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Schwarmfinanzierung: Wer gibt mir Geld?

Was ist nicht alles in den Weiten des WWW möglich? Auch wenn uns manche als ewiggestrig einschätzen, sind wir immer auf der Suche nach dem nächsten großen Ding. So sind wir auch vor einiger Zeit auf das sogenannte »Crowdfunding« gestoßen. Die Idee dieser Schwarmfinanzierung: Jemand will ein Projekt umsetzen, ihm fehlt aber das Geld. Deshalb stellt er sein Projekt im Internet vor und bietet allen Spendern besondere Geschenke an. Diese sind umso größer, je größer die Spende ist.

Aktuell will z.B. ein Gerrit van Aaken ein Buch über »Prägnante Webtypografie« schreiben. Er ist der Meinung, daß er das in fünf Wochen schafft und in dieser Zeit 7.500 Euro verdienen sollte. Bisher konnte er schon 5.596 Euro sammeln und hat für die restlichen 2000 Euro noch über einen Monat Zeit, um sie einzusammeln.

Wenn ich so etwas lese, frage ich mich, wie bescheuert wir eigentlich sind: Wir haben es auch schon mal mit der »Schwarmfinanzierung« versucht. Zur Sicherheit haben wir auf einen Anbieter aus der Schweiz gesetzt und wollten auf diese Weise 2.000 Euro für den Kafka-Preis eintreiben. Wenige Stunden vor Beginn der Spendenaktion teilte man uns aber auch aus der Schweiz mit, daß man sich von uns distanzieren müsse.

Ich bin noch auf ein anderes Beispiel gestoßen: Damit 500.000 Schülerzeitungen gegen rechts verteilt werden können, hat die Initiative »Kein Bock auf Nazis« um 7.500 Euro Spenden gebeten und am Ende sogar noch etwas mehr bekommen.

Würden wir so etwas auch hinbekommen?

  • Wie wäre es, wenn ich ankündigte, ein Buch über die Skandalokratie schreiben zu wollen? Ich brauche dafür deutlich länger als fünf Wochen – sagen wir mal: mindestens ein halbes Jahr (und das auch nur, weil ich schon seit über einem Jahr intensiv zu diesem Thema recherchiere, Material sammle und Vorträge halte). Ich würde mich aber trotzdem mit deutlich weniger Geld als van Aaken zufrieden geben. Aber keine falsche Bescheidenheit – 4.000 Euro bekommen wir doch bestimmt zusammen, oder?
  • Wie wäre es, wenn wir für eine Blaue Narzisse-Druckausgabe sammeln würden, damit wir die Auflage mal richtig in die Höhe treiben können. An die 500.000 kommen wir freilich nicht ran, aber wie wäre es zumindest einmal mit 10.000 oder 25.000 Stück, die ausschließlich an Schulen und Universitäten kostenlos verteilt werden? Wir bräuchten dafür einen Zuschuss von 2.000 Euro. Kriegen wir das hin?

Wer übrigens auf herkömmliche Weise unsere Arbeit unterstützen möchte, dem sei unser Förderverein sowie unser Modell der Autorenpatenschaft empfohlen. Mühsam ernährt sich bekanntlich das Eichhörnchen. Die Frage ist nur: Wollen wir für immer ein niedliches Eichhörnchen bleiben?

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Geboren 1985 in Karl-Marx-Stadt (heute: Chemnitz). Studium der Medien- und Kommunikationswissenschaften, Politik und BWL in Halle. Lebt in Dresden.

5 Kommentare zu “Schwarmfinanzierung: Wer gibt mir Geld?

  1. woah, erstmal den Ringelnatz rausgeholt… 🙂

  2. Alfred Zimmermann

    400 Leser geben 10€, sicher machbar.

  3. Probieren kostet nichts. Würde auch 10 € hergeben, um die BN bei mir an der Uni zu sehen.

  4. Sehe ich genauso. Dazu muss die BN aber auch Inhalt bringen – und das dauerhaft. Und ja, den Förderverein unterstütze ich schon – für eine Autorenpatenschaft bräuchte ich von den Autoren auch mal eine Übersicht, samt Spezialisierungsgebiet.

  5. Und warum nicht startnext?

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