Alter Blog

Rilke verstehen und handeln

Unser Rilke-Preis läuft gut an. Während wir bis vor kurzem noch recht enttäuscht waren aufgrund der mäßigen Resonanz innerhalb der eigenen Reihen, zeigt sich nun, wie richtig die Ausrichtung dieses Wettbewerbs ist. Die Werbeoffensive läuft auf Hochtouren und die ersten Einsendungen sind bereits eingetroffen. Diejenigen, die die deutsche Kultur zerstören wollen, haben auch bereits reagiert und warnen vor dem Preis.

Von den Erfolgen in der Außenwirkung lassen wir uns jedoch nicht den freien Blick auf die Tatsache verstellen, daß unsere eigene Leserschaft noch viel zu wenig mit Kunst und Kultur anfangen kann. Das wollen wir ändern und nehmen den Rilke-Preis als Anlaß, euch in den nächsten Wochen und Monaten ausführlich die Gedankenwelt dieses großen Dichters vorzustellen. Das machen wir nicht, weil es eben interessant ist. Vielmehr stellen wir Rilkes Aufforderung »Du mußt dein Leben ändern!« als Motto voran. Als Persönlichkeiten können wir nur reifen, wenn wir uns auf die Tiefe des Lebens einlassen und der Schnellebigkeit trotzen.

Ein kleiner Vorgeschmack:

Jungen Menschen möchte ich immer nur dieses eine sagen (es ist fast das einzige, was ich bis jetzt sicher weiß) – daß wir uns immer an das Schwere halten müssen; das ist unser Teil. Wir müssen so tief ins Leben hinein gehen, daß es auf uns liegt und Last ist: nicht Lust soll um uns sein, sondern Leben.

[Auszug aus: Rilke - Du mußt dein Leben ändern; ab 85 Cent bei Amazon erhältlich]

Verwandte Themen

Gedicht: Geist weht über wassers dunst Geist weht über wassers dunst. frei erschließt er sich die weiten, eingeengt durch weiße seiten hingeführt zu hoher kunst. Stößt auf ufer, triff...
Klagepsalm Inmitten blut’ger Willkür wilder Heiden Entstand der Ordnung, des Gesetzes Glaube. Der Mann erhielt der hehren Scheidung Zeichen, Dem König zum Ged...
Über den Dichter Rolf Schilling, Teil 2 Ahnend, dass Vor- und Andeutung zur Befriedung nur der wenigsten Naturelle taugen, sah der Völkerpsychologe Wilhelm Wundt in Zeige-Bewegungen immer au...

Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

4 Kommentare zu “Rilke verstehen und handeln

  1. Brechts Bertl

    »Ich richte Ihre Aufmerksamkeit darauf, dass Rilkes Ausdruck, wenn er sich mit Gott befasst, absolut schwul ist. Niemand, dem dies je auffiel, kann je wieder eine Zeile dieser Verse ohne ein entstellendes Grinsen lesen.« Bertolt Brecht

  2. Ich schrieb bereits 1981 im damals noch lesbaren Spiegel:

    … Galt das für den jungen, für den »Cornet«-Rilke, der Gott und die Welt brünstig zu einer nach Kerzenlicht dürstenden Harmonie zusammenreimte, so litt der späte Rilke, der Gott der Existentialisten, daran, daß er mit den »Duineser Elegien«, mit den »Sonetten an Orpheus« zu einer Art Ersatzreligionstifter S.228 avanciert war. Das galt für die frommästhetischen Zirkel des inneren Widerstandes während der Nazizeit ebenso wie für die Heilssucher am Rande der Existenz, die, mit Rilke auf den Lippen, der Ruinenlandschaft um 1950 einen heiligen Sinn zu geben trachteten – allen voran Heidegger, der die rätselhaften »Engel« der »Elegien« mit Nietzsches »Zarathustra« gleichsetzte –, Gottesmittler in vorgeblich gottloser Zeit beide.

    Als die Gott- und Sinnsucher, die Grenzsituationsschnüffler, die Rilke-Exegeten der evangelischen und katholischen Wochenendakademien verschwunden waren, verschwand mit ihnen leider auch Rilke.

    Man erinnerte sich an Brechts zynische Bemerkung, der, ganz nüchterner Kerl, Rilkes Gottesbegriff als »schwul« zu blamieren trachtete – Rilke, das war auf einmal etwas, das man, reif und nüchtern geworden, hinter sich hatte.

    Nicht erinnerte man sich an Rilkes hellsichtiges Testament, das für den Fall der Unzurechnungsfähigkeit verfügte, daß »jeder priesterliche Beistand, der sich andrängen könnte«, von ihm fernzuhalten sei. Was ihm für sein Sterben glückte, konnte er für sein Werk nicht verhindern.

    In den sechziger Jahren wurde es daher Mode, für einen Rilke zu plädieren, der wie ein Fisch zu servieren sei. Ohne den Kopf (der späten Werke) und ohne den Schwanz (der frühen). Übrig blieb das kanonisierte Werk der Mitte: die makellosen Ding-Gedichte (»Der Panther«) und der von den Erschütterungen der Moderne geprägte Roman »Malte Laurids Brigge«. Als man ihn nicht zuletzt wegen der unerbetenen religiösen und existentiellen Inanspruchnahme des Spätwerks in die Ecke zum Abgetanen stellte (Rilke, das war in den siebziger Jahren ein hoffnungslos aus der Mode geratener Fall), kamen auch noch die Interpreten, die ihn zum Nazi, zum antisozialen Dichter, zum Antisemiten stempeln wollten.

    Das passende Werk hierfür, das des amerikanischen Germanisten Egon Schwarz (»Das verschluckte Schluchzen«), erschien 1972 und machte Rilke zum Rechtskonservativen. ..

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14347754.html

  3. Lieber Karasek, der Zitat da oben klingt trotzdem nunmal ziemlich nach verklemmter Homosexualität (bzw. pederastisch):

    »Jungen Menschen möchte ich immer nur .. an das Schwere halten…; das ist unser Teil. Wir müssen so tief ins Leben hinein gehen, daß es auf uns liegt und Last ist«

    Da hat Bertl recht, wenn er das »schwul« nennt.

  4. das Zitat 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Datenschutzinfo