Rezension

Rom und Athen sind die ewige Grundlage Europas

Georg Immanuel Nagel weist die Behauptung des israelischen Nationalisten Yoram Hazony, dass die europäische Kultur auf dem Judentum fußt, zurück.

Yoram Hazony ist israelischer Staatsbürger, orthodoxer Jude moderner Prägung, Präsident des Herzl-Instituts in Jerusalem und gilt als fanatischer Zionist. Sein Buch Nationalismus als Tugend, das im letzten Jahr in der Übersetzung von Nils Wegner im Grazer Ares Verlag, also im eindeutig neurechten Zusammenhang, erschienen ist, wurde auch vom Mainstream kontrovers besprochen. Insbesondere in den USA scheinen seine oft sehr eigentümlichen Thesen Gehör zu finden. Hazonys überschießender jüdischer Nationalismus hat ihn jetzt zu einigen gleichermaßen absurden wie entlarvenden Aussagen hinreißen lassen.

Europa soll von „Israel und der Bibel“ abstammen

„Es gab immer schon ein Problem mit der akademischen Erforschung der ‚klassischen Antike‘, die stets auf der Annahme beruhte, dass der Westen von Griechenland und Rom abstammt – aber nicht von Israel und der Bibel“, schreibt Hazony auf Twitter. Diese These sei, seiner Meinung nach, „antisemitisch“. Oha! Da fährt Hazony gleich die schweren Geschütze des zeitgeistigen Moralismus auf.

Ich halte Hazonys Behauptung, dass die europäische Zivilisation auf den Juden und ihrer Bibel fußen soll, für unglaublich anmaßend, chauvinistisch und eine Verblendung, die einem nur passieren kann, wenn man sich in seinen Nationalismus so extrem hineingesteigert hat, dass man jeden Bezug zur Wirklichkeit verliert.

Was das antike Israel mit der westlichen Zivilisation, also mit Rom und dem Griechentum, zu tun hat, ist lediglich, dass die Provinz Judäa Teil des orientalischen Reichs von Rom war. Damit wurden die Juden jedoch nicht auf magische Art zu Europäern. In der Antike waren die Juden in keiner Weise ein bedeutsames Volk. Die Römer haben in ihnen nicht viel mehr gesehen, als in den zahlreichen anderen kleinen Volksstämmen, die Teil ihres gewaltigen Imperiums waren. Dass später Juden nach Europa ausgewandert sind, ändert nichts an diesen Tatsachen.

Klassische Studien ohne die alten Sprachen?!

Mit seiner Stellungnahme reagierte Hazony auf die Ankündigung der einstigen Eliteuniversität Princeton, dass Studenten der Altertumswissenschaft nicht länger Latein oder Griechisch lernen müssen. Dies geschehe um „systemischen Rassismus“ zu bekämpfen und um „inklusiver“ zu sein. Für zu viele Farbige sei diese Hürde zu hoch. Um mehr „people of color“ durchs Studium zu bringen, müsse man eben die Anforderungen senken.

Aber natürlich ist ein Altertumswissenschaftler ohne Kenntnisse der klassischen Sprachen lächerlich. Das sieht auch Hazony so, doch er möchte noch eine dritte Sprache dazuschummeln: „Ich habe immer gedacht, dass Studenten der klassischen Altertumswissenschaft neben Griechisch und Latein auch Hebräisch lernen sollten.“

Das ist natürlich Unsinn, denn Hebräisch war schon in der Antike nur noch eine Sakralsprache, die lediglich die Rabbiner beherrschten. Die Umgangssprache in der Levante war zu Zeiten des Augustus Aramäisch. Gebildete Kreise, sowohl in Europa als auch im Orient, sprachen Griechisch. Es gibt nur ein einziges bedeutsames Werk der Antike, das auf Hebräisch erschienen ist, nämlich den Tanach, die jüdische Bibel, welche die Christen als „Altes Testament“ in ihren Kanon übernahmen.

Die gewaltige Wirkmächtigkeit dieses Textes kann niemand leugnen, doch diese Wirkmacht entstand erst durch die Vermittlung über das Christentum bzw. durch die europäische Weltexpansion, die diese Religion globalisierte. Fakt ist, dass in der Antike außer jüdischen Priestern niemand Hebräisch gesprochen hat. Auch heute lernen es nur Bibelforscher und eben die Juden selbst.

Es gab niemals ein „jüdisch-christliches Abendland“

Gegenwärtig geht Europa in eine post-christliche Zeit über, wird dabei aber natürlich trotzdem europäisch bleiben, denn das Spezifikum des Europäischen ist der europäische Mensch. Damit wird dann auch das Interesse an den religiösen Texten des Judentums und somit am Hebräischen noch kleiner werden.

Oswald Spengler würde dies als das Ende einer „Pseudomorphose“ bezeichnen, worunter er einen geschichtlichen Vorgang versteht, bei dem sich ein Element einer fremden Kultur dominierend über eine andere Kultur stülpt, die dieses fremde Element aber versucht durch Anpassung an die eigene Kultur kompatibler zu machen. Das Christentum wurde durch seinen jüdischen Gehalt in Rom als wesensfremd empfunden und nahm daher immer mehr heidnische Inhalte und Formen an. So entstand die katholische Kirche.

Trotz der überaus engen Verwandtschaft von Judentum und Christentum bildeten beide Religionen schnell einen Gegensatz. Das liegt auch daran, dass sie beide universalistisch sind. Zudem wird in beiden Religionen eine deutliche Aufwertung der In-Group mit einer gewissen Herabstufung der Out-Group verbunden.

Theodor Herzl lag richtig

Es ist mir unbegreiflich, wie man einerseits so sehr über „Antisemitismus“ jammern kann, aber gleichzeitig meint, dass das Judentum neben Griechentum und Rom eine dritte Säule der europäischen Kultur bilden würde. Was heute als „Antisemitismus“ bezeichnet wird, ist der Konflikt zwischen Juden und der Mehrheitsgesellschaft, wie er in multikulturellen Bevölkerungen immer auftreten muss.

Die Juden wurden als fremd empfunden, weil sie nun einmal fremd waren, weil sie aus einem fernen Kulturkreis eingewandert sind. Sie lebten dann auch in Europa meistens unter sich. Die Abgrenzung der Juden von den „Goyim“ durch ihre religiösen Gebräuche und die Ausgrenzung durch die anderen bedingten sich gegenseitig. Bis zur Judenemanzipation im 19. Jahrhundert war es noch ein langer Weg – und dieser führte direkt zur Geburt des modernen „Antisemitismus“.

Der Begründer des Zionismus, Theodor Herzl, hatte diese Problematik nüchtern analysiert, verstanden und eine praktische Lösung vorgeschlagen: Die Remigration nach Zion, die Gründung von Israel. So schrieb Herzl in seinem Opus Magnum Der Judenstaat: „Die Judenfrage besteht. Es wäre thöricht sie zu leugnen. Sie ist ein verschlepptes Stück Mittelalter, mit dem die Culturvölker auch heute beim besten Willen noch nicht fertig werden konnten. Den grossmüthigen Willen zeigten sie ja, als sie uns emancipirten. Die Judenfrage besteht überall, wo Juden in merklicher Anzahl leben.“ Es scheint so, als würde der Präsident des Herzl-Instituts Hazony den Propheten seines Vaterlandes niemals gelesen haben. Er sollte dies schleunigst nachholen und von Herzl lernen.

Die Juden kämpfen militärisch gegen Griechen und Römer

Dass das orientalische Judentum und das indoeuropäische Rom immer einen Gegensatz bildeten, zeigt auch der Umstand, dass jüdische Fanatiker mehrmals eine blutige Revolte gegen den ungeliebten Hegemon anzettelten. Bekanntlich wurde im ersten jüdischen Krieg anno 70 der jüdische Tempel in Jerusalem zerstört. Dies wird immer noch beim Fest „Tischa beAv“ betrauert. Das Fest „Lag baOmer“ erinnert wiederum an eine andere Erhebung gegen Rom, den Bar-Kochba-Aufstand.

Das bekannteste jüdische Fest ist wahrscheinlich „Chanukka“. Dies erinnert an die Neueinweihung des Tempels in Jerusalem, nach dem erfolgreichen Makkabäer-Aufstand. Die Makkabäer erhoben sich gegen hellenisierte Juden und die griechische Dynastie der Seleukiden. Dabei wurde ein Zeus-Alter, dem man im Tempel aufgestellt hatte, voller Verachtung zerstört. Der Makkabäer-Aufstand richtete sich also gegen die Annahme der griechischen Kultur durch Juden. Die Anhänger des nach eigener Auskunft eifersüchtigen Jahwehs wollten neben ihrem Gott die europäischen Götter nicht dulden.

Wenig gesprochen wird über den sogenannten Diasporaaufstand gegen Römer und Griechen in den Jahren 115 bis 117. Dieser ging nicht in Israel selbst, sondern in fremden Städten, in die Juden ausgewandert waren, über die Bühne. In der Kyrenaika, in Ägypten, auf Zypern und in Mesopotamien schlugen die jüdischen Aufrührer nacheinander los und richteten unter der Zivilbevölkerung ein entsetzliches Blutbad an. Cassius Dio berichtete darüber in seiner „Römischen Geschichte“: „Inzwischen hatten die Juden der Kyrenaika einen gewissen Andreas zum Anführer gemacht und vernichteten sowohl Römer als Griechen. Sie aßen vom Fleisch ihrer Opfer, machten sich Gürtel aus Eingeweiden, schmierten sich mit dem Blut ein und kleideten sich in die Häute; viele zersägten sie von oben nach unten, andere warfen sie wilden Tieren vor und wieder andere zwangen sie, als Gladiatoren zu kämpfen. Insgesamt starben 220.000 Menschen.“

Ein „Unbehagen in der Kultur“?

Wir sehen also, dass das Judentum und die griechisch-römische Kultur immer schon einen deutlichen Gegensatz bildeten. Die Erinnerungen an die gewalttätigen Aufstände der Juden gegen Römer und Griechen sind sogar mehrfach Teil der religiösen Traditionen des Judentums geworden. Da die griechisch-römische Antike mit ihrem enormen Kulturerbe nach wie vor den Kern der europäischen, westlichen Zivilisation bildet, ist eine jüdische Identität, vor allem wenn man die Religion wirklich glaubt und verinnerlicht hat, zuweilen nur schwer mit einer gleichzeitigen und vor allem gleichwertigen Identifizierung mit Rom und somit mit dem Abendland zu verbinden. Frei nach Sigmund Freud könnte man diese Problematik vielleicht als ein „Unbehagen in der Kultur“ beschreiben.

Der jüdische Hass auf Rom findet noch einen Widerhall in der Offenbarung des Johannes im Neuen Testament, wo über „die Hure Babylon“ gelästert wird, womit ziemlich eindeutig Rom gemeint ist. Hierbei handelt es sich um eine genuin jüdische Regung im Christentum, das ja bekanntlich als jüdische Abspaltung seinen Anfang nahm.

Das europäische Erbe muss unverfälscht hochgehalten werden

Nein, Europa fußt nicht auf Israel und dem Tanach. Diese Behauptung ist aus den dargelegten Gründen nicht nur absurd, sondern auch beleidigend, da sie unsere großartige Kultur, all das, was wir erschaffen und der Welt geschenkt haben, durch so eine miese Sophisterei für das Judentum beanspruchen will. Hazony möchte seine Nation mit fremden Federn schmücken. Eine solche Geschichtsfälschung ist nicht statthaft und eine große Gemeinheit.

Hazony will Europa seine kulturellen Wurzeln rauben, unsere Zivilisation dekonstruieren und stattdessen einen den faktischen Tatsachen widersprechenden, neuen jüdischen Nationalmythos an die Stelle des wahren Ursprunges unserer Geschichte stellen. Damit macht er sich nicht zum Freund Europas und schafft vor allem nur wieder Streitereien, die nicht notwendig sind. So etwas dürfen wir uns nicht gefallen lassen. Rom und Athen sind und bleiben die ewige Grundlage unser geistigen Welt.


Jahrgang 1986, aus Wien, Studium der Philosophie, begreift sich als Vertreter der deutschen Alt-Right (Alternative Rechte) und ist seit 2014 als Journalist bei diversen Medien tätig und veröffentlichte mehrere Bücher. Maßgeblich war er beteiligt an PEGIDA in Österreich. Zudem ist er Gründer und Obmann von "OKZIDENT - Verein zur Förderung von Rechtsstaatlichkeit". - www.georgimmanuelnagel.at

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