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Reime gegen Rechts

Die Stadtbibliothek Chemnitz gehört selbstverständlich auch zu den Institutionen, die Gelder im »Kampf gegen Rechts« erhalten. »Lesen gegen Gewalt« heißt seit mindestens zwei Jahren die offizielle Projektbezeichnung, mit der sich die Bibliothek Fördergelder aus dem Lokalen Aktionsplan für Demokratie, Toleranz und für ein weltoffenes Chemnitz (LAP) sichert.

Nun hat man sich in der Stadtbibliothek anscheinend an das schöne Lied »Nicht der Pflicht nur zu genügen« erinnert und deshalb eine zweite Aktion gestartet. »Reime gegen Rechts« heißt sie und endete völlig unbemerkt von mir (sonst hätte ich mich beteiligt) im März 2012. Die Stadtbibliothek Chemnitz schreibt über die Aktion:

Vielen Dank an alle Teilnehmer unserer Aktion »Reime gegen Rechts«. Leider stieß unser Aufruf nur auf geringe Resonanz. Insgesamt erhielten wir 15 Einsendungen.

Zum Vergleich: Bei unserem Rilke-Preis erhielten wir 170 Einsendungen! Hätten wir von der Aktion früher erfahren, hätten wir selbstverständlich alle BN-Autoren und -Leser zum Mitmachen aufgefordert und wären bestimmt allein auf mindestens 30 schöne Gedichte gekommen.

Die Jury (Ines Vorsatz, Ines Hoppe, Günter Saalmann, Gerald Richter, Uwe Hastreiter) hat davon sieben Texte für den öffentlichen Vortrag zum Chemnitzer Friedenstag ausgewählt.

Fangen wir mal von hinten an. Wenn ich richtig zählen kann, bietet uns die Netzseite der Stadtbibliothek nur die besten sechs Texte an. Der sechste Platz ging an …

Der Fünfte März

Es ist an der Zeit…
Wenn nach Sechzig Jahren wieder Menschen sterben,

Weil die Schergen in den Städten ihren Hass bewerben

Der Sumpf des Vergessens scheint tief und weit

Es ist an der Zeit…
Siebenundsechzig Jahren im scheinbaren Frieden,
Mahnen uns die Wahrheit zu lieben.
Bis endlich das Edelweiß wieder gedeiht.

Es ist an der Zeit,
Dass wir geschlossen stehen
Die Fahnen der Vielfalt im Wind wehen.

Sind sie auch Viele – der Widerstand ist breit.

Tommy Trixa

»Schergen«, »Sumpf«, »Widerstand«. Der klare Handlungsappell gehört sicher zu den Vorzügen dieses »Gedichts«. Über den Rest darf sich der Leser Gedanken machen.

Platz fünf  …

Wenig Selbstvertrauen, nicht wertgeschätzt,

oftmals im Leben schon verletzt.

So wird man leichte Beute für Rechtsradikale,

man gehört zur Gruppe; setzt obendrein noch Fanale -

mit Verboten werden die falschen Zeichen gesetzt !

Dietmar Holz

Was lernen wir hier? Auch an der Volkskrankheit »Depressionen« sind die Nazis schuld. Vielen Dank Dietmar Holz!

Platz vier …

»Komm, lass uns Zebras sein. Wir malen uns Streifen an – du weiß, ich schwarz, damit der dumme Nazi uns nicht mehr unterscheiden kann.«

Frau Kah

Ohne Worte! Mir fehlt hier nur das dazugehörige Bild: Ich will Frau Kah schwarz angemalt sehen!

Platz drei … (jetzt geht´s richtig los)

Bei allem, was Recht ist, im Gedenken der Toten gehören NAZIS verboten

Katharina Weyandt

Es würde auch noch kürzer gehen: NAZIS RAUS!

Platz zwei …

Manche begreifen es nie:

Wir haben Demokratie!

»Bunte Vögel« sind an der Macht.

Manchmal werden sie ausgelacht.

Doch sei gut zu diesem Tier:

»Bunte Vögel« – das sind WIR!

Michael Beese

Ich würde mich freuen, wenn mir Michael Beese mal ein paar »bunte Vögel« in Brüssel zeigen könnte.

And the winner is …

Nix sehen&hören.

Nix tun.

Nicht stören.

Schweigen.

Nix sagen.

Nicht Denken&Fragen.

Stehen&Gaffen wie die 3 Affen.

Du willst was bewegen?*Aufregen!*

Verena Richter

Zum LAP noch eins: Im September letzten Jahres habe ich Klage beim Verwaltungsgericht Chemnitz eingelegt, weil mir der LAP nicht »bunt« genug ist und er gegen »demokratische Grundsätze« verstößt. Seitdem ist außer Papierkrieg nichts geschehen. Positiv gesehen: Es ist noch nichts verloren.


Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Meißen.

9 Kommentare zu “Reime gegen Rechts

  1. Selten so schlechte Gedichte gelesen… Ich habe aber auch noch eins. Auf Stil und Form kommt’s nicht an, wenn die Welt gerettet werden muß. Also:

    Um ein guter Mensch zu sein,
    Muß man Molly-Cocktails spein
    Und in die Fresse eines Bullen
    Wie eines Faschonazis schrullen.

    Erst und nur aus dieser guten Tat ersteht,
    Wenn man kein Meinungsdelikt begeht,
    Die Menschenliebe in, unter und über allen.
    Nur die Abweichler muß man zu Tode knallen.

  2. Oha, da geht ja einiges in Chemnitz! In Bayern bzw. Franken sind die Anti—–Faschisten noch nicht ganz so weit. Der aufrechte Gang klappt zwar einigermassen, aber anstatt solch anspruchsvoller Gedichte begnügt man sich bis jetzt noch mit dem Nachmachen von Tiergeräuschen »gegen rechts«.

  3. Tja, das war ja wohl gar nix. Wenn das alles sein sollte, was die LAPler zu bieten haben….

    Da reimt sich ja gar nichts. Richtig unterirdisch.

    Liebe LAPler, strengt euch nächstes Mal bitte an! Los, besorgts uns, ihr »Bunten Vögel«!

  4. Petrus Urinus Minor

    Das Gewinnergedicht ist doch vollkommen richtig – nicht gut, aber richtig.

    Wenn es doch nur auch so gemeint wäre…

  5. Dichter und Denker

    Was für eine unterirdische Aktion! Gott, wie schlecht! Vielleicht sollte mal jemand die Aktivisten von http://www.riket.org auf diese lyrischen Goldstücke aufmerksam machen und die ehrenwerten Herren dort bitten, der Chemnitzer Stadtbibliothek einen »Besuch« abzustatten. Dass sich die deutsche Kultur im Niedergang befindet, hat sich aber bestimmt eh schon bis nach Wien rumgesprochen. Die Brüder haben dort ja dasselbe Problem…

  6. eddy edmund

    Voellig krank…Personen die soetwas dummsinniges veranstalten kann man eigentlich nicht ernst nehmen…!Erst dacbte ich der Autor dieses Artikels versuchte sich-leicht missglueckt an einer Satire bezueglich Deppen P.K.oder vergleichbarem…!Trotzdem »kursiv« zu veroeffentlichen-manchmal sollte man dichterische Geistesgroessen nicht vor sich selbst schuetzen..Ha,Ha…mit Namen gedruckt -Spott und/oder Spitznamen sind sicher,Umfeld bleibt oft nichts verborgen..
    Lob ich mir die jiddischen »Nicht immer Freunde« in Israel, unbeschnitten guter Humor:Der bekannteste israelische TV Komiker veranstaltete ein Cartoonwettbewerb
    betreff des besten Holocaustwitz…Ziel war es die besten Holowitze mit persischem Namen getuerkt dort beim TV einzureichen…Ahmedineschad hatte umgerechnet 10.000 US Dollar fuer den besten Hololuegenwitz ausgelobt…der israelische Komiker fand die Idee witzig wenn incognito ausgerechnet ein Jude gewinnt…! Richtig humorig macht die Story allerdings erst ein anderer Fakt : nachdem es wohl mit der Persienteilnahme doch nicht geklappt hat machte der Komiker in Israel ein TV Show draus : die besten Witze & Cartoons zur Holowitzleugnung …es gab umgerechnet sogar 100.000 US Dollar- Perser duerften ausdruecklich mitmachen…Die TV Show des israelischen Fernsehens ist u.a. bei youtube zu sehen…das heisst nicht ganz »in deinem Land nicht verfuegbar« heisst es fuer Deutsche…! Womit sich der Kreis schliesst – BRD Schuldkult
    »nicht Humor« im Wettbewerb…! Gewonnen hat uebrigens ein Cartoon auf dem 2 alte Kiparisten vor dem beruehmten »Arbeit macht frei« eine Art Eintrittskasse aufgebaut haben »Mosche wollen wir den Deutschen nicht endlich die Wahrheit sagen?!«
    Nein antwortet der zweite Alte beim Blick in die Kasse »ein paar
    Millioenchen fehlen noch«..
    Awaiting..auf was auch immer…

  7. Norbert Naziklatscher

    Der Nazi ist ein armer Wicht,
    bei Diskussionen kleines Licht,
    er kann Parolen gröhlen nur,
    er ›glaubt‹ nur was und dafür stur.
    Im Kopf da sitzt ein großer Fimmel,
    in der Hose: kleiner Pimmel.
    Der Vater war wohl immer voll
    die Mama leider doof und oll,
    auch er so hässlich wie die Nacht,
    wird oft von and‹ren ausgelacht.
    Das einz‹ge was er kann ist hassen,
    bei allem andren muß er passen.

  8. Norbert Naziklatscher

    Nazis sind zu dumm zum scheissen,
    können nur das Maul aufreissen,
    hetzen, hassen und verbrennen,
    erst Bücher die sie nicht mal kennen,
    dann Menschen die ums Leben rennen.
    Empathie und Altruismus
    sind für sie nur »Kommunismus«,
    Wissenschaft und Menschenrechte:
    die Ursache für alles Schlechte!
    Ein Holocaust hat nicht gereicht,
    Dumpfbirnen wieder aufgeweicht,
    verlangen endlich das Vergessen,
    wir sollen sie nicht daran messen!
    Verantwortung wird abgelehnt,
    die eig’ne Schuld niemals erwähnt.
    Rassismus ist ein schlimmer Wahn,
    die Steinzeit wohnt gleich nebenan,
    die eigene Gruppe ach so heilig,
    ja so ein Hirn ist echt langweilig.
    Im Fussballstadion kannst du’s hören,
    zwischen den Ohren: kleine Möhren,
    bei vielen gar ein Vakuum,
    nur saufen prügeln ach wie dumm.

  9. Klaus-P. Kurz

    Vivat Prussia

    @ Norbert Naziklatscher:

    Tja, über Geschmack läßt sich ja bekanntlich nicht streiten, aber gewisse Standards darf’s wohl geben und daran gemessen ist Ihr Gedicht-Erguß, Herr “Naziklatscher” ganz unterste Schublade und zeugt von dem typischen “Brett vorm Kopf” der Mehrheit der heutigen Generation, zu der ich Sie einfach mal rechne: Also zu Leuten, die nur in Stereotypen denken und voll auf das Konto der Re-education verbucht werden müssen. Damit Sie aber nicht denken, unsereins, also alle von Ihnen so genannten “Voll-Nazis” hier, hätten keine Lust oder wären – noch wahrscheinlicher – ganz einfach nicht in der Lage, Ihnen Paroli zu bieten, widme ich Ihnen ein eigenes Gedicht zur weiteren Erbauung – unter Klarnamen, versteht sich, denn unseren Mut haben wir nicht verloren, Sie vermeintlicher Witzbold!

    Vivat Prussia

    Grosser Friedrich, steig‹ hernieder
    Und regier‹ uns Preussen wieder,
    Bürger, die noch schwach erahnen
    Wofür wehten einst die Fahnen
    Seien noch einmal das Pfand
    Für ein neues Vaterland.

    Hast Du uns dann den Mut gebracht,
    Erwacht vielleicht die alte Macht,
    Die, sofern in guten Händen,
    Mag das schlimme Schicksal wenden,
    Das den Deutschen wieder droht:
    Betrogen werden ohne Not

    Von der Gier der Immergleichen,
    Wie einst, so heut‹, der Superreichen.
    Und sicher war Dir schon damals klar,
    Wer deren “Festlandsdegen” war:
    Du, den sich der kleinste Bauersmann
    Und der ganze Staat zum Vorbild nahm.

    Aus Dir erwuchs eine Idee.
    Mehr sein als scheinen – heut‹ passe‹,
    Und Kargheit stand wie Disziplin
    Für Deinen Stil und seinen Sinn.
    Inzwischen sind wir satt und träge,
    Kaum einer, dem noch daran läge.

    Man zuckt die Achseln, resigniert
    Obwohl man ahnt, was dies gebiert,
    Das Dulden der Ermächtigung.
    Ja, Diktatur, erneut, punktum.
    Es mangelt uns an Mündigkeit.
    Ist das der Preis für Einigkeit?

    In gedankenlosem Gleichheitsfimmel?
    Wo allen winkt derselbe Himmel?
    In einem Moloch vieler Massen,
    Die einfach nicht zusammenpassen?
    Doch wenn’s um unser Geld geht, schon?
    Solch‹ Europa wär‹ ein Hohn!

    Drum, Alter Fritz, gib uns die Kraft, uns zu besinnen
    Auf diesen einst‹gen Glanz von innen,
    Den Armut bringt. Und Stolz auf Eigenständigkeit.
    Auf uns selbst, die wahre Geschichte. Dann wären wir soweit.

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