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»Rembrandt als Erzieher« lesen!

Der Zweiteiler über Rembrandt als Erzieher (1890) von Julius Langbehn gehört zu den Beiträgen in unserem Magazin, die wir sehr langfristig planen. Meistens kommt für solche Beiträge nur ein Autor in Frage, der sich fachkundig dazu äußern kann. Ich habe das Buch im ersten Semester meines Studiums gelesen. Einige Anstreichungen von damals möchte ich im folgenden kurz zitieren. Es geht gleich los mit den ersten Sätzen des Buches:

Es ist nachgerade zum öffentlichen Geheimnis geworden, daß das geistige Leben des deutschen Volkes sich gegenwärtig in einem Zustande des langsamen, einige meinen auch des rapiden Verfalls befindet. Die Wissenschaft zerstiebt allseitig in Spezialistentum; auf dem Gebiet des Denkens wie der schönen Literatur fehlt es an epochemachenden Individualitäten; die bildende Kunst, obwohl durch bedeutende Meister vertreten, entbehrt doch der Monumentalität und damit ihrer besten Wirkung; Musiker sind selten, Musikanten zahllos. Die Architektur ist die Arche der bildenden Kunst, wie die Philosophie die Arche alles wissenschaftlichen Denkens ist; augenblicklich gibt es aber weder eine deutsche Architektur noch eine deutsche Philosophie.

Unter den »deutschen Charakter« und »Stil« schreibt Langbehn dann:

Seele ist in einem Kunstwerk viel, aber nicht alles. Wie der Mensch aus Geist und Körper, Fleisch und Bein, Knochen und Mark besteht, so gliedert sich auch alles Kunstschaffen in zwei maßgebende Faktoren: Seele und Stil. Eine Individualität haben heißt Seele haben; eine geschlossene Individualität haben heißt Stil haben; (…) also persönliche Eigenart, die sich äußerlich sichtbar dokumentiert; die Person, um die es sich dabei handelt, kann ein Mensch oder ein Stamm oder ein Volk oder eine Zeit sein; Handschrift aber entsteht immer durch ein Zusammenwirken zweier Faktoren: eines beweglichen, der Hand, sowie eines festen, des Stiftes. Indem die beweglichen Faktoren des Kunstlebens: Volksindividualität und Einzelseele, sich um das feste Zentrum desselben: die bleibenden Gesetze des geschichtlichen Werdens gruppieren, entsteht Stil.

Ganz zum Schluß dann der Appell an uns:

(…) das neue geistige Leben der Deutschen ist keine Sache für Professoren; es ist eine Sache der deutschen Jugend, und zwar der unverdorbenen, unverbildeten, unbefangenen deutschen Jugend. Sie hat das Recht. »Es ist keine Zeile darin, die nicht erlebt worden wäre«, hat Goethe von seinen eigenen Gedichten gesagt; es wird um die deutsche Kunst erst dann gut stehen, wenn man von ihr ein Gleiches sagen darf. Das nennt man Wiedergeburt.

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