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Rechte Bücher les ich nicht

LNdB2011_cmyk_20131024_zwHeute findet in Berlin die Lange Nacht der Bibliotheken statt. Neben Schul- und Universitätsbibliotheken nehmen auch die entsprechenden Einrichtungen des Jüdischen Museums, der Stiftung Topographie des Terrors und des Deutschen Instituts für Menschenrechte teil. Ach ja, und dann gibt es dieses Jahr noch einen umstrittenen Neuzugang: die Bibliothek des Konservatismus.

Die Teilnahme dieser Bibliothek kritisieren seit einigen Tagen linke Medien, Hochschulvertreter und Politiker. Gegenüber der taz betont Karen Schmohl vom Organisationsteam der Langen Nacht, man könne die Bibliothek des Konservatismus nicht ausschließen, da noch kein Strafantrag gegen sie vorliege und niemand ihren Ausschluß aus dem Deutschen Bibliotheksverbund beantragt habe.

Stefan Rogge, ein Kollege von ihr, ergänzt:

Die Vorwürfe, die uns in den letzten Tagen erreichten, werden wir prüfen. Wir wollen fragen, ob der Rechtsstaat die Meinungsäußerungen und die Gesinnung der Bibliothek des Konservatismus aushalten muss oder nicht. Da die Prüfung nicht in Kürze zu leisten ist, schließen wir die Bibliothek aber nicht aus.

Gesinnungsüberprüfung, Meinungsfreiheit und Rechtsstaat – na, ob das alles so gut zusammenpaßt, hätte die taz ruhig mal fragen können. Macht sie aber natürlich nicht, weil auch ihr Beitrag in denunziatorischer Absicht erschienen ist. So kommt auch Hannah Eberle vom Asta der TU Berlin zu Wort:

Wir finden es skandalös, dass die Bibliothek des Konservatismus sich ohne hörbare kritische Stimmen in der Langen Nacht der Bibliotheken in eine Reihe stellen darf mit weltoffenen Bibliotheken wie zum Beispiel unserer Universitätsbibliothek.

In der Bibliothek des Konservatismus finde »Networking von Rechten« statt, was anscheinend in einem freien Land verboten ist. Abschließend darf auch noch das Netzwerk »Recherche und Aktion« eine pseudowissenschaftliche Einschätzung zur umstrittenen Bibliothek abgeben. Diese fungiere als »ideologische Schnittstelle bis weit ins deutschnationale und völkische Lager«.

Der Nazi-Störungsmelder der ZEIT überbietet diese Hetze sogar noch und bezeichnet die Bibliothek als eine »der bedeutendsten Einrichtungen der Neuen Rechten«. Dabei scheint dem Denunziationsportal entgangen zu sein, daß die der Jungen Freiheit nahestehende Bibliothek genauso wie die Wochenzeitung seit Jahren nichts vom Begriff der »Neuen Rechten« hören möchte. JF-Chefredakteur Dieter Stein, der zugleich der Förderstiftung der Bibliothek vorsteht, hat schon 2005 in einem kleinen Büchlein dargelegt, warum der Begriff der »Neuen Rechten« seiner Meinung nach allein der Stigmatisierung des konservativen Lagers dient.

Der »Störungsmelder« hat in diesem Büchlein natürlich nicht nachgeschlagen, sondern bei dem Berliner Landesvorsitzenden der Jusos, Kevin Kühnert, nachgefragt:

Berlins Kulturlandschaft wird für seine Vielfältigkeit geschätzt. Doch wo rechtskonservativen Netzwerken Räume geboten werden, wird diese Vielfältigkeit überstrapaziert und wird deren Propaganda relativiert. Solche Entwicklungen werden wir nicht akzeptieren.

Die JF und Bibliothek des Konservatismus können also machen, was sie wollen. Wenn sie sich »rechts« nennen, ist das genauso falsch, wie wenn sie darauf hinweisen, daß sie konservativ sind und auf dem Boden des Grundgesetzes stehen. Denn, so die ZEIT:

Unter dem harmlos erscheinenden Begriff des »Konservatismus« werden so auch deutschnationale und völkische Positionen einer breiten Masse zugänglich gemacht. Letztendlich zeigt dies auch, wie selbstbewusst und offen die neurechte Führungsriege mittlerweile agiert. Die vorgegebene Strategie, den gesellschaftlichen und politischen Einfluss auszubauen, um eine »rechte Hegemonie« zu erringen, scheint langsam aufzugehen.

Und damit diese angebliche Strategie dann doch nicht aufgeht, müssen alle Anfänge aufs Schärfste bekämpft werden. Niemand darf in konservativen Bibliotheken stöbern und sollte ja keine »rechten« Bücher zur Hand nehmen, um die linke geistige Reinheit zu wahren.

Für so viel Beschränkheit bleibt mir nur ein Kommentar übrig: Liebe Linke, viel Spaß in eurem geistigen Ghetto! Wir können eure (linken) Bücher ohne Ansteckungsgefahr in aller Ruhe lesen, stimmen manchen Thesen sogar zu, andere lehnen wir ab, weil wir bessere Argumente in besseren Büchern gefunden haben. Das ist gelebte geistige Vielfalt. Wir haben sie. Ihr nicht!

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

5 Kommentare zu “Rechte Bücher les ich nicht

  1. Die gelebte geistige Vielfalt Linker erschöpft sich darin, Wahlplakate wegzureißen. Diese Leute sind dermaßen beschränkt, daß man es kaum glaubt. Aber die Zitate beweisen es. Diese Parteisoldaten sind im Ernstfall verloren. Diese Typen bekommen einen Herzinfarkt in Konfrontation mit der Realität. Das Aufwachen ist für sie unvorstellbar und auch nicht zumutbar, deshalb gestalten sie ihre Realität nach Kräften selbst. Besitzstandswahrung, Revierverteidigung kann man das nennen. Es gibt in der Szene Charaktere, die man aus bürgerlicher Sicht Versager nennt. Die kommen unter bei Links und Grün, reißen unötigerweise ihr Maul auf, und sind wenns drauf ankommt zu nichts zu gebrauchen. Den Alten und Ernährern sollte man das nicht zu krumm nehmen; aber die Jungen, die Nachfolger haben eine Klatsche verdient.

  2. Charles Neuer

    Wenn man das so liest, kann man wohl davon ausgehen, dass die »Bibliothek des Konservatismus« nächstes Jahr nicht mehr teilnehmen kann.
    Als kleiner Test könnte man doch proforma mal eine »Bibliothek des Marxismus/Leninismus« gründen und die dann bei dem Anlass anmelden. Vorausgesetzt natürlich, solch eine Bibliothek besteht nicht schon…. bin mir da nicht so sicher….

  3. Die ständige Angst vor der Herausforderung und der Ruf nach Verboten sind doch nur Zeichen für die tiefe innere Verunsicherung dieser Menschen. Würde man den eigenen Standpunkten vertrauen, hätte man keine Angst vor der geistigen Herausforderung; und wäre man so »weltoffen« wie man tut, würde man diese Herausforderung sogar begrüßen, weil man an ihr wachsen könnte. In den geistigen Wüsten der Linken wächst aber schon lange nichts mehr. Mit solchen Aktionen entlarvt sich ein geistig versteinertes, innerlich erstarrtes Ideologiefossil selbst, das wie jede Weltanschauung im Spätstadium im Dogmatismus die letzte Zuflucht vor der Wirklichkeit sucht.

  4. »Völkisch« ist doch selbst bei Linken nicht schlimm. Man äh Mensch muss nur dem richtigen Volk angehören. Oder wie ist die gewünschte Einführung des Doppelpasses zu verstehen. Ein Pass nach dem Geburtsortprinzip, und ein Pass nach dem ganz bösen »völkischem« Abstammungsprinzip.

  5. »Niemand darf in konservativen Bibliotheken stöbern und sollte ja keine »rechten« Bücher zur Hand nehmen, um die linke geistige Reinheit zu wahren.«

    Nicht nur das. Selbst eine Altpapiertonne könnte noch durch »rechte« Literatur besudelt werden:

    Ein Baustoff, der gern zum ökologischen Dämmen von Häusern verwendet wird, weil er den Energieverbrauch um 24 Prozent mindert. Doch nicht jedes Buch kommt für Ellen Vegelahn in Frage.

    »Rechte Literatur haben wir grundsätzlich abgelehnt zu vernichten, ganz ehrlich, das würde ich auch keinem Kunden zumuten: Dämmung aus rechter Literatur, das war für uns immer ein Tabuthema.«

    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/reportage/2280275/

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