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Real-Satire BRD: Marina will keine Berufspolitikerin sein

Wir hatten einen guten Riecher, als wir Ende des letzten Jahres begannen, Marina Weisband von der Piratenpartei genau zu beobachten. Mit unseren stets ironischen Texten über sie versuchten wir, ein übergeordneten Thema zu beleuchten: die Real-Satire Bundesrepublik Deutschland.

Die Geschichte geht so: Eine Psychologie-Studentin aus Münster führt ein kleines, nettes Tagebuch. Zudem ist sie in eine neue Partei eingetreten, weil sie sich mehr Transparenz in der Politik wünscht. Marina kommt ursprünglich aus Kiew, sie ist Jüdin und viele Journalisten finden, sie sieht nett aus. Das ist der Grund, warum sie bald in jeder zweiten Talkshow sitzen darf, dort aber nicht ernst genommen wird, auch wenn sie andauernd über Politik sprechen will. Ganz und gar nicht politisch bloggt Marina mittlerweile auch für die FAZ, die früh erkannt hat, daß in ihr nicht nur eine geborene Politikerin, sondern auch eine erstklassige Kolumnistin steckt.

Die Journalisten haben sie also entdeckt und wollen nun wissen, wie das neue Sternchen am Politiker-Himmel privat lebt, wie sie sich so fühlt im Rampenlicht und wie sie mit der ganzen Veränderung umgeht. Inzwischen ist es so, daß, wenn Marina über ein soziales Netzwerk einen Kommentar abgibt, die großen Leitmedien darum konkurrieren, wer ihn zuerst zitiert. Am Ende steht er jedoch ganz sicher überall in jeder großen deutschen Zeitung.

So richtig mitspielen will Marina dennoch nicht und gibt auf der Internetseite ihrer kleinen Partei, die es gerade mal in ein Landesparlament geschafft hat, bekannt, daß sie jetzt ein Jahr Pause bräuchte, um ihr Studium abzuschließen.

Es gibt Dinge, über die ich mir sicher bin. Ich werde im nächsten Jahr aktiv bei den Piraten mitarbeiten und unsere Politik und unsere Vision mitgestalten. Zu den Dingen, über die ich mir unsicher bin, gehört, ob ich das als Bundesvorstand tun werde. Ich kann auch heute leider nicht abschließend sagen, ob ich erneut kandidiere, aber aller Wahrscheinlichkeit nach nicht.

Der Grund ist, dass ich es in letzter Zeit gesundheitlich nicht schaffe, euch ein so zuverlässiger Bundesvorstand zu sein, wie ihr es verdient. Ich muss neben der Parteiarbeit ja auch mein Diplom stemmen. Das ist für eine Person zu viel. Ich will mich aber nicht auf die gefährliche Schiene des Berufspolitikers begeben, der seine Berufsqualifikation zugunsten seiner politischen Laufbahn aufgibt. Diese Menschen tun alles, um in der Politik zu bleiben und genau deshalb haben wir Korruption. Dazu war es immer mein Traum, Psychologin zu werden, und den möchte ich auch jetzt nicht aufgeben.
Ich plane, ein Jahr Pause zu machen, etwas zu genesen, mein Diplom zu machen. Ich werde inhaltlich die Politik mitgestalten können, ohne mich der Neutralität zu fügen, die dieses Amt von mir erfordert. Ich werde, wenn die endgültige Entscheidung gefallen ist, dazu noch einige Zeilen schreiben. Wisst nur, dass mir das Projekt Piraten ein Herzensprojekt bleibt.

Das wiederum sorgt dafür, daß sich über 400 Blätter (so zumindest laut Google) über dieses »Ich bin ein Star, holt mich hier raus.« die Mäuler zerreißen. Was macht die Marina da? Will sie, daß ihre Partei jetzt untergeht? Jetzt, wo diese so ganz ohne ihr Sternchen dasteht? Will sie etwa nicht schon bald im Bundestag sitzen, dort ordentlich verdienen und die Phrasen der Anderen nachplappern? Und denkt die Marina überhaupt auch nur einmal kurz an uns, die Journalisten, die doch über irgendetwas schreiben müssen. So wird es kommen, wie es kommen muß: BILD, SPIEGEL, FOCUS, FAZ und all die anderen Blätter gehen pleite, weil es die öffentliche Marina vorerst nicht mehr gibt. Und wem nutzt das?

Den bösen Rechten. Die haben nämlich still und leise weiter über Deutschland nachgedacht und den Leuten somit immer noch was zu sagen.


Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

3 Kommentare zu “Real-Satire BRD: Marina will keine Berufspolitikerin sein

  1. Jan Jansen

    Armselig, diese dauernde Bashing…
    Schön im Wohnzimmer hocken und bei ner Tasse die Leute runtermachen (man kann schon von stalken reden), die sich wenigstens engagieren…

  2. Hans-Christof Tuchen

    Das Institut für Staatspoliik lehrt, daß Parteipolitik die daran Beteiligten verdirbt. Frau Weisband hat schnell gemerkt, wie hohl der ganze Betrieb und seine mediale Verwurstung ist, und macht jetzt wieder etwas Vernünftiges. Und die Blaue Narzisse kann sich mit ihren Sticheleien nicht mehr an einem Medienhype beteiligen, den sie der Piraten-Geschäftsführerin offenbar neidete. Eine Gewinnerin und ein Haufen Verlierer!

  3. Lieber Herr Tuchen,

    wir müßten nur neidisch auf Marina sein, wenn durch den beschriebenen Medienhype eine tatsächliche politische Veränderung unseres Landes stattgefunden hätte.

    Richtig ist, daß ich mich dem Medienhype sofort aussetzen würde, wenn eine gravierende politische Veränderung dadurch möglich werden könnte.

    Im Fall von Marina geht es ja aber – wie von mir im Artikel angedeutet – überhaupt nicht um Politik, sondern um Frisuren, Brüste und intime Einblicke in ihr Leben (via Twitter präsentiert).

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