußern. Irritierend an der Nebensächlichkeit eines »Outings« ist dessen penetrante Betonung in den ÖR-Nachrichten; in diesem Fall sogar mit wohlwollender Unterstützung des Regierungssprechers Seibert. NB: Auch die (früher oder später zu erwartende) Begnadigung des Pussy Riot-Mädchens vor wenigen Wochen durch Putin war zwei Tage lang Top-Meldung in Deutschlands ÖR-Sendern. Auch so ein »Paukenschlag«, den aber keiner mehr hörte. Pussy, häh..wer war das noch mal??

    NB2, an die Lobbyisten: Ein kleiner, schriftlicher Ratgeber zum Umgang mit sich als schwul-outenden Handwerkern entlang geltender AGG-Richtlinien wäre mal interessant.

  4. Der Volker Beck ist ja richtig eloquent

  5. Arminius Arndt

    Ich frage mich immer, was daran »mutig« sein soll, zu sagen, dass man schwul ist und dabei ist es komplett egal, welchen Beruf man ausgeübt hat (es weis doch jeder, dass da, wo viele Männer sind, immer auch Schwule sind – Das war schon immer so, warum sollte das beim Fußball anders sein, als beim Militär, auf dem Bau etc? Es wurde halt nie eine Politikum daraus gemacht – Das ist seit Ende ´68 das Neue daran, sonst nichts).

    Außerdem interessiert das doch hierzulande ernsthaft niemanden mehr … (evtl. könnte es mutig sein, so etwas öffentlich zu sagen, wenn man in Saudi-Arabien lebt, aber in in Mitteleuropa?)

    Überhaupt, jedes mal, wenn das Wort »mutig« fällt, weis man, was für ne Leier kommt. »Mutig« ist heutzutage ein »Soundwort« für die ganze bunte Sch …

  6. Alexander

    Hitzlsperger scheint eine Welle losgetreten zu haben, denn auch Akif Pirinçci hat sich geoutet:
    http://ef-magazin.de/2014/01/09/4819-akif-pirinci-ich-bekenne-mich-zu-meiner-heterosexualitaet

  7. Er ist also schwul und hat sich geoutet?
    Ja schon klar; man hört in den Nachrichten ja gar nichts anderes mehr:
    Krieg in Syrien?
    Nichts, denn ein schwuler DFB-ler hat sich geoutet!
    NSA Affäre?
    Nichts, denn ein schwuler DFB-ler hat sich geoutet!
    NSU-Fall? (zu dem Gerhard Wisnewski wieder mal sehr viel interessantes in seinen neuen Büchern berichtete: http://tomorden.npage.de/gerhard-wisnewski.html)
    Nichts, denn ein schwuler DFB-ler hat sich geoutet!
    Und die G.W. Bücher erschienen vor dem Outing 🙂
    Klimawandel?
    Nichts, denn ein schwuler DFB-ler hat sich geoutet!
    Welthunger?
    Nichts, denn ein schwuler DFB-ler hat sich geoutet!
    Krieg in Zentralafrika?
    Nichts, denn ein schwuler DFB-ler hat sich geoutet!
    Revolution des »Orden der Patrioten«?
    Nichts, denn ein schwuler DFB-ler hat sich geoutet!
    Wirtschaftsprobleme der USA?
    Nichts, denn ein schwuler DFB-ler hat sich geoutet!
    Streit zwischen Japan, Süd-Korea und China um ein paar Inseln?
    Nichts, denn ein schwuler DFB-ler hat sich geoutet!
    Putins Kampf FÜR die Familie?
    Nichts, denn ein schwuler DFB-ler hat sich geoutet!
    Armutseinwanderung in die BRD?
    Nichts, denn ein schwuler DFB-ler hat sich geoutet!
    Tja, so läuft das in den Mainstreammedien.
    Schön das man weiß, wo deren Prioritäten liegen…

  8. Aus der Hitzelperger-Debatte kann man nach nunmehr zwei Tagen deuten, daß es um eine Ent-erotisierung der Sexualität geht. Der Spruch »Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag‹ ich dir den Schädel ein« trifft im Klima sexueller Früherziehung und Heroisierung homosexueller Bekenntisse (in diesem Fall durch einen Fussballspieler und die ihn instrumentalisierenden Medien, Parteien, akademisch ausgebildeter 68-Nachwuchs plus) gespenstisch ins Ziel applaudierender Gesellschaftskonstukteure. Abgesehen von sonderbaren und speziellen SM-Praktiken, die sich allgemein erst im mündigen Alter ausprägen, ist Sexualität etwas Geheimisvolles; das sich schulischer und staatlicher Kontrolle wie ein scheues Tier der Beobachtung und jeglicher Regelmentierung entzieht. Ein erster beantworteter Liebesbrief des Mädchens aus der 7b ist einem deutlicher in der Schulerinnerung als das Gelernte oder die hässliche Papageien-Kataloganziehmode inkompetenter Erzieher und Lehrer nebst ihres dümmlichen Geplappers. Es ist ein Fakt, daß die sogenannten 68er altern und sterben. Mit der Hinterlassenschaft verbrannter Erde wollen aber auch sie sich nicht abfinden. Ihren verblendeten Nachkommen ist jedes Gespür für den Zusammenhang zwischen Erotik und Fruchtbarkeit abhanden gekommen. Deshalb gibt es neben konstruierten Transgendergeschlechtern auch die hofierte Homokaste, die eigentlich nur aus homophilen Quacksalbern besteht. Ihr Lebensinhalt ist der Hedonismus und die Belehrung ihrer Skeptiker. Um die hässlichen Folgen wie A-sexualität, Lustlosigkeit und Unfruchtbarkeit drücken sich diese »Weltverbesserer«. Die »Generation Porno« trägt dieses, ihr Stigma freiwillens auf den Sexmarkt. Feminine und maskuline Zoten gleichen sich aufs Wort: »Du Homo!«, z.B. ist eine triviale Äußerung, die häufig in Bussen gehört wird und die nichtmal böse gemeint ist. Demgegenüber stehen alte Kenner von Wilhelm Reichs »Orgon-Theorie« doch eher fassungslos gegenüber. Auch wenn noch keine fünfzig, sitzen sie reich aber kinderlos in den Erinnerungen an ihre beste Zeit und – reden..

    Darling Krienen redet auch, und hat was zu Hitzelsperger zu sagen: lustig, analytisch und zutreffend:

    http://www.campodecriptana.de/blog/2014/01/09/1978.html

    Soweit, so tragisch. Den Modernisierern der Gesellschaft sinkt gerade die Bastion runter und die potentiellen Helfer (der Nachwuchs!) sind zu verwöhnt, gleichgültig und schwach um helfend einzugreifen. Der angegraute Vater fragt im Namen seiner Familie: Was haben wir falsch gemacht? Ratet mal!

  9. Outing zu etwas was man vorher nicht widerlegen zu sein musste (wie früher), welche Diskriminierung hat man heute damit überwunden? Vermutlich ist nicht beachtet werden die neue Diskriminierung.

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