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Sachthemen statt Ideologie!

Ich möchte meinen aktuellen Beitrag über das »Geschichtszeichen« Sarrazin und die Schwäche der Konservativen nutzen, um zu einer grundsätzlichen Debatte anzuregen. Ganz ehrlich gesagt, habe ich bei standardisierten konservativen Diskussionen um »linke Gewalt«, den »Schuldkult«, die »Konservative Revolution« oder die fehlende Meinungsfreiheit trotz ihrer unbestrittenen Wichtigkeit ein gewisses Unbehagen, weil jedes Mal der Weg zur Selbstgefälligkeit recht kurz ist. Aus genau diesem Grund bin ich sehr stolz auf unseren letztjährigen Themenschwerpunkt »Pop und Nische« sowie unser Rilke-Buch.

Mir ist dabei natürlich bewußt, daß dies nicht ausreicht. Darüber hinaus sind bestimmte Themen (wie etwa neben Kultur auch Bildung) einfach nicht populär. Mit ihnen läßt sich kein Blumentopf gewinnen.

Was sind nun aber die Themen, denen sich Konservative widmen sollten? Dazu möchte ich euch befragen, aber zuvor einige Vorschläge unterbreiten:

  • Eine Kritik des Wohlfahrtsstaates
  • Eine umfassende Beleuchtung der Energie-Frage (Öl, Strom, Gas, …) sowie generell der Ressourcen-Knappheit
  • »Die Zukunft des Lebens« aus dem Blickwinkel neuer biotechnologischer Innovationen (z.B. PID). Damit einhergehend: Biopolitik und die Macht des Staates über das Leben
  • Die drohende Vernichtung des Menschen durch den Menschen
  • Globalisierung und Finanzkrise: Die Konstruktionsfehler des supra-nationalen Raumes
  • Die freiwillige Selbst-Überwachung: Der libertäre Schriftsteller Oliver Uschmann hat dafür in seinem Roman Feindesland den schönen Begriff des BürgerVZ entworfen. Damit einhergehend: Die Bedrohung des Privaten

Sollten sich für diese Themen fachkundige Autoren finden, würde mich dies freuen. Meldet euch einfach mit einer Nachricht bei der Redaktion. Ansonsten hoffe ich auf viele weitere, NEUE Vorschläge!

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

11 Kommentare zu “Sachthemen statt Ideologie!

  1. ich finde, debatten sind sinnlos, das ist wie onanie: es entsteht nichts neues dadurch. sicher, wer noch auf der suche ist, findet über dieses oder jenes thema einstieg in einen weltanschaulichen kontext, das kann schon positive auswirkungen auf den einzelnen haben. aber in der regel wird jede debatte in zeiten von facebook zum plauderkasten. mit politik hat das nichts zu tun und auch nicht damit, wie man sein leben richtig führt. wenn etwas politisch ist, dann das persönliche handeln und das findet außerhalb des internets statt. man sollte seine energien zum beispiel darauf verwenden, vorbildlich zu handeln, sich richtig zu ernähren, sich zu bilden, seinen körper gesund zu erhalten, eine familie zu gründen, kulturwerte zu schaffen und kritisch zu sein gegenüber bevormundungen.

  2. caterina m

    Debatte ist auch ein ziemlich überstrapazierter Begriff, bei dem eigentlich keiner so genau weiß, was er bedeutet.
    Man könnte das ganze ebenso gut Diskurs nennen und wieder weiß niemand, was das heißen soll. Aber wir haben zumindest ein anderes Wort und ich finde es trotz allem sogar fast geeigneter.
    Was ich allgemein auch interessant fände (ich hab jetzt nicht den Überblick, in wie weit das schon geschehen ist oder sinnvoll erscheint), ist nicht das (politische) Thema an sich, sondern der Umgang damit. Die Struktur von »Meinungs«bildung (inklusive Facebookstammtisch, Blogger«szene« etc.) und die Frage, was Meinung überhaupt ist oder sein soll. Das schließt ja auch eine kritische Selbstbetrachtung nicht aus. Im Grunde kann man da auch alles das reinpacken, was Benjamin angesprochen hat.
    Klingt vielleicht erst mal abstrakter, ist es aber eigentlich nicht. Und machen tuts irgendwie auch keiner.

  3. Benjamin, du hast schon recht mit dem, was du schreibst. Allerdings ist so eine Standpunktsdiskussion für ein journalistisches Projekt wie die BN schon wichtig, vor allem, wenn man nicht als Mini-JF gelten will.

    Vorbildliches Leben führen, Kulturwerte schaffen – ja! Gerade darüber können und sollten wir – neben den typischen tagespolitischen Sachen und Interviews – vermehrt schreiben. Dabei neue Formate ausprobieren.

  4. ich verstehe ehrlich gesagt überhaupt nicht diese ständige frage »wie richtig leben?«. dabei wird mir zu sehr vergessen, warum gerade konservative eine strikte trennung von privatsphäre und öffentlichkeit befürworten sollten (aus gründen der »moral und hypermoral« – um gehlen zu zitieren).

    eine zeitung hat immer die vorrangige aufgabe, zu informieren – und zwar in erster linie über öffentliche belange.

  5. Vinneuil

    »Ganz ehrlich gesagt, habe ich bei standardisierten konservativen Diskussionen um “linke Gewalt”, den “Schuldkult”, die “Konservative Revolution” oder die fehlende Meinungsfreiheit trotz ihrer unbestrittenen Wichtigkeit ein gewisses Unbehagen…«

    Was soll man da machen? Das sind nunmal die vorrangigen politischen Themen, jene, wo es um unser Überleben geht, und die wir uns auch nicht freiwillig ausgesucht haben, und die ja auch vom Mainstream geteilt werden, nur eben seitenverkehrt. Dagegen sind die Alternativ-Vorschläge weder besonders dringlich, noch besonders kitzlig. Ansonsten bleibt da echt nur die Abwendung von der Politik und das Gedichteschreiben.

  6. Ich fände es schön, wenn weiterhin Einbrüche in die politisch korrekte Sphäre gelängen, wie die Interviews mit »Mainstream«-Bands oder den Auftritt dieses jungen Mannes bei den Poetry-Slams. Allein schon des Spasses wegen, die hysterische Meute beim Versuch, diese Einbrüche abzuriegeln zu beobachten.
    Und weil es über die »rechte« Selbstvergewisserung hinausgeht. Linke Gewalt interessiert halt nur die, die sich darüber schon immer aufgeregt haben.
    Zum Beispiel die Grünen sind m.E. ein Phänomen, das wir immer nur angreifen, wenn es in Form einer gewissen Anzeigeerstatterin gendermaingestreamt daherkommt. Aber zu einer Person wie Kretschmann, der z.B. seinen Auftritt bei einer rechtskonservativen Studentenverbindung dezidiert verteidigt hat, ist es merkwürdig still im konservativen Lager.
    Dabei ist die liberal-schwarze Anbiederung an die Wirtschaft, wie sie Springer oder die Achse des Guten betreiben, für mich ähnlich ekelerregend wie der Jakobinismus der Gutmenschen. Daher sollte man nach Ansätzen für eine neue Frontbildung suchen.
    Warum sind Leute wie Sarrazin oder Kretschmann nicht in der »rechten« CDU, wo sich hingegen so aufrechte Gestalten wie Merkel tummeln? Wie dick ist der ideologische Lack der grünen Wählerschaft? Liegt darunter nicht ein gutes Stück Konservatismus, Heimatverbundenheit und Bejahung der Familie?

  7. »Darüber hinaus sind bestimmte Themen (wie etwa neben Kultur auch Bildung) einfach nicht populär. Mit ihnen läßt sich kein Blumentopf gewinnen.«

    Versteh ich nicht ganz, Kultur ist der Dreh- und Angelpunkt des Ganzen… Damit lassen sich mehr Blumentöpfe gewinnen, als mit allen anderen Themen, gerade in dieser Zeit des Verfalls.

  8. Marco Reese

    Aber nicht bei allen Lesern bzw. im Hinblick auf die Zahl der Leser. Darum geht es. Das ist freilich nicht das entscheidende Kriterium.

  9. Sisyphus

    Debattiert wird genug. Es fehlen Zielsetzungen und klare Standpunkte/Strategien, wie diese zu erreichen sind. Gelingt keine Einigung über die Zielsetzung, so wie derzeit bei den großen Parteien zu beobachten, gibt es einen orientierungslosen Schlingerkurs. Die Sachthemen sind alle längst durchdisktiert, die Probleme bekannt. Lösungen kann man aber nur selektieren, wenn man eine konkrete Vorstellung davon entwickelt hat, wo man eigentlich hin will. Diese Vorstellung zu haben, wird normalerweise von politischen Handlungsträgern erwartet. Ganz besonders aber wird sie von politischen Strömungen erwartet, die für sich größeren Einfluss verlangen.

  10. Sebastian Rast

    Ich muss gestehen, dass ich Zweifel daran habe, ob aus unserer Position heraus im Moment überhaupt irgendwomit ein Blumentopf zu gewinnen ist. Wie Benjamin gesagt hat, führt auch noch so eifriges Debattieren entweder in den Elfenbeinturm oder in eine »BRD-Inszenierung«, wie Felix es in seinem Artikel umschrieb – und auf eine solche folgt erfahrungsgemäß die Versenkung des Themas zugunsten des nächsten belanglosen »Skandals«. Ein Schuh, den auch die »rechten Theoretiker« sich anziehen müssen.

    Die beste Möglichkeit ist, eine Gegenöffentlichkeit mit Schneid und Attitüde zu schaffen. Rechts zu sein wird zwangsläufig wieder »in« werden unter einem Teil der jungen Menschen. Es gilt, diejenigen, die sich vom Konservatismus (inklusive seinem Chic und den »gediegenen« Klischees) angesprochen fühlen abzuschöpfen – jede zwanghafte Modernisierung des eigenen Auftretens und der Inhalte nur um »jeden mitnehmen« zu können zieht die Degeneration zur Subkultur nach sich, wie die rechtsextreme Szene es eindrucksvoll vorgemacht hat.

    So weh es auch tut – Einen Schwerpunkt auf Kulturartikel zu setzen kann sich ein Magazin oder eine Theoriezeitschrift leisten – eine Bewegung in einer solch extremen Außenseiterposition (im Gegensatz zu Neonazis gelten wir noch nicht einmal als rebellisch oder sonstwas – die meisten wissen schlichtweg nicht von der Existenz der BN oder der JF) muss mit eigener Attitüde punkten. Stramm, reaktionär, erzkonservativ, einfach »rechts«. Das prägt sich ein.

  11. Sebastian Rast

    Ich gebe zu, das hilft nicht wirklich weiter, was konkrete Themen angeht…abgesehen davon, dass ich nicht gesehen habe, wie alt das Thema ist. Deshalb entschuldige ich mich schonmal für den Doppelbeitrag. Grundsätzlich wollte ich damit sagen: Solange sich in Punkto Öffentlichkeitspräsenz nichts tut, ist es müßig, über inhaltliche Schwerpunkte im Internet zu diskutieren. Die KSA war eine super Idee, soweit ich das beurteilen kann. Das tut wirklich not! Wichtig ist dann nur noch, dass nachdem man öffentlich wahrgenommen wurde das intellektuelle Angebot mit dem »Image« des Produktes »Konservatismus bzw. rechts« übereinstimmt. Im Moment sind wir »Freaks und irgendwie total von gestern«. Das müssen wir jetzt für BRD-Leute »cool« machen.

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